Selbstliebe. Was ist das genau? Zu dieser Frage suchen unzählige Frauen und Männer eine Antwort. Auch ich habe mich auf die Suche nach der umfassenden Selbstliebe gemacht, aber habe ich sie gefunden und wenn ja wie?

Was ist Selbstliebe? Genau das habe ich mich auch mein Leben lang gefragt. Ist es, so von sich selbst überzeugt zu sein, dass man dies jedem mitteilen möchte? Oder ist es, sich im Spiegel anschauen zu können und zu sagen, „du bist toll, hübsch und stark“ und man sich so akzeptiert, wie man ist? Was ist Selbstliebe? Ich habe es bis heute nicht ganz begriffen, was genau das ist und wie man dort sicher hinkommt, zu dieser „umfassenden Selbstliebe“. Man muss nämlich unterscheiden zwischen Selbstliebe und in sich selbstverliebt sein.

Selbstliebe ist die positive Art sich wertzuschätzen und so zu akzeptieren, wie man sich sieht und gibt. Selbstverliebt sein wiederum, ist die ungesunde Variante, würde ich jetzt mal sagen. Wer zu selbstverliebt ist, sieht nur sich selbst im Mittelpunkt und nicht die restlichen Individuen, welche um den Selbstverliebten herumschwirren, meiner Meinung nach.

 

Genug von dem Theoretischen. Jetzt möchte ich euch was über meinen Weg zur Selbstliebe erzählen:

Als ich ein kleines Kind war, war ich selbstbewusst und auch ziemlich selbstständig. Ich konnte fast alles alleine machen und brauchte nicht meine Eltern, oder wollte keine Hilfe von meinen Eltern annehmen, sondern ich wollte es selbst probieren. Ich war glücklich, bis ich älter wurde und in die Grundschule ging. Dort hat sich über die Zeit alles verändert. Ich habe mich verändert.

Ich bin „dick“ geworden. Meine Lehrer haben mich nie wirklich unterstützt, stattdessen meinten sie, ich hätte eine Dyskalkulie und Legasthenie. Ich wurde immer schlechter in der Schule und hatte Angst dort hinzugehen, nicht nur wegen den Schülern, die mich ärgerten, weil ich etwas fülliger war. Nein auch wegen Leher:innen die mich nicht ernstgenommen haben. Bis meine Eltern einen Schlussstrich zogen und mich eine Klasse zurücksetzten. Ab da ging es mir besser. Allerdings wollte ich nichts mehr mit den Leuten zu tun haben, die mit mir in die Grundschule gingen. Also habe ich zusammen mit meinen Eltern den Entschluss gefasst, auf eine Schule zu gehen, die eine halbe Stunde mit dem Bus entfernt ist, ganz weit weg von dem „Bösen“ sozusagen.

Nachdem ich dann auf der neuen Schule war, war ich komplett eingeschüchtert. Ich traute mich gar nichts mehr und war die Schüchternheit in Person. Denn ich wollte niemanden von Anfang an verärgern. Über die Jahre bin ich größer geworden und habe auch einige Kilos verloren, trotz dessen hatte ich immer Angst was Falsches zu sagen und andere Leute zu verschrecken. Bis heute ist das noch so. Aber naja, das ist halt meine Persönlichkeit.

Während aber so langsam all meine Freunde auf Partys gingen, war ich daheim und wollte damit nichts zu tun haben. Fremde Menschen können wieder was „Böses“ sagen und genau davor hatte ich Angst: Dass ich Leute verärgere und sie mit Worten auf mich losgehen.

Dann kam das Abi. DIE perfekte Ausrede. Soziale Kontakte knüpfen? Ha, nein danke! Ich hatte ja meine Freunde aus der Schule, die reichten ja. Als ich das Abitur bestanden hatte, ging‘s an die Uni. Oh man, habe ich am ersten Tag geschwitzt vor Angst. Alles neu, das Gebäude, die unglaublich vielen Menschen und meine Freunde waren alle woanders, nur nicht auf der Uni, wo ich war. Haha, aber ich sag euch, ein Eisbrecher für eine Konversation ist, wenn dein Arm in einem Gips steckt und du ziemlich verzweifelt aussiehst.

Ab da hat sich alles ein bisschen verändert. Ich habe auch an der Uni Freunde gefunden. Zwei Mädels, die einfach nur super sind, und mich ein bisschen aus meiner „Social anxiety-Blase“ rausgezogen haben. So habe ich dann auch herausgefunden, dass das Studium nichts für mich ist. Also habe ich mich beworben und bin da gelandet, wo ich jetzt meine Ausbildung mache. Durch das stetige Wechseln der Abteilungen habe ich noch mehr Leute kennengelernt und in der Berufsschule sofort Freunde gefunden. Aber der absolute Wendepunkt war das Jahr 2020 für mich. Jetzt denkt ihr wahrscheinlich: „Was! Man konnte doch nichts machen. Alles war doch zu!“ Ja, das ist wahr. Allerdings habe ich mich auch was getraut, denn ich habe mich im Spiegel betrachtet und meinte jeden Morgen zu mir: „Es ist scheißegal was andere über dich denken, leb dein Leben. Du hast nur eins, also genieß es!“ Corona hat mir was das angeht ziemlich die Augen geöffnet.

 

Bevor ich euch mitteile, wie genau ich es geschafft habe aus diesem Loch, in dem ich steckte, rauszukommen muss ich euch sagen, dass das nur meine Erfahrungen sind. Sie müssen nicht unbedingt das Gleiche für euch sein. Jeder Mensch ist anders, vor allem bei diesem schwierigen Thema.

 

Gut, dann starten wir mal. Ich hatte drei Phasen:

Die erste Phase ist, streich alles was dich runterzieht aus deinem Leben, wie zum Beispiel Freunde, die toxisch sind und dich eher hängen lassen als dir zu helfen, oder einen Job oder ein Studium mit dem du gar nicht wirklich im Einklang bist. Aber auch das Handy beiseitelegen und Abstand von Social Media halten, kann einiges bewirken. Vielleicht auch nur den Leuten folgen, wo ihr keine Komplexe oder Ähnliches bekommt. Mir hat da vor allem eine Seite auf Instagram und TikTok geholfen: @luluandherselflove. Sie ist toll, einfach nur sehr zu empfehlen!

Zweite Phase: Such dir eine Ablenkung, ein neues Hobby oder eins, was du schon hast und investiere dort mehr Zeit rein. Bei mir war es Sport. Ich konnte so den angestauten Frust einfach weg trainieren.

In der dritten und letzten Phase bin ich über meinen Schatten gesprungen. Ich habe versucht rauszugehen, um neue Leute kennenzulernen und versucht einfach nur Spaß zu haben und es hat geklappt. Ich habe richtig gute Freunde in der Schule gefunden, und auch daheim. Diese möchte ich gar nicht mehr missen. Deshalb kann ich euch nur raten traut euch was, versucht es und springt über euren eigenen Schatten, denn mehr als schiefgehen kann es gar nicht. Also Hals- und Beinbruch meine Lieben.

Nun wisst ihr meinen Weg, wie ich mich besser kennengelernt habe und wie ich gelernt habe, mich mehr wertzuschätzen. Vielleicht könnt ihr was aus meinem kleinen Leben lernen und euch selbst davon etwas aneignen oder vielleicht lernt ihr auch aus meinen Fehlern. Aber ganz egal, ich hoffe einfach, dass ihr euren Weg findet und diesen stolz beschreitet. In welcher Form euch eure Selbstliebe auch immer begegnen wird.

 

 

 

 

Jeder Körper ist anders, und das ist auch gut so!

 

 

 

 

Autorin: Melissa Zinsius

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