Wie eine Tradition zum Mainstream wurde.

In vergangenen Zeiten schmückten Tätowierungen Krieger und später wurden sie ein Zeichen der Kriminalität. Wie kam es also dazu, dass das Tattoo trotz seiner Vorgeschichte zu so einem Modetrend wurde.

 

Der Beginn der Körperkunst

Tattoo’s sind so alt wie die Menschheit. Ob bei den Inuit aus dem arktischen Nordkanada, den Maori Polynesiens oder den Pikten Schottlands. Alle möglichen Kulturen tätowierten sich. Von religiösen Symbolen zu Ritualen gab es viele Gründe. Im Abendland 787 n. Chr. wurden Tätowierungen durch Papst Hadrian I. in dem Konzil von Calcuth in Northumberland als heidnische Bräuche aus dem Kulturkreis des Christentums verbannt. Es hieß man soll den von Gott gegebenen Körper nicht verändern. Als aber im 17 Jh. die Seefahrer auf ihren großen Entdeckungsreisen mit den Pazifikvölkern in Kontakt kamen, wurde die Praxis des Tätowierens neu entdeckt. Die Schiffsbesatzung begann sich wichtige Episoden ihres Lebens unter die Haut zu stechen. Eine Tradition war geboren. Tattoo’s standen jetzt für Abenteuer und Exotik. In den angelsächsischen Hafenstädten eröffneten zwischen den Kaschemmen und Freudenhäusern die ersten Tätowierstuben. Ab diesem Punkt kam es wie es kommen sollte. Straftäter von der Schiffsbesatzung kamen ins Zuchthaus und das Knasttattoo entstand. Tattoo’s, was nur noch Matrosen, Häftlinge und Außenseiter trugen, war nun ein Zeichen der bösen Jungs geworden.

 

Die Tattoo-Revolution

In Kalifornien Anfang der 60er brach eine neue Ära an. Die erste Tattoo-Revolution kam zustande. Hippies, Rocker und der Großteil der künstlerischen Avantgarde vermischten sich, das hatte den Effekt, dass das Tattoo die Runde machte. Kalifornien, eine heutige Hochburg der Körperkunst brachte berühmte Tattoo Künstler wie Lyle Tuttle und Don Ed Hardy auf den Markt. Beide Künstler hatten einen großen Teil dazu beigetragen, Tätowierungen bei der Allgemeinheit populär zu machen. Don Ed Hardy hatte eine ganz besondere Klientel. Darunter auch viele Berufstätige, die sich sonst nicht tätowiert hätten. Ed Hardys Kunst hatte einen neuen Status in der Gesellschaft erreicht. Er eröffnete mit seinem privaten Studio und seinem damals einzigartigen Tattoo Stil ganz neue Möglichkeiten. Das Tätowieren wurde endlich als Kunst angesehen. Während die Modewelle aus dem Osten und dem Pazifik die Westküste überrollten, blieben die restlichen amerikanischen Städte im Tattoo Gewerbe nicht untätig. Künstler wie Freddy Negrete und Jack Rudy holten die typischen schwarz-weiß Tattoo’s aus den Gefängnissen und professionalisierten es und erhielten somit einen großen Kundenkreis. Das Tattoo wurde massentauglich. Symbole auf der Haut zu tragen war nun „in“ und jeder wollte eins davon haben. Viele junge Frauen entschieden sich ein sogenanntes Arschgeweih stechen zu lassen. Als dann aber auch das Fernsehen darüber berichtete, war der Hype der Tattoo’s so schnell wie er aufkam auch wieder abgeklungen. Kleine Tätowierungen aller Art gehörten zum alltäglichen Straßenbild. Mit der Zeit hatte man sich so an den Anblick der bunten Bilder auf der Haut gewöhnt, dass sie kaum noch auffielen. Tattoo’s waren zum Mainstream geworden.

 

Der heutige Standpunkt

Heute ist rund ein Drittel der deutschen Bevölkerung irgendwo am Körper tätowiert, Tendenz steigend. Die Frage ist heute nicht mehr, ob ich mich tätowieren lassen möchte, sondern wie viele. Den Tattoo’s wird nicht umsonst eine Sucht nachgesagt. Wer den Weg einmal ins Studio geschafft hat, schafft das auch ein weiteres Mal. Berühmte Personen wie David Beckham sind da ein gutes Beispiel. Der Fußballstar ist am ganzen Körper tätowiert und das scheint bei seinen Fans gut anzukommen. Er wird trotz der vielen Bilder auf seiner Haut für viele Werbekampagnen gebucht und ziert die Covers von bekannten Zeitschriften. Aber nicht nur David Beckham ist stark tätowiert. Wenn man sich die Spieler auf dem Fußballfeld anschaut ist es schwer einen zu finden der den Weg ins Tattoo Studio noch nicht gewagt hat. Allgemein die High Society hat für manche eine Vorbildfunktion und sie geben die Modetrends vor. Sie zeigen, dass der Trend klar zu bemalten Körpern geht. Die Frage stellt sich, warum lassen sich immer noch so viele Menschen trotz dem Mainstreamimage tätowieren? In einer so schnelllebigen Zeit, ist der Gedanke an etwas Beständigen ein seelischer Anker.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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