Oft ist es in unserer Gesellschaft verhöhnt im Internet nach den eigenen Symptomen zu suchen, stattdessen wird geraten zum Arzt des Vertrauens zu gehen. Aber kann Dr. Google nicht auch hilfreich sein? Weiß Dr. Google manchmal mehr als Ärzte?

Wann die ersten Symptome auftraten ist schwierig zu sagen. Irgendwann waren es keine Symptome mehr, es wurde zur Normalität.

Ärzte verschiedenster Fachgebiete waren sich einig: Diese kleinen Pickelchen an den Oberarmen? Die können in der Pubertät auftreten, das kann ganz normal sein und geht schon wieder weg. Die Bauchschmerzen? Da finden wir keine Ursache, das kann ganz normal sein und geht schon wieder weg. Der Wechsel zwischen extremer Verstopfung und Durchfall? Jeder hat eine andere Verdauung, das kann ganz normal sein und geht schon wieder weg. Die depressive Verstimmung? Kann auch in der Pubertät auftreten, das kann ganz normal sein und geht schon wieder weg. Die Blutergebnisse? Zeigen nichts Auffälliges, das kann ganz normal sein und geht schon wieder weg.

Wenn Ärzte über fünf Jahre sagen, das kann ganz normal sein und geht schon wieder weg, fängt die Grübelei an.

Auf der Suche nach der „Normalität“

Mediziner haben eine besondere Stellung in unserer Gesellschaft. Keiner ist gerne krank und keiner sitzt gerne im Wartezimmer. Aber jeder möchte einen sympathischen und einfühlsamen Doktor, der ein gutes Gefühl vermittelt und Kompetenz ausstrahlt. Denn wir bauen ein Vertrauensverhältnis mit ihm auf. Passt diese Verbindung zwischen Arzt und Patient nicht, dann sucht der Patient andere Wege, um sich verschiedene Meinungen einzuholen. Dies kann auf die unterschiedlichsten Weisen passieren. Wird dabei voneinander unabhängig dieselbe Diagnose gestellt. Dann müssen wir darauf vertrauen! Dann wird es wohl so sein!

Mit dieser besonderen Stellung der Ärzte geht einher, dass wir ihnen Glauben schenken müssen. Denn sie haben den Körper studiert, also Medizin, und sind darin ausgebildet Krankheiten zu entdecken. Wir müssen ihnen vertrauen, wir haben keine andere Chance. Oder doch?

Wenn aus der Verzweiflung und Ratlosigkeit der Ärzte, der letzte Ausweg Dr. Google ist.

Die digitale Welt hat uns neue Wege geebnet. Die digitale Welt kreierte „Doktor Google“. In wenigen Sekunden findet Google zu unseren eingegebenen Symptomen tausende von Ergebnissen. Gibt man Bauchschmerzen in die Suchmaschine ein, spuckt diese ungefähr 4.320.000 Ergebnisse aus. Sämtliche medizinischen Seiten „wissen“ was Bauchschmerzen auslöst, was dagegen getan werden kann und welche unterschiedlichen Schmerzen es gibt. Doch wie ist es möglich diese Informationsflut zu filtern? Und herauszufinden, was zu den eigenen Schmerzen wirklich passt?

Da ist es nicht verwunderlich, dass das Googeln von Symptomen auch oft verhöhnt ist. Sehr oft werden schlimme Diagnosen auf solchen Ratgeber-Seiten gestellt. Diese sind oftmals fernab jeglicher Realität und verunsichern den Suchenden nur noch mehr. In den meisten Fällen macht es also Sinn, sich von einem Arzt untersuchen zu lassen und nicht auf „Doktor Google“ zu hören.

Denn wie auch eine aktuelle Studie aus der Arbeitsgruppe um Professor Dr. Alexander Gerlach vom Lehrstuhl für Klinische Psychologie und Psychotherapie der Universität zu Köln zeigt, wirkt sich online nach Krankheitssymptomen zu suchen negativ auf die Psyche aus. In der Studie wurden vor allem junge Erwachsene durchschnittlich um die 23 Jahre darum gebeten, circa fünf Minuten ihre persönlichen Symptome im Internet zu recherchieren. In dieser Altersgruppe sind ernsthafte Krankheiten zwar eher selten, doch die Probanden hatten nach der Internetsuche alle größere Besorgnis um ihre Gesundheit. Dies steigerte das persönliche Unwohlsein, auch bei den kerngesunden Probanden der Studie.

Deutsche gehen im internationalen Vergleich verhältnismäßig oft, etwa zehn Mal pro Jahr, zum Arzt. Das mag wohl auch an dem sehr guten Gesundheitssystem in Deutschland liegen, trotz alledem scheint die Internetsuche nach Symptomen und Krankheitsbildern normal geworden zu sein. Immerhin recherchiert fast jeder zweite Deutsche regelmäßig im Internet nach Gesundheitsthemen, obwohl entsprechend oft zu Untersuchungen gegangen wird.

 

Vertrauen in das „Bauchgefühl“ sollte jeder haben.

Ich bin jeder zweite Deutsche

Wenn verschiedene Krankheitssymptome nicht mehr verschwinden wollen. Verschiedenste Fachärzte sich dem Thema angenommen haben, aber keiner ein Ergebnis oder gar eine Lösung findet, dann beginnt das Grübeln.

Ist es wirklich normal? Ist es wirklich normal all diese Symptome dauerhaft zu haben? Für mich wurde es normal, weil Ärzte es mir sagten! Aber so wirklich vertraut habe ich nicht darauf, denn den eigenen Körper kennt jeder selbst am besten.

Ich fragte also Dr. Google. Ich gab all meine Symptome ein. Ich machte mich auf die Suche. Auf die Suche, was der Grund für die ganzen Symptome war. Ich suchte die Antwort, die bisher keiner der vielen Götter in Weiß hatte, bei denen ich war.

Es dauerte eine Weile, bis die verschiedenen Symptome einen Zusammenhang bekamen. Bis ich eine Vermutung hatte, welche Krankheit diese Symptome vereinten. Mit meiner Vermutung suchte ich erneut einen Mediziner auf. Ich wollte auf eine, damals eher noch unbekannte Autoimmunerkrankung getestet werden. Ich bestand darauf, dass ein Test gemacht wurde. Auch wenn mein Arzt nicht hundertprozentig überzeugt war. Ein paar Tage später hatte ich das Ergebnis. Die Bauchschmerzen und die anderen Symptome hatte ich mir nicht eingebildet. Sie waren da und hatten einen Namen, dank meiner Google-Recherche.

Was ich daraus gelernt habe? Vertraue auf dein Bauchgefühl, im doppelten Sinn! Wenn Ärzte nicht mehr weiterwissen, kann Dr. Google meiner Erfahrung nach Gold wert sein!

 

                                                                                                                                              Khiana Seyfried


 

Quellenverzeichnis:

https://portal.uni-koeln.de/universitaet/aktuell/presseinformationen/detail/dr-google-online-nach-krankheitssymptomen-zu-suchen-wirkt-sich-negativ-auf-psyche-aus Stand: 26.01.2021

https://www.google.com/searchq=bauchschmerzen&rlz=1C1CHBF_deDE865DE865&oq=bauchschmerzen&aqs=chrome..69i57j0i433l2j0i395l2j0i395i433j0i395l2j0i395i433j0i395.3617j1j15&sourceid=chrome&ie=UTF-8 Stand: 26.01.2021

https://de.statista.com/statistik/daten/studie/77182/umfrage/deutschland-jaehrliche-arztbesuche-p

ro-kopf-seit-1991/ Stand: 26.01.2021

https://www.praktischarzt.de/magazin/deutsche-haeufig-beim-arzt-und-in-ambulanz/ Stand: 26.01.2021

 

Bildquellen:

Eigenproduktion

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