Wenn ein Mensch unheilbar krank ist und unter großen Schmerzen leidet, kommt einigen der Gedanke an Sterbehilfe in den Sinn.

Welche Argumente dafür und dagegen sprechen behandle ich in meinem folgenden Beitrag.


Eine sehr aktuelle ethische Frage ist die zur Sterbehilfe. Zu diesem Thema diskutieren des Öfteren schon Politiker und auch viele religiöse Personen äußerten sich bereits zur Frage, ob Sterbehilfe erlaubt werden soll oder nicht und falls ja, in welchem Rahmen.

PRO – Jemandem die Schmerzen verkürzen

Sterbehilfe ist ein Thema, das tief geht. Weil die Emotionen hochsteigen, wann immer einer die Frage stellt: Dürfen Menschen anderen Menschen zum Sterben helfen?

Die Sterbehilfe darf nicht leicht gemacht werden, weil sonst Dämme brechen können, weil sonst Missbrauch entsteht.

Aber sie sollte dennoch möglich gemacht werden. Manche Menschen leiden unstillbare Schmerzen, sind unheilbar krank, andere wünschen sich auch ohne Schmerzen und mit lieben Angehörigen ein schnelles Ende ihres Siechtums. Schwerstkranke sind oft unfähig, sich das Leben ohne fremde Hilfe zu nehmen. Und der Wunsch, dies mit Medikamenten wenigstens sicher und erträglich zu bewerkstelligen, ist nur allzu verständlich. Sie brauchen also ein Rezept.

Dem Arzt soll es zumeist um Heilung, Linderung und Rettung gehen – aber in Grenzfällen eben auch um andere kompetente Hilfe.

Auch Ärzte werden umdenken müssen. Sie seien für das Leben zuständig, nicht für den Tod, sagen manche. Hilfe zum Sterben widerspreche ihrem Berufsbild. Schon wahr, aber ließe sich dieses Berufsbild nicht auch ein wenig anders und ebenso würdig definieren? Der Arzt als Helfer, der Leiden lindert. In allen Lebenslagen.

Es geht um eine Grundfrage unserer Existenz: Wer bestimmt über uns? Wir selbst oder andere? Wer sagt, was wir sollen? Die Kirche, die Politik, die Partei? Das Selbstbestimmungsrecht ist eines der höchsten Güter. Die Menschen in allen Teilen der Welt haben für dieses Recht zahllose Kämpfe ausgefochten. Dass keine Herren über sie bestimmten. Nicht im Leben. Nicht im Sterben.

CONTRA – Medizinische Fortschritte

Was, wenn es medizinische Fortschritte geben sollte, die den Menschen ein Weiterleben in Würde ermöglichen? Was, wenn eine Schmerztherapie den Menschen helfen würde, weitgehend ohne Schmerzen weiterzuleben – und zu sterben? Die Zweifel bleiben ein Gedankenspiel.

Die Legalisierung ist unnötig. Die Erfahrung zeigt, dass bei guter palliativmedizinischer Versorgung und unterstützender Beziehung der Sterbewunsch meist nachlässt. Es ist gesellschaftlich viel wichtiger, diese Versorgung zu verbessern als die schnelle „Entsorgung“ gesetzlich zuzulassen. Nicht unter Strafe stehen außerdem die indirekte Sterbehilfe (= bestmögliche medikamentöse Symptomkontrolle, bei der eine das Sterben verkürzende Nebenwirkung billigend in Kauf genommen wird) und passive Sterbehilfe (= bei einem sterbenden Patienten die das Sterben verlängernden Maßnahmen zu unterlassen oder einzustellen). Die erlaubten bzw. u. U. ethisch und medizinisch gebotenen Behandlungsmaßnahmen müssen bekannter werden und wirksamer geschützt werden.

Der Kern jeder Debatte um die Sterbehilfe ist die Frage der Selbstbestimmung. Das Selbstbestimmungsrecht umfasst zwar das Recht, nicht gegen seinen Willen behandelt zu werden. Es schließt aber nicht das Recht ein, getötet zu werden. Zur Achtung von Würde gehört auch Fürsorge und das Leben würdigende Beziehung. Aus diesem Grund würde eine Legalisierung gerade den Druck auf Alte und Schwerkranke erhöhen.

Das Selbstbestimmungsrecht wird bei einer Legalisierung ausgehöhlt: Aus dem Recht der direkten Sterbehilfe wird eine unterschwellige Pflicht, anderen nicht länger zur Last zu fallen. Auch wirtschaftliche Gesichtspunkte können sich einschleichen. Das gesellschaftliche Klima gegenüber Alten, Schwerkranken wird sich dadurch verschlechtern. Im Übrigen sinken die Zustimmungsquoten in Umfragen, wenn die Befragten mehr über die Alternativen in der Sterbebegleitung wissen.

Die Erfahrungen in Holland belegen, dass die aktive Sterbehilfe zunimmt. Viele der praktizierten Tötungen entsprechen nicht den Regelungen. Trotzdem werden sie – nach Angaben in der Literatur – nur selten strafrechtlich geahndet. Viele der Tötungen werden nicht gemeldet. Die strafrechtlich tolerierten Möglichkeiten werden immer weiter ausgebaut. Werte geraten ins Rutschen. Es werden auch Menschen ohne eindeutig geäußertes Verlangen, im Frühstadium von Krankheiten oder unter Einfluss einer Depression getötet. Aktive Sterbehilfe wird von der Ausnahme für extreme Schicksale zum “Normalfall“.

Meiner Meinung nach ist das Thema „Sterbehilfe“ ein subjektives Thema, jeder sollte sich intensiver damit auseinandersetzen und für sich selbst entscheiden. Im Vordergrund sollten die Wünsche des Patienten stehen.

Von A.K.


Quellen:

• https://november.de/ratgeber/sterbehilfe/
• https://www.landeskirche-hannovers.de/evlka-de/presse-und-medien/frontnews/2014/09/24
• https://www.bpb.de/dialog/netzdebatte/209110/contra-sterbehilfe-es-gibt-kein-unwuerdiges-leben-sondern-nur-lebensunwuerdige-umstaende
• https://www.spiegel.de/consent-a-?targetUrl=https%3A%2F%2Fwww.spiegel.de%2Fthema%2Fsterbehilfe%2F&ref=https%3A%2F%2Fwww.google.com%2F
• https://www.mdr.de/sachsen-anhalt/umfrage-wuerden-sie-sterbehilfe-in-anspruch-nehmen-100.html
• https://pixabay.com/de/photos/hospiz-hand-in-hand-pflege-1793998/

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