Warum hören wir eigentlich Menschen so gerne beim Quatschen zu? Und das, obwohl wir sie gar nicht kennen. Wenn man sich einen Podcast anhört, macht man genau das. Ist diese zu Konsumieren für uns vielleicht eine Flucht vor der visuellen Überflutung im Alltag? Oder fühlen wir uns dadurch nicht mehr so alleine?

Podcasts
-Warum sie so gehyped werden

„Machst du für mich ein‘ Überfall, hinter uns sind Bullen überall
Giddy Up“ (San Andreas, RIN)

Wie üblich beginnt der Comedian Felix Lobrecht die aktuelle Folge des Podcasts „Gemischtes Hack“ mit einem mehr oder weniger bekannten Rap-Zitat. Schon kann es losgehen mit der über einstündigen Beschallung am Mittwoch. Besprochen werden aktuelle Themen, etwas Politik und was den beiden – Felix Lobrecht und Tommi Schmitt – sonst noch so einfällt. Man sollte ihren Daten und Fakten aber nicht vollends vertrauen, wie sie auch selbst immer wieder betonen. Sie sind schließlich keine Journalisten sondern lesen auch nur Artikel in Zeitungen und im Internet. Grob gesagt hört man nur zwei Freunden beim Quatschen zu, die nebenbei noch lustig sind (sonst hätten sie die Kategorie Comedy Podcast auch nicht verdient).

Dabei habe ich mir irgendwann die Frage gestellt: Warum hören wir Menschen eigentlich so gerne Podcasts? Und warum sind vor allem unterhaltende Shows wie „Gemischtes Hack“, die keine recherchierten informativen Inhalte besprechen, so beliebt?

Immerhin waren sie die letzten Jahre immer unter den besten drei Podcasts in Deutschland. Zurzeit sind sie auf Platz 2 der Top-Podcasts und auf Platz 1 der deutschen Comedy Podcasts. Auch in Österreich werden die beiden gerne gehört: hier bekleiden sie Platz 3. International gesehen ist Comedy bei den Hörern auch das zweitbeliebteste Genre. Wissen hängt hier ein wenig nach und kommt erst auf Platz 5.

Zunächst einmal die Frage: Was ist ein Podcast überhaupt?

Der Begriff setzt sich aus dem Wort „Pod“, welches für „play on demand“ steht, und „cast“, eine Abkürzung von Broadcast (dt. Rundfunk), zusammen. Darunter versteht man Audio- und Videobeiträge, die im Internet für die Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt werden. Es gibt zwei verschiedene Arten: den Audio-Podcast und den Video-Podcast. In diesem Artikel beziehe ich mich auf den Ersteren.

Werden sie von so vielen gehört, weil es ein sehr breites Angebot gibt?

Nicht nur Comedians sondern auch Virologen haben jetzt durch Corona eigene Shows, wie zum Beispiel der Corona-Virus-Update Podcast mit Christian Drosten und Sandra Ciesek. Doch man muss nicht unbedingt lustig sein oder sich mit Viren auskennen um einen Podcast aufnehmen und hochladen zu können. Folglich gibt es Shows in vielen weiteren Bereichen, wie True Crime, Wissen, Lifestyle, Gesundheit, Sport, Technologie, Prominente und einige mehr. So ist wirklich für jeden etwas dabei. Was die Zahl der verfügbaren Podcasts auch in die Höhe treibt ist, dass diese sehr leicht zu produzieren sind. Man benötigt nur ein Aufnahmegerät, Programm und Gesprächsthema. Somit können wirklich alle, die Interesse an einem eigenen Podcast haben, eine Folge aufnehmen, hochladen, das Angebot erweitern und später bei Erfolg sogar Geld damit verdienen. – Denn jeder fängt einmal klein an. Gemischtes Hack zum Beispiel hat anfangs ebenfalls nichts daran verdient.

Alleine im Jahr 2020 hat sich die Zahl der Podcasts, die auf Spotify verfügbar sind, zum Vorjahr mehr als verdreifacht und beträgt nun 1,9 Millionen! Von diesen sind alleine schon 40.000 Formate deutschsprachig. Zu diesen Zahlen kommen auch noch die Podcasts, welche auf anderen Plattformen angeboten werden. Für die Konsumenten bleiben die Shows trotzdem glücklicherweise kostenlos. Ist dies vielleicht der Grund für den Hype?

 

 

Oder hört man Podcasts aufgrund der visuellen Überflutung durch Medien?

In der Arbeit sitzt man häufig vor dem PC, zwischendurch sieht man mal auf sein Handy und in der Pause dann sowieso. Abends wenn man nach Hause kommt gibt es schnell etwas zu essen (vielleicht hat man das Rezept aus dem Internet und sieht während dem Kochen wieder auf sein Handy). Isst man alleine wird schnell das Smartphone oder der Fernseher zur Unterhaltung genutzt. Nach dem Abendessen gibt es zurzeit sowieso nicht wirklich viele Unternehmungsmöglichkeiten, so greift man auch hier schnell wieder auf Filme und Serien zurück. Nebenbei checkt man nochmal seine Nachrichten.

Menschen werden müde, wenn sie die ganze Zeit auf einen Bildschirm schaut. Das merke ich bei mir selbst. An Tagen, an welchen ich besonders häufig elektronische Geräte nutze ohne selbst etwas aktiv zu bearbeiten fühle ich mich ausgelaugter und es kommt mir sogar schon anstrengend vor am Abend noch ein Buch zu lesen. Hier sind Podcasts eine schöne Abwechslung:

Man kann in Überbrückungszeiten – wie auf dem Weg zur Schule, zur Arbeit, beim Autofahren, vorm Einschlafen, usw. – oder bei langweiligeren Haushaltsaufgaben abgelenkt und unterhalten werden. Die Zeit geht schneller vorbei und man fühlt sich weniger alleine. Vor allem bei solchen Tätigkeiten möchte man leicht verständliche Inhalte hören, um sich vom Alltag abzulenken und nach der Arbeit runterzufahren und geistig abzuschalten. Wahrscheinlich ist auch deswegen Comedy eines der beliebtesten Genres bei den Hörern.

Natürlich entscheiden sich viele aber auch bewusst dafür Podcasts zu nutzen, um sich Wissen anzueignen, sich über aktuelle Themen zu informieren oder eine feste Zeit zum Entspannen zu haben. Nur zu hören ist oftmals viel intensiver als zu sehen und zu hören. So haben viele das Gefühl, wenn sie eine Show regelmäßig konsumieren, die jeweiligen Podcaster gut zu kennen und eine Art Freundschaft mit ihnen zu haben.

Ist die gefühlte Nähe zu anderen vielleicht der Grund für die Beliebtheit?

Oder ist es die Flexibilität von Podcasts im Gegensatz zum Radio?

Parallelen zwischen beiden Audioformen gibt es schon, jedoch auch große Unterschiede. Sind diese vielleicht der Grund für den Hype um Podcasts?

Ein Vorteil der neueren Medienform ist, dass man sich sein Programm flexibel nach seinen eigenen Vorlieben und Wünschen zusammenstellen kann. Man hört nur die Themen, die einen wirklich interessieren, von Menschen, denen man gerne zuhört. Die Folgen sind beliebig oft wiederholbar und wenn man merkt, dass man im Moment doch etwas anderes hören möchte, sucht man sich einfach eine andere Show oder eine andere Folge des gleichen Podcasters. Im Prinzip kann sich jeder sein Radio-Programm selbst zusammenstellen und muss nicht hören, was einem vorgesetzt wird.

Doch komplett ersetzen wird der Podcast das Radio sicherlich nicht, dafür ist dieser eine zu gefestigte Medienform und in ihrer Art einzigartig. Man schaue sich nur Verkehrs- und Wettermeldungen sowie aktuelle Nachrichten an. So schnell könnten Podcaster gar nicht auf Geschehnisse reagieren und es wäre allgemein auf keinem Fall umsetzbar, da auch die Zielgruppe alles zu langsam erreichen würde. Viele Radiosender erweitern sogar ihr Programm durch Podcasts.

Oder ist es gerade das, was die Podcasts attraktiver macht, dass das Hauptprogramm nicht ständig durch Nachrichten und Wettermeldungen unterbrochen wird? Da es einen in dem Moment vielleicht gar nicht interessiert.

 

Es gibt bestimmt noch viele weitere mögliche Gründe, warum Podcasts zurzeit so gehyped werden. Doch da für jeden andere Dinge wichtig sind, kann man auch nicht einen einzigen Grund für diese Entwicklung verantwortlich machen.

Für mich kann ich sagen, dass ich Podcasts vor allem deswegen höre, weil ich von anderen Medien häufig genervt und ausgelaugt bin, gerne mein Programm selbst auswähle und sie auch für Unterhaltung in Überbrückungszeiten nutze. So entscheide ich mich auf dem Weg zur Arbeit oder zur Schule fast immer für einen Podcast. Zurzeit am liebsten für „Gemischtes Hack“, da dieser sehr unterhaltend ist und auch nach einem langen Tag geistig nicht überfordert. Somit ein perfekter Ausgleich zum Arbeitsalltag.

Um auch mit den Worten von Felix Lobrecht abzuschließen:
„Seid lieb zueinander! […] Tschüss!“

Lea Hundmeyer

Quellen:
https://wirtschaftslexikon.gabler.de/definition/podcast-53629
https://www.welt.de/kmpkt/article204165490/Das-steckt-hinter-der-Faszination-Podcast.html
https://blog.medientage.de/warum-podcasts-so-beliebt-sind
https://spotify_presse.prowly.com/118349-spotify-jahresruckblick-die-top-podcasts-2020#:~:text=Das%20Spotify%20Podcast%2DJahr%202020%20in%20Deutschland&text=Lag%20die%20Zahl%20der%20auf,als%201%2C9%20Millionen%20Podcasts

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