Ein Bericht über den Einfluss der Indie-Spiele auf die Videospielbranche

Die Nische der Indie-Spiele, die von unabhängigen kleinen Teams mit geringem Budget entwickelt werden, wächst seit den letzten Jahren unaufhaltsam. Die Entwickler erzielten bereits große Erfolge. Sie stellten selbst große Studios in den Schatten und läuteten mit neuen Ideen und unverbrauchten Szenarien ein neues Zeitalter der Videospielbranche ein.

Diese kreativen Köpfe kommen jedes Jahr bei der Verleihung des „Indie Prize“ zusammen, bei der eine Jury aus Vertretern der Branche die besten Indie-Spiele des Jahres auszeichnet, um sie zu ehren und zu fördern. So auch in diesem Jahr, in dem das deutsche Entwicklerstudio MiMiMi Productions für „Shadow Tactics: Blades of the Shogun“ den Preis für das Beste deutsche Spiel gewann.
Das war aber nicht immer so, denn die Indie-Szene musste sich ihren Platz in der Industrie hart erkämpfen. Die Videospielbranche benötigte eine lange Zeit, um zu sich selbst zu finden. Es dauerte über 30 Jahre mit vielen Höhen und Tiefen, bis der Markt ab Ende der 90er Jahre unter den großen Publishern wie Nintendo, Ubisoft und Microsoft aufgeteilt war und noch immer ist. Diese Entwicklerstudios wurden besonders durch die neuen Generationen an Heimspielekonsolen wie dem Nintendo Entertainment System (NES), der Playstation und der XBOX bekannt. Unvergessene Spieleserien wie „Super Mario“ oder „Final Fantasy“ fesseln die Fans noch nach vielen Jahren an die Bildschirme.

Die Wende der Videospielbranche

Die enormen Entwicklungskosten und die teure Vermarktung ermöglichten lange Zeit nur diesen großen Unternehmen die Veröffentlichung eines Videospiels. Doch die Publisher haben einen Nachteil in der kreativen Branche. Sie müssen große Umsätze erwirtschaften, um die hohen Entwicklungskosten zu refinanzieren. Jedes Videospiel, das floppt, könnte ansonsten den Untergang eines ganzen Studios bedeuten. Die Folge: Die Publisher spielen nur noch auf Sicherheit und verwehren den Spiele-Designer kreative Freiheiten. Sie müssen immer wieder die gleichen Mechaniken einbauen und die erzählten Geschichten ähneln zunehmend standardisierten Hollywood-Filmproduktionen. Um eine große Masse an Menschen zu erreichen. Große Experimente wie am Anfang der 90er bleiben damit aus. Die Entwicklung wurde zur Akkordarbeit, um die Spiele rechtzeitig zum Weihnachtsgeschäft in die Regale zu bringen. Wenn die Deadline nicht eingehalten wird, kommt es oft zu verfrühten Markteinführungen und Spielfehlern, die die Gamer in den Wahnsinn treiben.

Doch durch die Gründung neuer Indie-Spiele-Studios ab der Jahrtausendwende, änderte sich der Markt. Die kleinen Spiele-Entwickler besaßen keine hohen Werbeetats und konnten sich die Pressung der Datenträger nicht leisten. Durch die Entstehung neuer Distributionskanäle wie 2003 die Online-Spiele-Plattform Steam und 2005 mit XBOX Live, wurden ihnen die Hürden der Vermarktung genommen. Online-Spiele-Plattformen ermöglichten jedem Entwickler von da an den Verkauf und das Updaten seiner Software. Zusätzlich können die Spieler, die Videospiele bewerten und sich in Netzwerken untereinander austauschen. Durch Social-Media-Plattformen wie Facebook oder Twitter wurde auch das Marketing für kleine Entwicklerstudios sehr viel einfacher. Sie müssen keine Werbetafeln oder Anzeigen buchen, sondern können für wenig Geld die Reichweite Ihrer Social-Media-Beträge erhöhen und dadurch ihre Produkte bewerben. Mithilfe von Spieltrailern über Youtube geben sie den Spielern außerdem einen Einblick in die Fortschritte der Entwicklung.
Da die zum Programmieren benötigte Software zudem günstig und in einigen Fällen sogar gratis ist, kann ein Programmierer selbstständig ein Spiel entwickeln, dieses anschließend selber verkaufen und bewerben. Dadurch waren sie unabhängig von großen Publishern, die normalerweise den Vertrieb und das Marketing übernahmen. Damit war der Markt für Indie-Spiele-Entwickler geschaffen.

Die Stolpersteine der kleinen Studios

Obwohl die Entwicklung von da an einfacher war, dauerte es bei einem kleinen Team trotzdem mehrere Jahre, ein Spiel fertig zu stellen. Daher suchten viele Programmierer ohne eigenes Kapital eine Unterstützung von Publishern. Diese Finanzierungen waren jedoch zum Teil an Bedingungen geknüpft. Andere Entwickler nutzten Crowdfounding-Plattformen wie Kickstarter, auf denen jeder mit einer guten Geschäftsidee um die nötige Finanzierung durch Spendengelder bitten konnte. Durch diese Unterstützung konnten sie sich komplett auf ihr Projekt konzentrieren. Doch nicht immer lief dies wie geplant. Wenn sich ein Spiel verzögert, stehen die Programmierer unter starkem Druck der Öffentlichkeit. Und wenn sich der Geldhahn zudreht, kann es schnell das Aus für das gesamte Projekt bedeuten.

Eines der erfolgreichsten Indie-Spiele der letzten Jahre ist „Minecraft“ von Markus Persson, der das Entwicklerstudio Mojang gründete. Er schaffte es mit einem kleinen Team ein Open-World-Spiel zu entwickeln, das er auch noch Jahre nach der Veröffentlichung mit neuen Updates erweiterte. In diesem Sandkastenspiel kann der Spieler die 3D-Welt beliebig verändern, genauso wie beim Spielen mit Legosteinen. Das Indie-Spiel besitzt eine sehr minimalistische Grafik, es gibt keine Regeln und ein Spielziel sowie Tipps oder Erklärungen im Spiel existieren genauso wenig. Und doch wurde dieses Videospiel zu einem Phänomen nie dagewesenen Ausmaßes. Die Spieler verbrachten Tage, Wochen und Monate in dem Indie-Spiel und bauten selbst ganze Städte detailgetreu nach. Zudem kann jeder in der riesigen Community mit eigenen Modifikationen dem Spiel nach seinem Belieben neue Inhalte hinzufügen. Aufgrund der schier endlosen Möglichkeiten gehört es zu den beliebtesten Videospielen auf dem Markt und brach mit mehr als 100 Millionen registrierten Spielern alle Rekorde der Indie-Spielebranche. Diesen Erfolg bemerkten die großen Publisher und so gelang es Microsoft 2014 das schwedische Entwicklerstudio für umgerechnet 1,93 Milliarden Euro zu kaufen.

Die Schattenseite der Entwicklung

Doch einen Erfolg müssen sich die Indie-Entwickler hart erkämpfen. Denn bei der Entwicklung eines eigenen Videospiels hatten viele Programmierer aufgrund des geringen Budgets mit Problemen zu kämpfen. Sie mussten meist nicht nur ihren Tätigkeiten als Programmierer nachkommen, sondern übernehmen gleichzeitig auch die Arbeit eines Pressesprechers und das Marketing. Die vielen Aufgaben, die Augen der Öffentlichkeit und die Deadlines verursachten bei vielen erheblichen Druck, weshalb oftmals ihr Privatleben darunter zu leiden hatte.

Für MiMiMi Productions hat sich die harte Arbeit der vielen Jahre schon jetzt gelohnt. Sie haben die Jury und die Fachpresse mit Ihrem Videospiel überzeugt und ein besonderes Spielerlebnis geschaffen. Mit der Unterstützung des Publishers Daedalic Entertainment konnte dieses neue und noch recht unerfahrene Entwicklerteam zeigen, dass unverbrauchte Spielesettings, eine abwechslungsreiche Story und originelle Spielmechaniken ein grandioses Videospiel auszeichnen.

Die Zukunft der Indie-Spiele

Dass Indie-Spiele nicht das Hollywood der Spielebranche sind ist ganz klar, doch durch den frischen Wind der jungen Generation an Entwicklern wird der Markt von Grund auf belebt. Und so findet auch diese neue Nische eine große Anhängerschaft. Durch die Digitalisierung und die Ideen sowie der Kreativität einiger Visionäre wurde somit ein ganz neuer Branchenzweig geschaffen. Und dieser wird in den nächsten Jahren noch gewaltig wachsen.

Simon Greve 22.03.2017

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