Sie sind brutal, eiskalt und töten mehrere Menschen über längere Zeit hinweg. Serienmörder. Neben dem wohl bekanntesten davon, Jack the Ripper, gab es damals noch viele Weitere. Auch heute begegnen uns grausame Mordserien. Dafür sind raffiniertere und kreativere Vorgehensweisen notwendig.

2005. Ermittler der Stadt Oldenburg geben bekannt, dass Niels H. eine der größten Mordserien der heutigen Zeit begangen hat. Er soll hunderte von Personen kaltblütig vergiftet haben. Wie konnte dieser Mann so lange morden ohne aufzufallen?

Dass es Fälle von Serienmorden in der heutigen Zeit nicht nur bei Serien wie Criminal Minds gibt, sondern auch im echten Leben, ist schwer vorstellbar. Allerdings war die Blütezeit der Serienmörder Anfang des 20. Jahrhunderts.

Friedrich „Fritz“ Heinrich Karl Haarmann war für die damalige Zeit (1923) kein ungewöhnlicher Name. Etwas anders hörte sich jedoch „der Werwolf“ oder „der Schlächter von Hannover“ an. Im vom ersten Weltkrieg schwer getroffenen Hannover, herrschte große Armut und Arbeitslosigkeit, was sich vor allem am Hauptbahnhof stark widerspiegelte. Der Hauptbahnhof von Hannover war ein Zufluchtsort für Obdachlose, Reisende, Ausreißer und Kriegsveteranen. Doch nicht nur diese Gruppierungen traf man in der Haupthalle des Bahnhofs an. Auch Friedrich verbrachte hier die meiste Zeit, um seine Opfer auszuspähen. Diese gehörten überwiegend einer speziellen Gruppe an. Diese bestand aus größtenteils sehr jungen Knaben, welche auch als Ausreißer oder Kriegswaisen bezeichnet wurden. Die Jungen waren sehr verstört und hungrig. Friedrich Haarmann bot Ihnen eine Unterkunft und Nahrung an. Im Gegenzug verlangte er sexuelle Gefälligkeiten. Den meisten Jungen blieb keine Wahl und so folgten sie dem scheinbar netten Herren. Dies war ihr Todesurteil.

Friedrich Heinrich Karl Haarmann hatte eine ungewöhnliche Angewohnheit. Während des Geschlechtsakts verfiel er in einen unkontrollierbaren Rausch und biss sich am Adamsapfel seines Partners fest. Der Exitus trat durch Ersticken ein, entweder am Blut, das die Atemwege blockierte, oder am Quetschen des Halses.

 

Erst ein Jahr später bemerkte die Stadt Hannover, dass es einen Serienmörder gab

Nach dem Akt begann Fritz die Leiche zu zerteilen und auszuweiden. So konnte diese leichter entsorgt werden. Die Knochen versenkte Haarmann in der Leine, einem anliegenden Fluss. Diese „Arbeit“ gelang ihm so gut, dass die Polizei erst knapp ein Jahr nach Anfang der Mordserie aufdeckte, dass es in der Stadt Hannover einen Serienmörder gab. Durch den Fund mehrerer Oberschenkelknochen, von Jungen im Alter zwischen 10 und 22 Jahren, fiel ein Muster auf.

Während Ermittler fiberhaft nach dem „Schlächter von Hannover“ fahnden, wurde Fitz Haarmann am Bahnhof wegen Bedrohung eines Jugendlichen festgenommen und geriet somit ins Visier der Ermittlungen. Nach einer Hausdurchsuchung fanden Polizisten mehrere Jungenkleider sowie Blutflecken in Haarmanns Wohnung. Nach einigen Verhandlungstagen gab Fritz Haarmann zu, zahlreiche Jungen ermordet zu haben. Am Ende waren es, so glaubt man bis heute, 27 Opfer.

Haarmann war nicht der einzige Serienmörder, der in der Nachkriegszeit sein Unwesen trieb. In unserer Hauptstadt gab es eine Person, die, genau wie Fritz Haarmann, das Elend und die Not Anderer ausnutze. Dieser Mann hieß Carl Friedrich Wilhelm Großmann.

Großmann sprach, wie Fritz Haarmann, seine Opfer an einem Ort an, an dem Elend und Armut nah aneinander lagen: am Schlesischen Bahnhof. Er bot Alleinreisenden Frauen an, bei ihm als Wirtsherrin zu arbeiten. Als Gegenleistung erhielten sie eine Unterkunft und Nahrung.

Sobald die Frauen die Wohnung von Carl Großmann betreten, gab es kein Zurück mehr.

 

Die Leichenteile loszuwerden war keine große Herausforderung

Carl Großmann erregte es sexuell, Frauen solange zu foltern, bis diese starben. Die Leichenteile leicht und unbemerkt loszuwerden war für Großmann keine große Herausforderung. Als junger Mann fing er eine Lehre als Fleischer an. Später beichtete er der Polizei, dass er die verschiedenen Gliedmaßen in der Gegend rund um das Engelbecken und den Luisenstädtischen Kanal ablegte. So konnte „die Bestie vom Schlesischen Bahnhof“ über 3 Jahre, in seiner eigenen Wohnung morden, ohne dass ihm jemand auf die Schliche kam.

Dies geschah erst durch einen Anruf der Nachbarn. Schon des Öfteren hörten diese Schreie aus Großmanns Wohnung, doch noch nie waren diese so laut und lange wie an diesem Tag. Nach der Meldung der Ruhestörung machten sich die Beamten auf den Weg. Als sie die Tür der Wohnung aufstießen, bot sich ihnen ein schreckliches Schauspiel. Sie ertappten Carl Großmann auf frischer Tat, als er gerade dabei war, sein neuestes Opfer zu zerkleinern.

Carl Großmann gestand nur vier Morde, jedoch ist man sich bis heute nicht sichere wie viele Frauen „die Bestie vom Schlesischen Bahnhof“ zerstückelte. Die geschätzte Anzahl liegt bei etwa 100 Frauen. Es gibt Vermutungen, dass Carl Großmann einen Teil seiner Leichen zu Wurstfleisch verarbeitete und verkaufte, da er einen Wurststand am Schlesischen Bahnhof besaß.

 

Serienmörder in unserer heutigen Zeit müssen kreativ sein

Auch in der modernen Zeit gibt es immer wieder Fälle von Mordserien.

So z.B. Niels H., der von 1999 bis 2005 als Krankenpfleger insgesamt 106 Menschen umbrachte. Die Zahl seiner Patienten, die er durch Verabreichen toxischer Medikamente, tötete, steigt stetig durch weitere Ermittlungen.

Doch wie kam es dazu? Seit 1999 arbeitete Niels H. als unscheinbarer Krankenpfleger im Klinikum Oldenburg. 2 Jahre später stellten die Ärzte und Pfleger des Krankenhauses fest, dass es in letzter Zeit verstärkt zu Reanimationen und Sterbefällen kam. Immer dann, wenn Niels H. im Dienst war. Dies führte zu seiner Kündigung. Jedoch statt einer Klage wegen Verdachts auf Körperverletzung, schrieb ihm das Klinikum Oldenburg ein Zeugnis, in dem er als „verantwortungsbewusster und interessierter Mitarbeiter“ gelobt wird, der „umsichtig, gewissenhaft und selbstständig“ arbeitete.

Daraufhin fand er schnell eine neue Stelle im Klinikum Delmenhorst, wo sich schließlich die Zahl der Todesfälle durch plötzliche Herzrhythmusstörungen verdoppelte.

Doch erst 2005 wurde der kaltblütige Krankenpfleger auf frischer Tat von seinen Kollegen ertappt: Er spritze einem Patienten Medikamente in toxischer Dosis. Sein Ziel, als heldenhafter Retter der Krankenstation da zu stehen, der es schaffte seine Patienten durch Wiederbelebung zu retten, erreichte er damit jedoch nicht. Stattdessen wurde er mittlerweile zu lebenslanger Haft verurteilt; die Ermittlungen wegen Mordverdachts in über 330 Fällen laufen weiter.

 

Nach Aussagen des einzigen überlebenden Opfers verhielt er sich wie ein Tier

Ein weiterer Fall einer außergewöhnlichen modernen Mordserie ist unter dem Namen „Brummi-Mörder“ oder auch „Autobahnmörder“ bekannt. Es handelt sich um den Fernfahrer Marco M., der im Zeitraum von 2003 bis 2006 vier Frauen, davon drei Prostituierte und eine Schülerin, vergewaltigte und ermordete.

An vier verschiedenen Orten im Raum Nordrhein-Westfalen und Hessen schaffte er es über mehrere Jahre lang, während seiner Schicht, eine Mordserie zu starten. Nach Aussagen des einzigen überlebenden Opfers, das es schaffte in einem unbeobachteten Moment in einem Maisfeld zu entkommen, verhielt er sich wie ein Tier. Ermittlungen stellten fest, dass er sich an seinen Opfern sowohl vor als auch nach der Ermordung verging und anschließend an einem beliebig entfernten Ort „wegwarf“. Jedoch konnte die Polizei aufgrund der weit voneinander entfernten Tatorte erst nicht davon ausgehen, dass es sich um ein und denselben Mörder handelt. Erst ein erstelltes Phantombild und passende DNA-Proben führten letztendlich dazu, dass Marco M. gefasst und wegen besonders schwerer Schuld, wie Niels H., zu lebenslanger Haft verurteilt wurde.

Seine Beweggründe sind selbst für Psychologen nicht erklärbar. Er war ein verheirateter Mann, gerade Vater geworden und zeigte keinerlei straffällige Auffälligkeiten in seiner Vergangenheit.

 

Durch die hohe Armut in den noch damals stark ausgeprägten Arbeitervierteln nach dem ersten Weltkrieg war es einfacher, seine Opfer zu überreden mitzukommen. Die Menschen sind auf der Suche nach Arbeit ohne große Bedenken mitgegangen.

Die damalige Polizei war in ihrer Arbeit sehr eingeschränkt. Es gab noch keine Bundesländer übergreifende Mordkartei. Erst als, nach der Verhaftung von Großmann, ans Licht kam, dass dieser schon zuvor straffällig geworden war, kam der Kommissar Ernst Gennat, welcher an diesem Fall arbeitete, auf die Idee.

Heutzutage müssen Mörder kreativer sein. Serienmörder können in der heutigen Zeit nur Serienmörder werden, wenn sie sich nicht, wie damals, auf eine Stadt bzw. auf ein Viertel konzentrieren. Sie müssen Bundesländer, wenn nicht sogar Länder durchqueren, um erst spät die Aufmerksamkeit der Behörden auf sich zu ziehen, denn sobald die Polizei einmal die Kenntnis über das Vorhandensein eines Serienmörders hat, ist dieser generell schnell gefasst.

Anhand Niels H. aus Oldenburg lässt sich erkennen, dass heutzutage andere Strategien als Serienmörder notwendig sind, um nicht direkt aufzufallen. Damals hatten es die Mörder einfacher, sie konnten in ihrer eigenen Wohnung morden und die Leichen im Hinterhof verwesen lassen, ohne dass dies ein Mitbürger mitbekam. Zwar sind diese Zeiten vorbei, allerdings könnte auch dein netter Kollege der nächste Serienmörder sein.

Antonia Schöfbeck und Pia Oliv

Categories: Uncategorized

Leave a Reply