Was man sich heutzutage für 100 Mio. Euro alles leisten könnte: 10 Luxusvillen, 250 Ferrari 488, 23 Privatjets der Extraklasse oder einen Fußballspieler.

 

„Letztendlich spielten für mich nicht in erster Linie sportliche und finanzielle Faktoren eine Rolle, es waren vielmehr die Menschen, die mich zum Wechsel bewegt haben.“ Das waren die Worte Luis Figos nach seinem Wechsel vom FC Barcelona zu Real Madrid CF im Jahre 2000, dem damals teuersten Transfer der Fußballgeschichte mit einer Transfersumme von rund 60 Mio. Euro. Zu stören schienen Figo die versprochenen fünf Millionen Euro Bonus für seine Unterschrift und rund acht Millionen Euro Jahresgehalt dennoch nicht. Argumentiert hatte er seinen Wechsel stattdessen mit den Worten: „Je besser man spielt, desto teurer wird man eben“ und er wolle sich in allen Facetten verbessern: finanziell, wegen des Prestiges, wegen der Titel.

Letztendlich wechselte Figo nach einem großen Medienskandal den Verein – zum wohl größten Rivalen des FC Barcelona. Leider brachte er Real Madrid nicht den erwarteten Effekt, sondern erspielte in seiner ersten Saison zwar die spanische Meisterschaft, aber nicht den erwünschten Champions-League-Pokal.

 

Seitdem überschlagen sich die Nachrichten der Sportwelt immer mit höheren Ablöseforderungen und horrenden Transfersummen für Fußballspieler. Den Anfang hierfür hat der Transfer von Cristiano Ronaldo von Manchester United zu Real Madrid im Sommer 2009 gemacht, als der Portugiese für 94 Mio. Euro den Verein wechselte. Bis zu dieser Saison 2009/2010, haben alle Vereine für die teuersten Spieler der letzten zehn Saisons rund 516 Mio. € gezahlt (Saison 2000/2001: L. Figo, 60 Mio. €; 01/02: Z. Zidane, 77,5 Mio. €; 02/03: R. Ferdinand, 46 Mio. €; 03/04: D. Beckham, 37,5 Mio. €; 04/05: D. Drogba, 38,5 Mio. €; 05/06: M. Essien, 38 Mio. €; 06/07: A. Shevchenko, 43,88 Mio. €, 07/08: F. Torres, 38 Mio. €; 08/09: Robinho, 43 Mio. €; 09/10: C. Ronaldo, 94 Mio. €). Im folgenden Jahrzehnt, zwischen den Saisons 2010/11 und 2019/20, Vereine ca. 1 Mrd. € für die jeweils teuersten Spieler der Saisons zahlten (Saison 2010/2011: F. Torres, 58,5 Mio. €; 11/12: J. Pastore, 42 Mio. €; 12/13: T. Silva, 42 Mio. €; 13/14: G. Bale, 101 Mio. €; 14/15: L. Suarez, 81,72 Mio €; 15/16: K. de Bruyne, 76 Mio. €; 16/17: P. Pogba, 105 Mio. €; 17/18: Neymar, 222 Mio. €; 18/19: K. Mbappe, 145 Mio. €; 19/20: J. Felix, 126 Mio. €), also doppelt so viel, wie die Jahre
zuvor. 

„Pogba battait le record“ – L’EQUIPE, 2018

Im Sommer 2016 wechselte der damals noch 23-jährige Paul Pogba für 105 Mio. Euro von Juventus Turin zu Manchester United nach England. Während seiner vier Jahren zwischen 2013 bis 2016 bei Juventus gewann der Franzose viermal die italienische Meisterschaft, zweimal den italienischen Pokal und somit zweimal das berühmt-berüchtigte Double. Zusätzlich gewann er mit der Alten Dame zweimal den italienischen Superpokal und stockte damit seinen Trophäenschrank auf. Nach seinem Wechsel auf die Insel, bestritt Pogba im Schnitt nur knapp zwei Drittel aller Spiele um den Premier-League-Titel, aufgrund mehrerer kleiner und großer Verletzungen. Die Medien schwärmten vom Rückgang zu seinem Jugend- und Ausbildungsverein und prophezeiten dem englischen Rekordverein glorreiche Zeiten. Es war die Prämiere einer so hohen Ablöse für einen so jungen Spieler und überhaupt im Fußball, was dem inzwischen 27-Jährigen immer noch nachhängt, denn er konnte nie an seine Form vor dem Vereinswechsel anknüpfen. Zudem beteuert Pogba zwar in England und in Manchester glücklich zu sein, doch seit einiger Zeit wird um einen erneuten Wechsel spekuliert, unter anderem auch zurück nach Turin.

„Gareth Bale homing in on success with the galacticos of Real Madrid“ – The Telegraph, 2013

Das erste Mitglied im 100-Mio.-Euro-Club wurde der zukünftige Mannschaftskamerad von C. Ronaldo Gareth Bale mit einer Ablösesumme von 101 Mio. €. Während Ronaldo seinen Erwartungen gerecht wurde und alle Kritiker verstummen ließ, blieb Bale ständig hinter seinen Erwartungen und kam immer weniger mit dem Druck zurecht – es häuften sich immer länger andauernde, verletzungsbedingte Pausen. Bale stand ständig im Schatten Ronaldos und selbst nach dessen Weggang aus der Hauptstadt Spaniens hat es für den Waliser nicht zum Stammspieler gereicht, stattdessen hat er, während seiner sieben Jahren bei den Königlichen, im Schnitt jedes fünfte Spiel verletzungsbedingt gefehlt.

„Dembélé cumple el sueño azulgrana que desveló“ – Mundo Deportivo, 2017

Das damals jüngste Mitglied im Club der teuersten Fußballspieler der Welt war Ousmane Dembélé vom FC Barcelona. Der damals 20-jährige Franzose wechselte 2017 für 125 Mio. € von Dortmund nach Spanien und startete direkt mit einer langwierigen Verletzung in die Saison bei seinem neuen Club. Bei Dortmund hatte Dembélé eine Stammplatzgarantie, doch bei Barcelona bestritt er in den letzten drei Jahren bisher nur zwei Drittel aller Spiele um den spanischen Meistertitel.

 

Das sind nur die teuersten Beispiele der heutigen Zeit, mit spürbaren Auswirkungen auf die betroffenen Spieler. Leider jedoch zeigt der Fußball als Sport keine Aussicht auf zeitnahe Änderungen, da selbst bisherige Regulationen, wie zum Beispiel das scheinbar unbedeutende Financial-Fairplay, und Sanktionen durch die Verbände bisher noch nicht den erwünschten Effekt erzielt haben. Stattdessen kaufen sich immer reichere Investoren in die Vereine ein und investieren Unmengen an Geld, vor allem für neue und teure Spieler. Auf Basis der bisherigen Ausgaben für Spieler zeigt sich, dass immer jüngere Spieler immer teurer verkauft werden und damit der Druck unumgänglich weiterwächst und sie bereits im Jugendalter belastet.

Anhand der oben genannten Beispiele wird deutlich, dass nicht alle Spieler dem enormen Druck, der durch immer höher werdende Ablösesummen und Gehälter einhergeht, standhalten können. Und, was nützt ein 100-Millionen-Euro-Spieler, wenn dieser nicht spielen kann?

 

Luca Sortino

 

 

 

 

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https://www.transfermarkt.de/paul-pogba/leistungsdaten/spieler/122153/plus/0?saison=2018

https://www.faz.net/aktuell/sport/fussball-147-millionen-zidane-wechsel-zu-real-endgueltig-perfekt-131600.html

https://de.onefootball.com/darum-verliess-figo-barca-und-ging-zu-real-madrid/

https://www.fussballeuropa.com/news/luis-figo-transfer-wechsel-real-madrid-barcelona

https://www.transfermarkt.de/ousmane-dembele/leistungsdaten/spieler/288230/plus/0?saison=2016

https://www.mundodeportivo.com/futbol/fc-barcelona/20170825/43777875860/dembele-cumple-el-sueno-azulgrana-que-desvelo-md.html

https://www.spiegel.de/sport/fussball/premier-league-paul-pogba-wechselt-zu-manchester-united-a-1106725.html

 

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