Verdreckte Strände, unzählige Tierkadaver, brach liegende Fischerboote… Aus und vorbei mit der Idylle im Urlaubsparadies! Doch nicht nur das: Auch unsere eigene Existenz ist zunehmend bedroht. Können wir dieses selbst verschuldete Unheil noch abwenden oder ist es bereits zu spät?

Wie unsere Ozeane in 100 Jahren aussehen werden? – Das weiß momentan keiner so genau, aber wenn es so weiter geht wie bisher, dann wird nicht nur das Ökosystem Meer zusammenbrechen, auch an uns werden die Folgen nicht spurlos vorübergehen. Jährlich sind es bis zu 13 Millionen Tonnen Verpackungsmüll, die sich in den Gewässern sammeln und dort verheerende Folgen anrichten. Schon jetzt haben wir es geschafft, das Ökosystem Meer an den Rand der Belastung zu bringen und in eine treibende Müllkippe umzuwandeln. 

Vermüllte Strände sind die Folgen unserer puren Ignoranz.

Hier drüben liegt ein toter Schnabelwal, der auf seiner Reise durch die Weltmeere 40 Kilogramm Plastik in sich trug, ein paar Schritte weiter ein Seevogel, dort ein Delfin verheddert und schlussendlich stranguliert in einem Geisternetz – all diese Tiere und mit ihnen 10.000 weitere Lebewesen 800 verschiedener Arten verenden jährlich am Plastik. Sonnenschirme und Liegestühle sucht man mitten in der Türkei am Strand von Fethiye vergeblich – Tourismus existiert aufgrund der vermüllten Küsten schon lange nicht mehr. Auch Fischer, die täglich mit ihren Booten auf dem weiten Meer ihre Schleppnetze ausgeworfen und unzählige Meerestiere auf den Märkten verkauft haben, tummeln sich seither nicht mehr am Strand. Ihre Boote liegen achtlos und stark beschädigt im Sand. Es waren Plastiktüten, die sich in den Schiffsschrauben verfangen hatten und somit die Existenzgrundlage vieler Menschen zerstörten. Die beiden Sektoren Tourismus und Schifffahrt waren vor einigen Jahren noch ein wichtiger Bestandteil für eine florierende Wirtschaft, mittlerweile tragen diese jedoch Millionenschäden. Wir befinden uns mitten im Jahre 2121. Vor 100 Jahren hätte die Menschheit dieses Unheil noch abwenden können, nun ist es jedoch zu spät. Jetzt zieht ein Unwetter auf und mit ihm schwemmen erneut elendig verendete Meeresbewohner an: Der Darm verstopft vom Plastik, allesamt verhungert bei vollem Magen. Ein Szenario, welches die Karettschildkröte bei ihrer baldigen Eiablage vorfinden wird …

Leben in der Müllkippe Meer

Plastik ist einfach überall – unzählige PET-Flaschen, Tüten oder Verpackungen treiben an den Küsten, in den Häfen und vor allem in unseren Meeren. Für die Industrie ist Kunststoff ein echter Vorteil, denn dieser ist nicht nur vielseitig einsetzbar und günstig, sondern auch sehr beständig. Die enorme Haltbarkeit wurde jedoch zum Problem, als das Plastik in unsere Umwelt gelangte. Landet es als Müll in den Weltmeeren, so dauert es mehrere Hundert Jahre, bis von einer Zersetzung gesprochen werden kann. Während sich die Plastikproduktion in den 1950er-Jahren noch auf 1,5 Millionen Tonnen pro Jahr beziffern lies, beläuft sich die Zahl nun auf satte 400 Millionen Tonnen. Unser immer größer werdender Konsumwahn trieb die Verschmutzung der Gewässer ins Unermessliche und beförderte die Plastikproduktion in unvorstellbare Dimensionen. Der achtlose Umgang mit diesen Wegwerfartikeln sowie die oftmals unnötige Herstellung vieler Verpackungsmaterialien führte zu einer erschreckenden Umwandlung unseres einstmals blauen Planeten: Im Jahre 2050 gab es bereits mehr Plastikmüll als Fische in den Ozeanen, das Ausmaß steigt immer noch stetig an.

Auch die Menschheit hat in den vergangenen Jahren viele Auswirkungen der Meeresverschmutzung deutlich zu spüren bekommen: Wir sind es, die am Ende der Nahrungskette stehen und das in Fischen sowie Meeresfrüchten enthaltene Mikroplastik zu uns nehmen. Krankheiten wie Krebs oder Entzündungen im Darm- und Lebergewebe gehören seither zur bitteren Tagesordnung. Jede Minute landet bildlich gesehen die komplette Ladung eines Abfallautos in unseren Weltmeeren: Mit derart vermüllten Ozeanen kann langfristig kein Lebewesen der Welt mehr überleben – eine Folge, die früher noch unvorstellbar war, nun aber bald zur bitteren Realität gehören wird.

Die Meeresbewohner halten das herumtreibende Plastik für Nahrung – ein großes Verhängnis!

… Ihre lange und mühselige Reise durch die Müllkippe Meer hat die Karettschildkröte nun fast beendet. Schon damals war ihre Art vom Aussterben bedroht. Jetzt ist das Ablegen ihrer Eier die letzte Chance, um ein Überleben ihrer Spezies sicherstellen zu können. Inzwischen ist die Karettschildkröte am Strand angekommen, nur noch ein paar wenige Schritte von ihrer Bestimmung getrennt. Doch plötzlich verschwand auch die letzte Kraft in ihr, das Hungergefühl derart groß. Plastiktüten, die sie für Quallen gehalten hatte, wurden ihr zum Verhängnis und verstopfen nun den Magen. Von einer Welle mitgerissen wirbelt sie in Richtung Meeresgrund und sinkt immer weiter zu Boden. Abertausend weiteren Tieren war ein ähnliches Schicksal bestimmt, auch sie mussten einen qualvollen Tod sterben.

Würden wir im Jahre 2121 in solch einer Welt leben wollen? Ist es tragbar, dass die Tiere aufgrund unseres Verhaltens ein derartiges Leid verspüren müssen? Würde uns dieser Planet nur ein kleines bisschen am Herzen liegen, dann müssten wir unsere Haltung ändern. Egoismus hat uns noch nie zum Ziel geführt, doch die Verschmutzung der Meere ist genau auf diese eine Haltung zurückzuführen: auf unseren puren Egoismus. Die Natur schenkt uns jeden Tag aufs Neue ihre Wunder, doch wir erkennen diese nicht und zerstören ihre Träume.Willkommen in unserer Gesellschaft: In einer Gesellschaft, die von Bequemlichkeit, Komfort und Ignoranz geprägt ist. Wir sind es, die aufgrund der vorherrschenden Wegwerfgesellschaft unsere Welt und mit ihr auch uns selbst ins Verderben führen. Wenn einmal das Ökosystem Meer mitsamt aller Lebewesen stillsteht, dann ist auch unsere Existenz bedroht. Wir müssen mit dem Umdenken beginnen, bevor es endgültig zu spät ist. Schon jetzt schlägt die Uhr fünf vor 12 und alle Fehler, die begangen wurden, können nicht mehr gut gemacht, die unzähligen toten Tiere nicht mehr zurückgeholt werden. Wir schaffen unsere eigene „Plastikpandemie“. Ist es wirklich das, was wir für unsere Zukunft wollen?

 

Geschrieben von Jana Dahnke

 


 

Quellenangaben:

http://www.infethiye.net/deutsch/caretta-meeresschildkroten-in-fethiye.htm

https://www.bund.net/service/publikationen/detail/publication/plastikatlas-2019/

https://www.nabu.de/natur-und-landschaft/meere/muellkippe-meer/muellkippemeer.html

https://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/plastikmuell-bis-zu-13-millionen-tonnen-landen-in-meeren-a-1018226.html

https://www.quarks.de/umwelt/muell/plastikmuell-mehr-plastik-als-fisch-im-meer/

https://www.br.de/nachrichten/wissen/warum-so-viele-tiere-durch-plastikmuell-im-meer-sterben,RMknbBd

https://www.gruene-bundestag.de/themen/plastik

https://www.wwf.de/themen-projekte/meere-kuesten/plastik/unsere-ozeane-versinken-im-plastikmuell

https://webmoritz.de/2019/03/13/zukunftsaussichten-fuer-die-weltmeere/

https://www.aphorismen.de/zitat/38399

 

Bildquellen:

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