Jede fünfte Person in Deutschland ist tätowiert. Und obwohl Tattoos in unserer Gesellschaft keine Seltenheit sind, werden Tätowierte trotzdem mit Klischees und Vorurteilen konfrontiert. Warum?

 

„Und das geht nicht mehr weg?”, „Was werden deine Kinder dazu sagen?”, „Hast du dir das wirklich gut genug überlegt?”, „Bist du dir sicher, dass du das nicht eines Tages bereuen wirst?”

Was mussten und müssen sich tätowierte Menschen nicht immer wieder alles anhören. Wie oft wurden sie schon als „asozial“ oder „nicht anpassungswillig“ abgestempelt, ohne die Person überhaupt zu kennen?

Natürlich haben wir binnen Sekunden einen ersten Eindruck von einer Person und ganz besonders sichtbare Tattoos stechen einem direkt ins Auge. Ob wir jemanden positiv oder negativ beurteilen, hängt aber dennoch von der eigenen Interpretation des Erscheinens ab. Für viele Menschen ist der Anblick von Tattoos schon zur Normalität geworden, andere hingegen missbilligen es immer noch.

 

Kurzer Einblick in die Geschichte und Gründe für Tattoos

Tattoos sind auf der ganzen Welt verbreitet und zählen zu den ältesten Kunstformen der Menschheit. Die Ursprünge von Tattoos reicht weit zurück, da sie früher in nahezu allen Kulturen vertreten war. Es ist anzunehmen, dass sich die Kunst des Tätowierens in den verschiedenen Völkern selbstständig und unabhängig voneinander entwickelt hat. Deshalb kann man auch nicht nachweisen, woher genau das Tätowieren abstammt.

So wurden zum Beispiel beim ältesten Europäer Ötzi Linien, Streifen und ein Kreuz auf seinem Körper entdeckt. Oft waren Tattoos auch auf Fingern und Handgelenken vorhanden, um Krankheiten und Leiden abzuwehren, wie die Akupunktur heute.

Es gibt viele verschiedene Gründe für Tattoos. Früher symbolisierten Tattoos eine bestimmte Zugehörigkeit zu einer Gruppe. Zum Beispiel betonten Tätowierungen die noble Herkunft der Adligen, im Mittelalter hatten die Kreuzritter ein Kreuz tätowiert oder orthodoxe Christen und ihre Kinder grenzten sich mit einem Kreuz-Tattoo gegen den Islam ab. In Japan besaßen Menschen der unteren Schichten Tätowierungen, weshalb sie sich dieses zu Eigen machten und Tattoos die Stellung innerhalb der Organisation zeigten. Viele Menschen grenzten sich damit auch von dem Rest der Gesellschaft ab, die sogenannten Randgruppen. Dazu gehörten Seeleute, Prostituierte, Zuhälter, Mafiosi, Rechtsradikale oder auch Punker. Sie sahen Tätowierungen als Zeichen ihrer Zusammengehörigkeit.

Früher wurden Sklaven und Verbrecher wie Mörder oder Kinderschänder „gebrandmarkt“, damit so ihre Taten öffentlich zur Schau gestellt worden sind. Bei den sogenannten „Knast-Tattoos“ handelt es sich oft aber auch um freiwillige Markierungen, die Auskunft über die Zugehörigkeit einer Gruppe, die Zahl der Haftstrafen oder die Art des Verbrechens geben. Besonders bekannt sind die „Knast-Tränen“, die die Anzahl der bereits verübten Morde darstellen. Des Weiteren kommen Tattoos bei bestimmten Ritualen und Traditionen vor. Rituelle Tattoos sind vor allem bei Naturvölkern zu finden, die sich vor bestimmten Zeremonien damit schmücken.

Viele Menschen wollen sich mit Hilfe ihrer Tätowierungen identifizieren, nutzen es als eine Art Therapie oder sie sehen es einfach nur als Dekoration ihres Körpers.

Doch für viele ist es auch ein Protest, gerichtet gegen die geltenden Normen, wie es heutzutage zum Beispiel viele Jugendliche tun. Gegen die Eltern oder gesellschaftliche Regeln lassen sie sich Tattoos stechen und drücken somit ihre Gefühle der Rebellion aus. Tattoos gelten als modisch, erotisch und schick, jedoch nicht bei allen.

Doch macht es vielleicht auch einen Unterschied, wenn man einer hübschen Frau mit einem Rosen-Tattoo oder einem glatzköpfigen Mann mit einem Totenkopf-Tattoo gegenübersteht? Beurteilt man diese Menschen mit Tätowierungen auch nochmal anders?

 

Klischees, Vorurteile und ihre Folgen

Kunst am Körper drückt die individuelle Persönlichkeit aus. Dennoch erzeugen sie Klischees und Vorurteile, gerade beim älteren Teil der Bevölkerung. Sie haben immer noch die „alte“ Sichtweise auf Tattoos. Sie empfinden es als eine Art „Markenzeichen“ oder als zwielichtig, statt als ästhetisch. So seien die Männer Verbrecher, Sträflinge oder Krieger, die ihre Stärke, Männlichkeit oder Verwegenheit zeigen wollen. Frauen dagegen werden als Diebe, Prostituierte oder „Opfer“ der Körperkennzeichnung wahrgenommen und als verdorben oder sexuell ausschweifend abgestempelt. Auch heute werden tätowierte Frauen immer noch rebellischer oder alternativer angesehen als die Männer.

Dass Tattoos heutzutage besser angesehen sind als früher, haben wir wohl den prominenten Menschen zu verdanken, sowie der Beauty-Branche aufgrund des Permanent-Make-Ups und den Lifestyle-Sendungen im Fernsehen.

Dabei wird jedoch wird nicht nur das Vorhandensein und das Motiv an sich, sondern auch die Größe, Position, Gestaltung des Tattoos oder auch das generelle Auftreten und Geschlecht des Trägers beurteilt. So werden zum Beispiel Männer mit einem Tattoo am Hals eher schräg angeguckt als eine Frau, die ein kleines Tattoo am Knöchel hat.

Natürlich müssen Tattoos nicht für immer sein, da es verschiedene Techniken gibt, wie man sie sich narbenfrei und ganzheitlich entfernen lassen kann. Dennoch sollte dieses nicht aufgrund von der Denkweise anderer Leute gesteuert sein.

 

Ausblick: andere Denkweise in der Zukunft?

Durch die immer mehr vorhandene Toleranz der Menschen werden Tattoos in der Gesellschaft immer positiver betrachtet, auch aufgrund des technischen Fortschritts beim Tätowieren. Früher wurden Tattoos unter unhygienischen Umständen mit Nadeln oder Rasierklingen in die Haut gestochen, heute werden dafür Nadeln, technische Maschinen und weiterentwickelte Farbpigmente genutzt. In anderen Kulturen sind andere alternative Techniken im Umlauf. So zum Beispiel mittels eines Haifischzahns, einer speziellen Fadentechnik oder auch mit einem Holzstab.

Außerdem sind seit einiger Zeit Henna-Tattoos, ursprünglich aus Persien und mit richtigem Namen Mehndi oder Mehendi, sehr beliebt. Henna ist ein Farbstoff, hergestellt aus der Pflanze Lawsonia inermis. Viele Einheimische bieten den Touristen in den verschiedensten Ländern diese ornamentale Körperbemalung an, die nach wenigen Wochen verblasst, da dabei nur die sich regelmäßig erneuernde oberste Hautschicht getönt wird.

 

Tattoos sind in unserer Gesellschaft nicht mehr wegzudenken, und gerade durch die zahlreichen Tattoo-Vorlagen sind sie eine Art Phänomen. Sie betonen die Individualität des Menschen und auch wenn dadurch bei einigen Klischees und Vorurteile aufkommen, sollte man sie immer mit Stolz zeigen und nicht verstecken müssen. Gibt es eine Aussicht darauf, dass eines Tages niemand mehr Nase rümpfend an Tätowierten vorbeigehen wird?

 

von Paula Burmeier

 

Textquellen:

www.planet-wissen.de/gesellschaft/mode/taetowierungen_schoenheit_die_unter_die_haut_geht

www.planet-wissen.de/natur/anatomie_des_menschen/pwiekoerperkunsttattoospiercingampco

www.tattoolos.com/tattoo-geschichte/

deavita.com/tattoo-ideen/henna-tattoo-ursprung-muster-motive

Bildquellen:

www.pexels.com/de-de/foto/drinnen-erwachsener-familie-fashion-1421769/

www.srf.ch/news/panorama/stigma-orden-brandmal-zierde-das-tattoo-von-oetzi-bis-heute

www.pexels.com/de-de/foto/armbander-braut-dekoration-design-2286400/

Categories: Allgemein, Tattoo

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