„Die schönste List des Teufels ist es, uns zu überzeugen, daß es ihn nicht gibt.“ Das zu beweisen ist wohl auch ein Ziel der Exorzisten, der Teufelsaustreiber, die selbst heute noch aktiv sind, auch in Deutschland. Wo hat das ganze seinen Ursprung? Was passiert bei einem Exorzismus genau? Was gibt es für aktuelle Fälle? Und was sagt die Medizin dazu?

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Körpergröße: 1,66 Meter, Gewicht: 31 Kilogramm. In solch einem Zustand verstarb die aus der Nähe von Straubing stammende Anneliese Michel Mitte der 1970er Jahre. Mithilfe unzähliger Exorzismen hatte man der Anfang-20-Jährigen ganze 67 mal versucht den Teufel austreiben, was letztendlich zu ihrem Todesurteil wurde.

Ihr Fall ist einer der Bekanntesten im Zusammenhang mit Teufelsaustreibungen und wirft bis heute Fragen auf. Tatsächlich ist das Thema im Allgemeinen noch lange kein alter Hut, wie zahlreiche Nachrichten und Mitteilungen aufzeigen. Auch hier in Deutschland wird immer wieder davon berichtet.

Die Ursprünge

„Der Exorzismus dient dazu, Dämonen auszutreiben oder vom Einfluß von Dämonen zu befreien […].“ Das kann man dem „Katechismus der Katholischen Kirche“, einem Buch des bereits verstorbenen Papstes Johannes Paul II. aus dem Jahr 1992 entnehmen.

Im Christentum ist die Thematik der Teufelsaustreibung tatsächlich schon seit dem Mittelalter bekannt. Damals nahm die Verbreitung des Glaubens an Dämonen, Geister und Teufel allmählich Fahrt auf. 1614 wurde der Exorzismus dann offiziell in der katholischen Kirche eingeführt.

Exorzisten gibt es allerdings nicht nur im Christentum. Auch im alten Orient, im Judentum, Mesopotamien und sogar im alten Ägypten lassen sich Belege hierzu finden.

Vom Anfang bis zum Ende

Was muss man sich jetzt unter dem ganzen Prozedere konkret vorstellen? Bevor es zu einem Prozess kommt muss die betroffene Person erst einmal gewisse Symptome aufweisen. Dazu gehören (laut Geistlichen) unter anderem ein Wechsel des Charakters der Person, Tobsucht, ungewöhnliche Kräfte, epileptische Anfälle (das bitte merken), Aggression gegen das Religiöse und psychische Hellsichtigkeit.

Dann muss man noch zwischen dem großen und dem kleinen Exorzismus unterscheiden. Letzterer wird nämlich bereits bei der Taufe vollzogen, indem um den Schutz vor Verseuchungen des Bösen gebeten wird. Im Gegensatz zu diesem sogenannten „Taufexorzismus“ dürfen große Teufelsaustreibungen nur von Priestern mit Erlaubnis eines Bischofs vollzogen werden.

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Im Laufe der Jahrhunderte haben sich die Abläufe und Riten der Exorzismen immer wieder verändert und verschiedene Quellen geben hier auch teils unterschiedliche Aussagen an. Trotzdem lässt sich ein gewisses Grundschema erkennen:

Der oder die Besessene wird zuerst mit Weihwasser besprengt, worauf ein Wortgottesdienst mit verschiedenen Psalmen und Evangelien folgt. Anschließend werden der bzw. dem Betroffenen die Hand auferlegt, das Glaubensbekenntnis gesprochen, das Kreuz als solches gezeigt und zum Abschluss ein Dankeslied, sowie ein weiteres Gebet und der Segen gesprochen.

Und es wird nicht weniger

Auch über 400 Jahre nach der offiziellen „Einführung“ des Exorzismus ist dieser noch immer Gesprächsthema:

2014 wurde die in etwa 30 Ländern vertretene internationale Vereinigung der Exorzisten (AIE) vom Vatikan offiziell als private rechtsfähige Gesellschaft anerkannt, in der 250 Exorzisten mit jährlich 30.000 Prozessen eingetragen sind. In Frankfurt wurde Anfang Dezember 2015 eine 41-jährige Koreanerin von ihren Familienangehörigen im Rahmen einer Teufelsaustreibung erstickt. Laut einer Umfrage der Zeitung „The Economist“ aus dem Jahr 2017 steige die Zahl der Anfragen nach Exorzismen zudem. Und in Polen gibt es seit einigen Jahren eine immer populärer werdende Zeitschrift (im Original „Egzorcysta“), die von Exorzisten selbst verfasst und sogar von der katholischen Kirche approbiert wird. Mittlerweile werden mehr als 20.000 Exemplare jährlich in Polen vertrieben.

Man erkennt also deutlich, dass selbst in unserer vermeintlich aufgeklärten Gesellschaft alles rund um den Teufel und seine vermeintlich bösen Machenschaften noch immer aktuell ist.

Sicher nichts Medizinisches?

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Aus Sicht der modernen Medizin wird ein besessenes Verhalten, wie es die Kirche mit einem Exorzismus behandeln will, vor allem als ein Symptom einer organischen Krankheit oder psychischen Störung gesehen. Beispielsweise werden Epilepsie oder Schizophrenie oft als eine Erklärung dafür herangezogen. Klassische Symptome einer Schizophrenie sind unter anderem Realitätsverlust, Wahnvorstellungen, Störungen des Denkens, der Sprache und der Gefühlswelt. Bei Epilepsie kann es unter Umständen auch zu Veränderungen des Bewusstseins kommen.

Hätte man dieses medizinische Wissen schon 1976 gehabt, wäre dadurch vielleicht auch der Diagnose von Epilepsie, die damals bei Anneliese Michel festgestellt wurde, mehr Aufmerksamkeit geschenkt worden. So glaubten ihre Eltern jedoch eher der Kirche, die an den Anfällen ihrer Tochter klare Anzeichen einer Besessenheit vermutete. Michel starb letztendlich an den Folgen extremer Unterernährung und, wie in der späteren Autopsie festgestellt wurde, einer Lungenentzündung.

Und trotz moderner Forschung und kultureller Aufklärung scheint die jahrhundertealte Thematik der Teufelsaustreibung in der Bevölkerung bis heute nicht viel weniger zu werden. Experten vermuten, dass in Deutschland pro Tag bis zu zehn Exorzismen durchgeführt werden. Aber wie heißt es so schön? „Lustig gelebt und selig gestorben, heißt dem Teufel die Rechnung verdorben.“

von Tim R.

Quellen:

https://zwischenbetrachtung.de/2018/06/12/exorzismus-in-deutschland/

https://www.n-tv.de/panorama/Glaube-ans-Boese-mit-brutalen-Folgen-article18840506.html

https://www.sueddeutsche.de/panorama/frankfurt-exorzismus-prozess-daemonen-auf-zimmer-433-1.3198452

https://www.arte.tv/de/articles/tracks-exorzismus

https://de.wikipedia.org/wiki/Exorzismus

https://hpd.de/artikel/immer-mehr-kirchenaustritte-17089

https://www.deutschlandfunkkultur.de/exorzismus-in-polen-auf-teufel-komm-raus.1076.de.html?dram:article_id=395511

https://www.deutschlandfunkkultur.de/exorzismus-im-jahr-2018-ist-das-boese-auf-dem-vormarsch.1005.de.html?dram:article_id=412527

https://www.blick.ch/life/wissen/religion/7-fakten-zur-teufelsaustreibung-id15113362.html

https://www.neurologen-und-psychiater-im-netz.org/

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