Die geschlechtertypischen Eigenschaften sind in unseren Köpfen verankert, ob wir wollen oder nicht. In den verschiedensten Bereichen unserer Gesellschaft tauchen Begriffe wie „Jungs- oder Mädchentypisch“ auf. Trotz aller Bemühungen gegen diese Sichtweise trauen sich viele, vor allem junge Menschen, speziell im Sport nicht diese Stereotypen zu durchbrechen. Warum das so ist und wie wichtig es ist, diese Sichtweise zu ändern.

Eine Frau im Fußballtrikot oder ein Mann im Ballett Kostüm, ertappst du dich auch manchmal dabei, dies als „komisch“ oder „unnormal“ zu bezeichnen? Denn trotz aller Bemühungen der letzten Jahrzehnte was die Gleichberechtigung der Geschlechter angeht, sind Sportarten wie Ballett oder Reiten typische Mädchensportarten und Fußball oder Kampfsport typische Jungssportarten geblieben.

 

Als meine Eltern mich vor sechs Jahren davon überzeugen wollten, mit dem Taekwondo anzufangen, war das für mich zunächst keine Option, denn „die schreien dort ja so und allgemein ist das was für Jungs“. Trotzdem haben mich die Überzeugungskünste meiner Eltern doch irgendwann so weit gebracht, einmal ein Training zu besuchen und mir das ganze mal anzuschauen. Zu meiner Überraschung hat es mir besser gefallen als erwartet, so viel wurde dann doch nicht rumgeschrien und die Frauenquote lag tatsächlich bei fast 50 Prozent. Mittlerweile ist das Taekwondo nicht mehr aus meinem Leben wegzudenken. Mich persönlich hat der Kampfsport nicht nur fit gehalten, sondern auch extrem viel Selbstbewusstsein gebracht, der Gedanke dass ich mich theoretisch im Ernstfall verteidigen kann lässt mich selbstsicher und angstfrei auch im Dunkeln allein draußen sein.

In meinem Taekwondo-System wird selten ein Unterschied zwischen Frauen und Männern gemacht, lediglich die Dicke des zu zerschlagenden Brettes macht einen Unterschied und auch das wird nicht so streng genommen und nach dem Körperbau und des Könnens der Person entschieden. Also warum wird dann von außerhalb so ein Terz darum gemacht wenn es im Endeffekt im inneren niemanden wirklich interessiert?

 

Das Fußball spielen für Frauen beispielweise war zwischen 1955 und 1970 im deutschen Fußballbund offiziell verboten mit der Begründung:  „im Kampf um den Ball verschwindet die weibliche Anmute, Körper und Seele erleiden unweigerlich Schaden, und das Zurschaustellen des Körpers verletzt Schicklichkeit und Anstand.“ Das Verbot hob der DFB übrigens nur auf, weil die Fußball-Frauen damals kurz davor waren einen eigenen Verband zu gründen

Auch wenn dies zu einer Zeit der Fall war, in der diese Aussagen niemanden wirklich gewundert haben, sind bei vielen, vor allem älteren Leuten, diese Werte noch verankert. Aber wie soll sich sowas auch ändern, wenn bekannte Sportgrößen wie Oliver Kahn Sätze wie „ist Fußball wirklich eine Frauensportart? Darüber kann man diskutieren. Ich bin ein toleranter Mensch. Bitte wenn es Ihnen Spaß macht “  fallen lassen, oder bei männlichen Tänzern gleich die Sexualität in Frage gestellt wird?

 

Eine Sportart im Verein mit mehreren Leuten auszuüben hat viele Vorteile vor allem für die Persönlichkeitsentwicklung. Durch den ständigen sozialen Kontakt zu Leuten, die dieselbe Leidenschaft teilen, das stetige Ziel das man vor Augen hat und das man erreichen möchte hilft besonders in jungen Jahren dabei, einen starken Charakter zu bilden. Kindern wird so schon früh beigebracht, Ziele zu verfolgen und auch mit Niederlagen umgehen zu können. So kommt es im Kampfsport durchaus häufiger vor, das Gürtelprüfungen nicht so laufen wie erhofft, oder bei einem Turnier nicht das Ergebnis erreicht wird, das erwartet wurde. Trotzdem muss man weiter machen.

Für mich war, seit dem ich Taekwondo mache, das Ziel eines Tages meine Gürtelprüfung zum schwarzen Gurt erfolgreich zu absolvieren. Das ist das worauf ich seit meiner ersten Trainingsstunde hinarbeite. Trotzdem waren die präsenteren Ziele, die, die es mir im Endeffekt ermöglichen mein großes Ziel zu erreichen meine Farbgurtprüfungen. Acht an der Zahl waren es bis jetzt. Auf jede habe ich einzeln hingearbeitet, immer mit dem Gedanken im Hinterkopf meinem großen Ziel den schwarzen Gürtel zu erreichen etwas näher gekommen zu sein.

Und das ist es, was Sportarten so wichtig für den Menschen machen. Sie ermöglichen uns neben der Weiterentwicklung unserer körperlichen und geistigen Fitness und Fähigkeiten auch uns persönlich zu entwickeln, Ziele im Leben zu haben das Durchhaltevermögen aufzubauen diese zu erreichen und mit Niederlagen auf dem Weg dorthin umgehen zu können und aus ihnen zu lernen. Und dabei steht nicht etwa das im Vordergrund sondern der Spaß den man daran und mit seinen Mitstreitern hat. Dabei sollte es egal sein, welches Geschlecht sie haben.

 

Im Taekwondo werden nicht nur die typischen Inhalte gelehrt sondern es werden auch Werte wie ein respektvoller Umgang miteinander Gehorsamkeit und Disziplin vermittelt.

Im Gegensatz zu vielen anderen Teamsportarten ist man im Taekwondo ganz alleine für seine Erfolge und auch Niederlagen verantwortlich. Man hat Menschen um sich, die inspirieren, motivieren und anspornen, doch im Endeffekt liegt es in der eigenen Hand wie weit man kommt und welche Ziele man erreicht. 

Nicht zu vergessen, dass Taekwondo ein klassischer Kampfsport ist, bei dem die Selbstverteidigung einen wichtigen Teil einnimmt. Ich persönlich finde, dass jede Frau, vor allem junge Mädchen, mindestens einen Selbstverteidigungskurs in ihrem Leben gemacht habe sollte. Sich selbst verteidigen zu können ist leider immer noch von hoher Wichtigkeit in unserer Gesellschaft. Laut einer bundesdeutschen Repräsentativstudie haben 60% aller Frauen in Deutschland im Lauf ihres Lebens mindestens eine Form von sexueller Belästigung erlebt. Um dies weitesgehend zu vermeiden, kann es hilfreich sein, auf die Körpersprache zu achten. Ein selbstsicheres und selbstbewusstes Auftreten ändert die Ausstrahlung enorm und ermöglicht es eine sichere Atmosphäre zu schaffen die unter anderem vor einem Angriff schützen kann. Allein das Bewusstsein, sich im Ernstfall verteidigen zu können hat mir persönlich immer sehr viel Sicherheit gegeben.

 

 

Und die Moral von der Geschicht?

Dass es wichtig ist an sich zu glauben, für seine Ziele zu kämpfen und dabei den Spaß nie zu vergessen, ist uns glaube ich allen bewusst. Erwähnen möchte ich es trotzdem nochmal, das beste Beispiel hierfür ist der Frauenfußball: seit 1970 wurde das Team der deutschen Frauennationalmannschaft zwei Mal Weltmeister, acht Mal Europameister und gewann 2016 die goldene Medaille bei den olympischen Spielen. Mittlerweile spielen in Deutschland über eine Millionen Frauen Fußball, eine Zahl die noch ausbaufähig ist, aber definitiv einen Schritt in die richtige Richtung darstellt.

Von Anna-Lena Schmid

 

Textquellenverzeichnis:

https://gruene-zitate.de/sprueche-frauenfussball/

https://www.frauen-gegen-gewalt.de/de/was-tunwie-helfen-210.html

https://www.derwesten.de/sport/fussball/immer-mehr-frauen-spielen-fussball-id4507687.html

Bildquellenverzeichnis:

https://pixabay.com/de/photos/frau-karate-box-kick-kickboxen-5893036/

Titelbild

https://pixabay.com/de/photos/frau-porträt-karate-taekwondo-box-5977343/

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