„Boah – heute Nacht habe ich etwas so Seltsames geträumt!“ – Diesen Satz hat wohl jeder von uns schon einmal gehört, gedacht oder selbst ausgesprochen. Doch was sind eigentlich Träume, und warum wird das Phänomen oftmals als so „seltsam“ empfunden?

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Träume sind wohl für jeden von uns ein Mysterium. Manchmal erinnern wir uns, manchmal glauben wir, gar nicht geträumt zu haben. In der individuellen Traumwelt haben Gesetzmäßigkeiten keinen Belang, die Dinge scheinen meist merkwürdig, auch wenn das Traumgeschehen oft so

real wirkt. Menschen und Orte werden vertauscht und wir sind mittendrin – nicht fähig, unseren eigenen Körper oder die Gedanken zu steuern. Aber warum? Tausend Fragezeichen in unseren Köpfen…

 

Welche Funktionen haben Träume?

Um dem Mysterium der Träume auf den Grund zu gehen, ist es zunächst spannend zu erfahren, welche Funktionen diese überhaupt haben. Hier sollten die zwei wohl bedeutendsten Traumforscher der Geschichte und ihre Ansätze genannt werden: Siegmund Freud (1856 – 1939) und Carl Gustav Jung (1875 – 1913).

Letzterer sieht den Traum als Selbststeuerung eines Lebewesens, durch die die Einseitigkeiten unseres Lebens, Denkens und Entscheidens gezeigt und ausgeglichen werden. Jungs Traumdeutung diente dem Zweck, das Unterbewusste zu entdecken und Probleme zu entschlüsseln.

Siegmund Freud beschreibt den Traum als Weg zum Unterbewussten. Laut ihm ist es damit möglich, durch Träume die verborgensten Schichten unseres Innenlebens ans Licht zu bringen. Jeder Traum habe einen Sinn und sei dabei die Sprache der Seele, bei der Gedanken in Bilder umgewandelt würden.

Die moderne Hirnforschung arbeitet immer wieder mit diesen Theorien und hat daraus schon einige spannende Ansätze zur Funktion von Träumen entwickelt. Demnach träumen wir, um:

• Tageserlebnisse zu ordnen,
• zu vergessen und das Gehirn von überflüssigen Informationen zu befreien,
• Probleme, Erlebnisse und Gefühle aus dem Wachleben zu verarbeiten und / oder
• Stimmungen zu glätten.

 

Aber wer oder was hat Einfluss auf unser Traumgeschehen?

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Die Inhalte unserer Träume stammen aus den verschiedensten Quellen, von denen wir im Wachzustand oft überhaupt keine Ahnung mehr haben. Darunter fallen sowohl längst vergessene oder verdrängte Erfahrungen, als auch unterdrückte Bedürfnisse und andere psychische Vorgänge eine Rolle.

Grundsätzlich lässt sich sagen, dass der Einfluss von Erlebnissen im Wachzustand mit der Zeitspanne zwischen Erlebnis und Traum stark abnimmt. So sind Erlebnisse von vor beispielsweise einer Woche deutlich blasser als von vor zwei Tagen.

Außerdem interessant: Der Zeitraum zwischen Einschlafen und Traumbeginn kann sich auf die Zeitbezüge des Traums auswirken. Träume in der ersten Phase nach dem Einschlafen enthalten deswegen meist aktuellere Bezüge als spätere Träume.

Hast Du auch schon einmal geträumt, dass Dein Wecker klingelt und plötzlich hat er es wirklich getan? Oder davon, dass Du gerade auf der Toilette saßt und beim Aufwachen wirklich musstest?

Damit bist Du nicht alleine, denn auch für dieses Phänomen gibt es eine psychologische Erklärung: Neben den inneren Quellen des Trauminhalts spielen nämlich auch äußere Reize, die zeitgleich mit dem Traum auftreten, eine Rolle. Diese werden über unsere Sinnesorgane aufgenommen und entsprechend weiterverarbeitet. Solche Reize können sowohl Geräusche, wie z. B. von vorbeifahrenden Autos, Weckerklingeln oder Stimmen im Nachbarraum sein, als auch körperliche Eindrücke wie Hunger, Durst oder Harndrang. Je nach Relevanz des Eindrucks für den Träumenden wird der entsprechende Reiz dann in den Traum eingearbeitet.

 

Wie funktioniert die Erinnerung an unsere Träume?

Doch Du kennst das bestimmt auch: Du wachst in der Früh auf und hast keine Ahnung mehr, was bzw. ob Du überhaupt geträumt hast. Oft meinen wir sogar, tagelang gar nicht zu träumen. Das ist aber falsch, denn in Wahrheit träumt jeder von uns ca. 3-5-mal pro Nacht mit einer Dauer von 5-40 Minuten – lediglich die Erinnerung ist manchmal kaum oder gar nicht vorhanden.

Warum? Das Vergessen der Träume ist relevant für das geistige Wohlbefinden. Wenn wir uns an alle Träume genauso gut erinnern könnte wie an die Erlebnisse im wachen Zustand, dann würde in unserem Kopf ein rießiges Chaos herrschen.

 

Tausend Fragezeichen in unseren Köpfen…

Ob diese durch meinen Artikel weniger geworden sind? Ich kann für mich sprechen – nein, es sind jetzt sogar noch mehr.

Träume gehören seit Ewigkeiten zu den Geheimnissen des Lebens. Sie faszinieren, bedrängen und ängstigen uns. Auch wenn es der Traumforschung – vor allem in den letzten Jahrzehnten – gelungen ist, einige Geheimnisse des Traums zu lüften, so sind immer noch eine Vielzahl von Fragen ungeklärt.

Was wir aber wissen, ist, dass Träume uns unglaublich viel Aufschluss über uns selbst geben können. Das sollten wir zu schätzen wissen, denn – so sprach schon Dumbledore zu Harry Potter:

„Wenn wir träumen, betreten wir eine Welt, die ganz und gar uns gehört.“

Ein Artikel von Sarah Hoffmann


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