Adidas Superstar, New Balance 574, Puma Suede, Vans Authentic, Nike Air Jordan & Co. Die Liste der Sneakers, die weltbekannt sind, könnte man noch lange weiterführen. Doch dass diese Modelle vor einigen Jahren noch von den verschiedensten Sportlern auf dem Feld getragen wurden, wissen wohl die wenigsten ihrer Träger.

Ein absoluter Klassiker: der Chuck Taylor All Star von Converse gilt als erster Turnschuh der Geschichte. 1917 war dies der erste Sportschuh, der speziell für Basketballer hergestellt wurde. Wer hätte es gedacht? Das Sternemblem mit der Signatur des Basketball-Spielers Charles (alias Chuck) Taylor Hollis wurde ursprünglich für die empfindlichen Knöchel der Sportler entwickelt.

Neue Dimensionen

Sneakers kommen längst nicht mehr nur beim Sport zum Einsatz, sondern sind alltagstaugliches Schuhwerk für jedermann. Genau genommen sind Sneakers auch nur als „sportlich aussehende“ Schuhe definiert und nicht als Turn- oder Sportschuhe. Es existieren Messen, Veranstaltungen, Magazine und Bücher rund um das Thema. Songs wurden für bestimmte Modelle komponiert. Für sogenannte „Sneakerheads“ gibt es eine eigene Definition auf Wikipedia. So werden die Schuhliebhaber und -sammler in der Szene genannt. Solche Sneakerheads kampieren auch nicht selten mehrere Nächte lang vor Schuhgeschäften, wenn ein neues Modell herauskommt. Die Bilder von solchen „Releases“ gleichen denen, die entstehen, wenn ein neues iPhone auf den Markt kommt. Aber damit nicht genug: Es gibt sogar eine Online-Börse, die den Kurs der teuersten Modelle anzeigt. Statt mit Aktien wird dort mit „Air Jordans“ oder „Yeezys“ gehandelt. Sneakers definieren heutzutage für viele, wer man ist und zu welchem Kreis oder zu welcher Gruppe man gehört. Man könnte behaupten, dass sich rund um die sportlichen Schuhe eine eigene kleine Welt gebildet hat. Wer weiß, wann man wohl einen Studiengang in der Fachrichtung „Sneakerwissenschaften“ belegen kann…

 

Eine wahre Goldgrube

Benjamin Kapelushnik alias „Benjamin Kickz“ ist bereits mit 18 Jahren Millionär.

Menschen machen Sneakers zu ihrem Vollzeitjob. Und damit ist nicht nur gemeint, dass sie eine Verkaufstätigkeit in Läden wie „Snipes“ oder „Foot Locker“ ausüben. Mit dem privaten Wiederverkauf von raren Modellen lassen sich durchaus Millionen verdienen. Der 18-jährige Benjamin Kapelushnik fing bereits mit 12 Jahren an, sich sein eigenes Sneaker-Imperium aufzubauen. Er versorgt unter anderem die Musikgrößen der Hop-Hop-Szene mit den neuesten und beliebtesten Sneaker-Modellen. Damit verdient er ganz ordentlich. So ordentlich, dass er auf Social Media Plattformen mit Bergen von Schuhen und Markenklamotten prahlen kann. Zu seinen Kunden zählen Chris Brown, Sean Combs (besser bekannt als P. Diddy) und Kanye West. Neben diesen Stars posiert er, als wäre er einer von ihnen. Man kann den jungen Mann als sehr erfolgreichen Großhändler bezeichnen, der – wie viele andere – genau weiß, wie dieses Business heutzutage läuft. Das Stichwort lautet künstliche Verknappung. Die „Reseller“ nutzen diese Strategie aus, um die raren Modelle vielfach teurer wieder zu verkaufen. Die großen Hersteller profitieren davon, dass ihre Produkte begehrlich werden. Das Geschäftsmodell hat sich zu einer eigenen Ökonomie entwickelt.

 

Mut zur Lässigkeit

So kombiniert Frau heute! Ein eleganter Rock, Tennissocken und ausgefallene „Ugly Sneakers“.

Wer denkt, dass Sneakers im Büro ein absolutes Fashion No-Go sind, liegt falsch. Heutzutage findet man sie sogar auf dem roten Teppich. Frauen kombinieren sie zu Kleidern, Röcken und Hosenanzügen. Und das ist auch völlig in Ordnung. Der aktuelle Trend der „Ugly Sneakers“ bestätigt, dass das Schuhwerk am weiblichen Fuß alles andere als ausschließlich elegant und filigran sein muss. Ganz im Gegenteil: Je klobiger und ausgefallener, desto besser! Gerade Top-Designer wie Chanel, Balenciaga und Louis Vuitton waren es, die diese besonderen Schuhe im letzten Jahr auf die Laufstege dieser Welt brachten. Aber auch die Kombination „Anzug plus Sneakers“ ist heute kein Tabu mehr. Männer können durch sportlichere Schuhe ihren Business-Look auflockern und ihre eigene Note mit ins Outfit einbringen. Der klassische Anzug mit Lederschuhen lässt wenig Freiheit für Individualität und Abwechslung. Durch die Kombination mit einem Paar ausgefallenen Sneakers kann man sich von der Masse abheben und ein Statement setzen. Es erleichtert auch so manchen langen Arbeitstag, den man jetzt ohne Bedenken in flachen, bequemen Schuhen verbringen kann. Das gilt ebenso für lange Nächte. Da sich der Sneaker problemlos zu Party-Outfits tragen lässt, muss auch nicht unbedingt ein Paar Wechselschuhe mitgeschleppt werden.

Heutzutage würde man den Converse All Star vergeblich auf einem Basketballfeld suchen. Dafür ist er ein Kultschuh, den Menschen auf der ganzen Welt lieben. Rund zwei Drittel aller US-Amerikaner besitzen oder besaßen schon einmal „Chucks“. Jeder kann sie tragen. Rockstars genauso wie Banker oder Teenager. Mittlerweile kann man sich auf der Homepage der Firma Converse sein individuelles Paar kreieren. Am Beispiel dieses Schuhs kann man wohl am besten erkennen, welche Veränderung in der Sneaker-Kultur stattgefunden hat. Der All Star hat es vom Sportschuh zur Legende geschafft. Und ebenso haben sich Sneakers weg vom Image schweißtriefender Turnschuhe hin zu einem Statussymbol entwickelt.

L. Ullmann

 

 

Quellen:

Alex Newson – „Fifty Sneakers that changed the World”

Mathieu Le Maux – “1000 Sneaker”

www.wikipedia.de

www.welt.de

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