Eine Situation, die immer öfter vorkommt: Ein schwerer Unfall auf der Autobahn. Der Verkehr wird langsamer, Leute zücken ihre Handys, machen Aufnahmen und filmen den Unfallort. Diese sogenannten Gaffer gefährden dann sich, andere und im schlimmsten Fall sogar die Rettungsarbeiten. Bilder von der Einsatzstelle werden durch Pressevertreter in den Medien veröffentlicht. Vielen stellt sich die Frage: „Warum darf der Reporter Fotos vom Unfallort machen und ich nicht?“

Quietschende Reifen, Blech auf Blech. Ein Verkehrsunfall. Ein paar Autos bleiben stehen, viele fahren weiter. Die Ersthelfer sehen nach den Fahrern, während ein anderer den Notruf absetzt. Leider bleiben auch einige stehen, nur um ein paar Bilder zu machen. An einem dieser geparkten Autos kommt der Rettungswagen nicht vorbei, die Sanitäter müssen nun zu Fuß die letzten 50 Meter zum Unfall laufen. Die angerückte Polizei muss sich um die Unfallaufnahme kümmern und kann die staunende Menge nur schwer von den arbeitenden Rettungskräften fernhalten. Solche Szenen spielen sich fast täglich auf deutschen Straßen ab.

Immer wieder berichten die Rettungskräfte von Autofahrern und Passanten, die sich nicht an Regeln oder Gesetze halten, die Rettungsarbeiten stören oder Fotos und Videos von Verletzen und Toten im Internet verbreiten. Parallel dazu veröffentlichen Reporter in den Nachrichtenportalen Ihre Berichte von den gleichen Unfällen, oft auch mit Bildern und Videos. In der Bevölkerung wird sich immer wieder die Frage gestellt, worin sich die Arbeit von den Journalisten und diesen Gaffern unterscheidet.

Bist du ein Gaffer?

Wer an einer Unfallstelle nur stehen bleibt, um das Unfallgeschehen zu beobachten oder sich unbefugt am Unfallort aufhält, ist ein Gaffer.

Gaffer sind meist nur in Gruppen anzutreffen. Nur wo schon zwei, drei Leute stehen, stellen sich auch andere dazu. Sie haben das Gefühl, etwas zu verpassen, denn was dort passiert ist, scheint wohl spannend zu sein. Sobald einer das Handy zückt, machen es kurz darauf viele weitere. Das sich dabei jeder einzelne strafbar macht, wird in der Gruppe meist ausgeblendet. 

Mit den Gesetzesänderungen der letzten Jahre, können Gaffer mit einer Gefängnisstrafe von bis zu 2 Jahren bestraft werden. Hierbei ist es nicht entscheidend, ob die Bilder und Videos im Internet veröffentlicht wurden oder nicht.

Gaffen als Unfallursache

Oft behindern oder verzögern Gaffer die schnelle Anfahrt der Rettungskräfte zum Unfallort. Sie bilden keine Rettungsgassen, versperren Wege und blockieren im schlimmsten Fall sogar die Zufahrt zur Unfallstelle. Außerdem bremsen Gaffer ihre Autos oder LKWs an der Unfallstelle deutlich ab, um filmen oder fotografieren zu können. Dadurch entsteht ein weiteres Gefahrenpotential für den folgenden Verkehr und die im Rückstau festsitzenden Einsatzkräfte. Für Unfallbeteiligte stellen Schaulustige eine große Gefahr dar. Jede Minute zählt. Oft entscheiden Sekunden über Leben und Tod.

Zudem vergessen Gaffer, sich angemessen zu verhalten. Beispielsweise unterlassen sie es, Hilfe zu leisten. Es stehen schließlich noch andere Leute herum, die etwas tun könnten. Sie fühlen sich weder zuständig, noch verantwortlich. Auch bei Menschen, die sich sonst für erste Hilfe aussprechen, sinkt die Bereitschaft zu helfen, wenn bereits einige Zuschauer an der Unglücksstelle stehen. Nur ein kurzes Anhalten und Nachfragen, ob noch Hilfe benötigt wird, wäre in den meisten Fällen schon ausreichend.

Der feine Unterschied

Jeden Tag werden in den Medien Beiträge von Unfällen oder Unglücken veröffentlicht. Auch wenn die Aufnahmen von professionellen Reportern erstellt worden sind, verstehen viele Gaffer nicht, warum es einigen Personen erlaubt ist, von Unfällen zu berichten und Ihnen nicht. Fotografen und Reporter arbeiten an Unfallstellen mit gewissen Grundsätzen, die ihre Arbeitsweise von den gefährlichen Gaffern unterscheidet.

Der Unterschied ist, dass die Reporter wissen, was sie tun. Sie sind aufgrund Ihrer beruflichen Aufgabe dazu verpflichtet, die Öffentlichkeit über die Geschehnisse zu Informieren und darüber zu berichten. Oft wird mit den Einsatzkräften abgesprochen, aus welcher Perspektive das Auto fotografiert werden darf, dass man keine Toten oder Verletzten sehen kann. 

Oftmals werden die Bilder auch in Kooperation mit der Polizei für die Beweissicherung angefertigt und ausgehändigt. In der redaktionellen Nachbearbeitung werden die Bilder noch einmal überprüft. Nummernschilder und Details, die Rückschlüsse auf Unfallbeteiligte zulassen, werden verpixelt.

Das entgegengebrachte Vertrauen der Einsatzkräfte für die Reporter wird immer wieder bestätigt durch eine professionelle Arbeitsweise in schweren Situationen. Als Beispiel kann das Ablegen der Kamera oder Verdecken des Objektivs bei der Bergung von Verunglückten genannt werden. Dadurch können die Einsatzkräfte sichergehen, dass von diesen Momenten keine Aufnahmen gemacht werden.

Richtiges Verhalten an der Einsatzstelle

Immer wieder werden von den Behörden Tipps veröffentlicht, wie man sich an einer Einsatzstelle richtig zu verhalten hat. Wenn man als Ersthelfer zu einem Unfall kommt, sind das Anlegen der Warnweste und das Aufstellen eines Warndreiecks die ersten Aufgaben. Damit warnt man den Verkehr und andere Verkehrsteilnehmer vor der Gefahrenstelle. Nachdem die Rettungskräfte verständigt worden sind, muss erste Hilfe geleistet werden, sofern es die Umstände des Unfalls zulassen.

Wenn bereits Einsatzkräfte vor Ort sind, sollten einige Dinge beachtet werden. Anweisungen der Rettungskräfte sind unbedingt Folge leisten und nicht zu hinterfragen, zum Beispiel sind Straßensperrungen zu akzeptieren. Ein nächster, wichtiger Punkt ist es, die Rettungsgasse zu bilden und unbedingt offen zu halten. Oft kommen im Laufe eines Einsatzes noch weitere Einsatzfahrzeuge zur Unterstützung, beispielsweise ein Abschleppunternehmen oder die Polizei. Wenn sich diese dann noch durch einen Stau kämpfen müssen, kann es sein, dass die Sperrung noch viel länger dauert.

Bei Unfällen auf dem gegenüberliegenden Fahrstreifen sollte man auf keinen Fall langsamer werden oder gar stehen bleiben. Oft werden solche Vorbeifahrten genutzt, um Bilder und Videos aufzunehmen. Damit machen sich die Fahrer strafbar und gefährden den Verkehr auf Ihrer Fahrspur. Der nachfolgende Verkehr rechnet nicht mit der plötzlichen Langsamfahrt und es kommt häufig zu Unfällen und leider auch Personenschäden. 

Immer mehr Feuerwehren versperren den Schaulustigen während eines Einsatzes mit Hilfe von Schutzwänden die Sicht. Sie bieten den Unfallopfern und Einsatzkräften gleichzeitig Schutz und Sicherheit. Der Sichtschutz besteht oft aus einem sich schnell aufstellendem Gestell und einer Plane, die oftmals mit aufklärenden Slogans, wie z. B. “Nicht gaffen, Mitglied werden” bedruckt sind. Für die Feuerwehr steht mit dieser Schutzwand nicht nur die direkte, auch durchaus provokative Mitgliederwerbung im Vordergrund, sondern auch ein informatives Wachrütteln der Bevölkerung.

 

Von Janine Fehre

 

Textquellen:

    https://www.feuerwehrmagazin.de/wissen/medien/coole-aktionen-gegen-gaffer-die-jeder-feuerwehrmann-gesehen-haben-sollte-65635

    https://www.adac.de/verkehr/recht/verkehrsvorschriften-deutschland/gaffer/

    https://www.ndr.de/ratgeber/Gaffer-Warum-Schaulustige-Unfaelle-filmen,gaffer250.html

    https://www.hamburger-allgemeine.de/unterschied-zwischen-gaffer-und-pressefotograf/

    https://www.sueddeutsche.de/panorama/unfaelle-sind-wir-alle-gaffer-1.3682243

    https://rp-online.de/nrw/staedte/ratingen/unfall-auf-a3-bei-ratingen-das-ist-der-unterschied-zwischen-gaffern-und-pressefotografen_aid-17721763

Bildquellen:

Bild 1: Freiwillige Feuerwehr Geltendorf

Bild 2/Titelbild: https://pixabay.com/de/photos/unfall-feuerwehr-rettung-einsatz-1645221/

 

Leave a Reply