Im September finden die Bundestagswahlen statt und das es eine neue Regierung geben wird ist bereits relativ sicher. Doch wie groß ist der Einfluss der Jugend auf den Ausgang der Wahlen?

Politik bedeutete für viele Menschen und vor allem junge Erwachsene einmal alle vier Jahre wählen zu gehen und dann die da oben einfach machen lassen. Am besten einfach den- oder diejenige wählen, der oder die einem am sympathischsten ist oder, mit wem es davor schon gut lief. Die Mühe, sich mit dem wirklichen Programm oder der den Zielen der einzelnen Personen bzw. Parteien aus-einander zu setzen machen die Wenigsten der Wähler*innen. So war es zumindest über einen langen Zeitraum. In den drei letzten Jahren merkte man Veränderung, vor allem bei jungen Menschen: mit Bewegungen für unsere Umwelt, bei denen 1,4 Millionen Menschen auf die Straßen gegangen sind, oder Demonstrationen gegen eine Urheberrechtsreform mit 200.000 Demonstrant*innen zeigt sich, dass die Jugend aktiv an der Politik teilnehmen will.

Sie ist interessierter und wünscht sich Veränderungen. Dieser Umschwung zeigt sich seitdem auch mit jedem weiteren Wahlergebnis in Deutschland, was aufzeigt wie wichtig die Jugend in der politischen Entscheidungsfindung ist und dass sie erhört werden sollte, wenn man als Partei bzw. als Politiker*in regieren will. Die meisten Parteien besitzen schon seit ihrer Gründung Jugendorganisationen, um genau die Meinung der jungen Erwachsenen einzuholen und diese an die Politik heran zuführen. Die beiden größten Organisationen sind hierbei die Junge Union von der CDU/CSU und die Jungsozialisten von der SPD. Doch wie sehr gehen die regierenden Parteien auf die Jugend und ihre Jugendorganisationen ein, und worin unterscheiden sich die Generationen im Bezug auf ihre politischen Prioritäten?

Sozialistisch. Feministisch. Internationalistisch.

Die Jungsozialisten (kurz: Jusos) sind hier etwas außergewöhnlich, da sie zwar als Jugendorganisation fungieren, aber es seit ihrer Gründung immer Auseinandersetzungen mit der Mutterpartei über deren Status innerhalb der Partei gab. Diese Konflikte sind zwar mittlerweile weitestgehend behoben, doch immer noch sind die Jusos in ihrer politischen Vorstellung links von der sozialdemoktratische Mutterpartei angesiedelt. Dies wird auch besonders deutlich durch ihren Slogan der Jusos „Sozialistisch. Feministisch. Internationalistisch.“. Mit Diesem verdeutlichen sie ihren Hauptfokus auf ein gemeinsames Zusammenleben innerhalb

eines Landes, einer Gesellschaft und eines Europas, unabhängig von jeglichen Landesgrenzen oder wirtschaftlichen Unterschieden. Diese Vorstellungen auf einmal und sofort zu realisieren ist zwar sehr schwierig, aber es entsteht ein Diskurs, wenn solche Erwartungen an die Politik in den eigenen Reihen von einer Gruppe, welche die Zukunft der Partei dar stellt, als besonders wichtig erachtet werden. Vor allem in der SPD sind diese Diskussionen enorm wichtig, da der Partei immer öfter nachgesagt wird, dass sie während der Jahre innerhalb der großen Koalition mit der Union ihre Identität und den sozialdemokratischen Gedanken verloren hat. Diese Tatsache spiegelt sich auch in den meisten Wahlergebnissen der Sozialdemokraten seit 2013 wieder.

„Bei den unter 30 Jährigen sind die beiden Regierungsparteien mittlerweile weit hinter den Grünen“

Wenn man sich hierzu Statistiken anschaut, merkt man schnell, dass vor allem die jungen Wähler*innen der SPD den Rücken zu wenden. Junge Leute verlieren das Vertrauen in die Partei, da sie das Gefühl entwickeln, dass Politik nicht zukunftsgerichtet ist. Doch warum sollte die Partei auf die Jugend überhaupt eingehen? Bei einem Wahlsystem in dem man mit Programmen zu einem verbesserten Bildungssystem oder einer Vorbeugung der Klimaerwärmung einen Bruchteil der Wähler*innen anspricht im Vergleich zu Programmen mit der Erhöhung der Rente, erscheint es wenig sinnvoll Politik für die Jugend zu betreiben. Doch spätestens seit der Europawahl im Jahr 2019 zeigt sich, dass diese Art der Politik weder für unseren Planeten noch für die aktuellen Regierungsparteien nachhaltig ist. Bei dieser Wahl zeigten junge Wähler*innen, dass man sie nicht mehr ignorieren sollte. Auf einmal ist eine relativ junge Partei, die für Umwelt- und Bildungspolitik steht, nur noch 8% hinter der Union. Es muss also spätestens jetzt reagiert werden!

 

„Verjüngung vertagt!“

Die SPD ist sich diesem Problem bewusst und versucht schon seit Jahren eine Verjüngungsstrategie zu betreiben. So gab es zum Beispiel 2019 die Idee, jeden dritten Listenplatz einem Kandidaten der Jusos zu geben. Doch dieser Vorschlag wurde innerhalb der Partei abgelehnt und das Thema Verjüngung innerhalb der Partei ist wieder einmal zu wenig ernst genommen worden. Allerdings kommen aus den Reihen der Jusos nach und nach neue Gesichter, welche für eine zukunftsgerichtete Politik stehen. So hat zum Beispiel der aktuelle Generalsekretär der SPD Lars Klingbeil, aktiv bei Schülern nachgefragt, wie sie sich die zukünftige Umweltpolitik vorstellen, außerdem ist er in Sachen Netzpolitik den meisten anderen Politikern weit voraus. Ein weiteres prominentes Gesicht ist Kevin Kühnert, welcher wohl einer Aussage wie „Ohne Kollektivierung ist die Überwindung des Kapitalis-mus nicht denkbar“ kaum polarisierender sein könnte. Bei Beiden merkt man ein deutliches Interesse für die Bedürfnisse der Jugend, womit sie die Hoffnung nähren, dass es innerhalb der SPD früher oder später doch noch ein Umdenken innerhalb der Partei geben und die Verjüngung nicht mehr vertagt werden wird.

Dies sollte – und dies müsste jedoch möglichst bald passieren, da es sonst in den nächsten Jahr-zehnten zu einem deutlich anderen Bild der Sitzverteilung innerhalb des Bundestags kommen wird. Man ist sich dem Problem wohl mittlerweile bewusster, allerdings muss es konsequenter verfolgt werden.

von Leopold Bochtler

Quellenverzeichnis:

https://www.jusos.de/

https://www.wiwo.de

https://wahl.tagesschau.de

https://www.bpb.de

https://www.zeit.de

https://www.sueddeutsche.de

https://www.augsburger-allgemeine.de

Bildquellen:

Coverbild: iStock

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