Eine breite Fläche der Erde ist mit Wasser bedeckt. Nach Jahrtausenden auf unserer Welt sollte man meinen, mittlerweile über den Ozean Bescheid zu wissen. Mit den folgenden vier Mysterien der Unterwasserwelt zeige ich euch, wie sehr die Menschheit mit dieser Behauptung falsch liegt.

Über zwei Drittel der Erdoberfläche sind von Wasser bedeckt. Das ist eine so große Fläche, dass wir über 95 % von dem, was sich darin abspielt, keine Ahnung haben. Tatsächlich wissen wir mehr über die Mondoberfläche als darüber, was unter unserer Meeresdecke vor sich geht. Kein Wunder also, dass es unendlich viele Geschichten und offene Fragen über Seemonster, geisterhafte Schiffe und versunkene Städte gibt. Hier sind vier Mysterien der Unterwasserwelt.

1 – Das Land der Seemonster
Nessie, das sagenumwobene Monster von Loch Ness, ist wohl jedem bekannt. Die Kreatur mit dem langen Hals und dem kleinen Kopf soll schon im Jahr 565 n. Chr. vom Mönch Columba gesehen worden sein, aber der Mythos wurde erst 1933 geboren, als sie angeblich zum ersten Mal von Mr. Und Mrs. John Mackay an der Nordküste des Sees gesichtet wurde. Das Land der Seemonster – die Rede ist natürlich von Schottland.
Denn Nessie ist nicht das einzige Ungeheuer, das sich in Schottlands Gewässern verstecken soll. Das Gebiet ist voll davon. Im Loch Morar beispielsweise, dem tiefsten See der britischen Inseln, soll ein Cousin von Nessie leben: Er wird von den Einheimischen Morag genannt. Auch Lizzie, ein zwölf Meter langes Monster, das im Loch Lochy Zuhause sein soll, gehört dem Anschein nach zu Nessies Verwandten. Laut Kryptozoologen gibt es 24 schottische Seeungeheuer, darunter Seepferde, eine Art riesiges Krokodil oder ein Ungeheuer mit hundeartigem Kopf.
Von angeblichen Augenzeugen werden Lizzie, Nessie und Morag als eine Art Plesiosaurier beschrieben, Meeresreptilien, die zusammen mit den Dinosauriern ausgestorben sind. Sind diese Seeungeheuer also vielleicht Nachfahren der Plesiosaurier oder sind sie bloß unserer Fantasie entsprungen? Wie auch immer: Die Bezeichnung „Land der Seemonster“ hat sich Schottland wirklich verdient.

Die Vorstellung, dass sich in diesen Gewässern ein Seemonster befinden soll, ist aufregend und beängstigend zugleich. Bildquelle: Pixabay

2 – Shark Alpha – von dem Riesenhai verspeist
Man hatte sich mehr erhofft, als man den drei Meter langen Weißen Hai, den die Meeresforscher Shark Alpha nannten, mit einem Peilsender ausstattete, um die Temperaturveränderungen unter Wasser aufzunehmen. Aber leider lief nicht alles wie geplant. Als man den Peilsender Monate später fand und auswertete, erkannte man, dass Shark Alpha nach einigen Tagen über eine längere Strecke extrem schnell schwamm, was darauf hindeutete, dass der Hai gejagt wurde. Wäre er der Jäger gewesen, hätte sich Shark Alpha für seine Beute nicht so viel Zeit gelassen.
Kurz später wurde der Hai in eine für ihn ungewöhnliche Tiefe gerissen – 580 Meter in nur wenigen Sekunden – und die Umgebungstemperatur stieg plötzlich von 7 auf 25 Grad. Alles spricht dafür, dass Shark Alpha lebendig verspeist worden war. Die Frage war: Von wem? Vielleicht war es nur ein Hai mit einem genetischen Defekt, der ihn größer werden ließ als üblich, doch auch der Megalodon, ein Riesenhai, der scheinbar eine Länge von bis zu 30 Metern erreichen konnte, wird mit Shark Alpha in Verbindung gebracht.
Er soll zwar vor etwa zwei bis drei Millionen Jahren ausgestorben sein, doch der Megalodon wäre nicht die einzige für ausgestorben geltende Fischart, deren Existenz bewiesen werden konnte. Vom Quastenflosser beispielsweise kannte man nur Fossilien, bis ein Exemplar 1938 an der Küste Südafrikas im Netz eines Fischtrawlers auftauchte. Diese Art ist über 65 Millionen Jahre alt. Warum sollte es also nicht möglich sein, dass sich der Megalodon den Tiefen angepasst und überlebt hat? Vielleicht schwimmt dieses Prachtexemplar tatsächlich an Orten herum, die der Mensch noch nicht untersucht hat.

Der Urzeit-Hai konnte eine unglaubliche Länge von bis zu 20 Metern erreichen. Schon allein sein Gebiss hatte eine Breite von 3 Metern und eine Höhe von über 2,5 Metern. Bildquelle: Pixabay

3 – Das Dreieck, in dem alles verloren geht
Wenn man die Bermudainseln, Miami und Puerto Rico auf der Weltkarte zu einem Dreieck verbindet, ist es nicht zu übersehen: das Bermudadreieck – auch Teufelsdreieck genannt. Dort sollen angeblich immer wieder Schiffe und Flugzeuge auf unerklärliche Weise verschwinden. Berühmt wurde es durch „Flug 19“.
Im Dezember 1945 starteten fünf Torpedo-Bomber zu einem eigentlich harmlosen Übungsflug. Doch plötzlich sollen alle Kompasse nicht mehr funktioniert haben und auch das Meer sah einem Funkspruch zufolge anders aus. Keine der fünf Maschinen ist je wieder aufgetaucht – sie waren alle verschwunden, wie vom Erdboden verschluckt. Sogar das Rettungsflugzeug, das in die Region geschickt wurde, in der die Flieger vermutet wurden, ist nicht mehr zurückgekehrt.
Es gibt weitere Fälle: 1958 verschwand ein Segelschiff, das zuvor noch per Funk seine baldige Ankunft angekündigt hatte. Es gibt einige wissenschaftliche Theorien zu den tragischen Unglücken. Eine davon ist, dass es im Bermuda-Dreieck riesige Methangas-Vorkommen unter dem Meeresboden gibt. Diese können durch beispielsweise Seebeben oder minimale Verschiebungen der Erdplatten als gewaltige Blasen an die Oberfläche gelangen, die die Kraft haben, Schiffe in die Tiefe zu reißen.
Auch die Kompassausfälle können somit erklärt werden, denn durch die Reibung des Gases mit dem Wasser können elektrische Ladungen entstehen, die Magnetfelder erzeugen. Denn eigentlich passieren im Bermudadreieck nicht mehr Unglücke als anderswo auch. Doch wieso hat man die Wrackteile der Flugzeuge nie gefunden?

Reicht die Wissenschaft wirklich aus, um das Verschwinden von Schiffen und Flugzeugen zu erklären? Bildquelle: Pixabay

4 – Spukschiffe auf dem Ozean
Stell dir vor: Du stehst an einem warmen Sommerabend auf dem Deck einer Fähre, die Sonne ist eben untergegangen und in der Ferne siehst du ein kleines Schiff. Seine Lichter erleuchten die wilde Oberfläche des Ozeans. Es sieht hell und lebendig aus, als wäre die Besatzung dabei, unter dem immer dunkler werdenden Himmel zu Abend zu essen, während eine frische Brise um ihre Köpfe weht. Und im nächsten Moment ist es verschwunden. Wie vom Erdboden verschluckt – oder besser gesagt vom Meer. Was ist da gerade passiert? Vielleicht war es nur eine ferne Spiegelung, aber vielleicht hast du eben ein Geisterschiff gesehen. Ja, richtig: Geisterschiff. Dieser Titel wurde nicht umsonst vergeben.
Es gibt viele unheimliche Geschichten von Schiffen, die ohne Besatzung herumtreiben, weil sie entweder spurlos verschwunden oder tot ist. Sichtungen von Wracks, die angeblich längst untergegangen sind, kommen auch nicht gerade selten vor. Die Lady Lovibond beispielsweise ist eines der berühmtesten Geisterschiffe an der britischen Küste. Der Kapitän Simon Peel wollte am 13. Februar 1748 bloß seine Hochzeit auf dem Meer feiern. Doch Steuermann Rivers, der unsterblich in dessen Braut verliebt war, konnte nicht zulassen, dass ein anderer sie bekommt, und steuerte das Schiff direkt in sein Verderben. Seither wird es alle fünfzig Jahre gesichtet. 1798 war ein Kapitän beinahe mit der Lady Lovibond kollidiert, die so nah war, dass er Musik und feiernde Personen am Bord habe hören können. Andere Fischer konnten diese Aussage bezeugen. In den Jahren 1848 und 1898 konnten Fischer sehen, wie sie an den Klippen zerschellte.
Ein weiteres, sehr bekanntes Geisterschiff ist die Mary Celeste, eine Schonerbrigg, die 1872 verlassen im Atlantik trieb. Warum dort, ist bis heute noch unklar. Als ein Kommando der Dei Gratia die Mary Celeste untersuchte, fehlten ein Rettungsboot, der Sextant und das Chronometer. Die 1.701 Fässer Ethanol schienen intakt. Alles deutete darauf hin, dass das Schiff absichtlich verlassen worden war – doch bis heute kennt man weder den Grund noch den Ort, wo der Kapitän, seine Crew und seine Familie abgeblieben sind. Erfanden die Fischer früher gern Geschichten oder ist an den Geisterschiffen tatsächlich etwas Wahres dran?

Für einige Schiffsunglücke gibt es ganz leichte Erklärungen – das kann man von Geisterschiffen jedoch nicht behaupten. Bildquelle: Pixabay

Es gibt noch unendlich viele spannende Mysterien rund um den Ozean: die verlorene Stadt Atlantis, die Ostsee-Anomalie, noch mehr riesige, gefährliche oder angeblich ausgestorbene Tiere, das schleierhafte Verschwinden von Inseln und Schiffen … Fakt ist, egal, wie unecht diese Mysterien klingen, irgendwo in ihnen muss ein wahrer Kern stecken. Aber die meisten von ihnen werden wohl in den Tiefen des Ozeans versunken bleiben bis in alle Ewigkeit.

Noemi Ruggiero


Categories: Allgemein, Natur

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