Unnahbarkeit, Zwei-Klassen-System und Reiche, die immer noch reicher werden – drei eigentlich völlig unterschiedliche Themenbereiche, welche doch einen gemeinsamen Nenner haben: Profifußball. Hat der Niedergang unseres Nationalsports vielleicht schon längst begonnen?

Von Florian Diesenbacher

Ende Januar 2021 veröffentlichte die spanische Zeitung „El Mundo“ einen Artikel, welcher bei vielen Fußballfans, Experten und selbst bei anderen Profivereinen für Kopfschütteln sorgte. Inhalt dabei war, die Veröffentlichung des Gehaltes von Lionel Messi – dem besten Fußballspieler der Welt. So hat die Zeitung herausgefunden, dass besagter Spieler durch seinen vierjährigen Vertrag von Juni 2017 bis Juni 2021 stattliche 555 Millionen Euro verdienen soll. Beachtlich dabei ist, dass sein Verein, der FC Barcelona, gleichzeitig über 1,1 Milliarden Euro Schulden hat und jedes Jahr nur knapp an der Insolvenz vorbeikommt. Das sind Summen, welche sich ein Normalsterblicher nicht einmal in seinen Träumen vorstellen kann. Sogar Jerôme Gondorf – Profi des SC Freiburg sagt: „Wenn ich mir die Entwicklung der Gehälter anschaue, wird mir manchmal schwindlig.“ Dies ist aber nicht der einzige Grund, weshalb immer mehr Fans „ihrem“ Sport den Rücken kehren.

Früher war alles besser

Dass im Profifußball viel Geld im Umlauf ist, macht sich nicht nur bei den Vereinen und Ablösesummen bemerkbar, sondern es sind hauptsächlich auch die Fans betroffen.So wird es immer teurer ein Fußballspiel live zu verfolgen, egal ob im Stadion oder im Fernsehen. Noch 2002 zum Beispiel hat ein Stehplatzticket bei einem durchschnittlichen Bundesligaspiel, ohne Top-Mannschaften, ca. 8 € gekostet, heute kostet ein vergleichbares Ticket mit ca. 20 € mehr als das Doppelte. Wem das zu teuer ist, der kann auch nicht mehr einfach sagen „dann schau ich mir das Spiel eben im Fernsehen an“ da dieses Spiel dann nur bei einem von drei Pay-TV Anbietern läuft, welche, wenn man alle abonniert, monatlich über 50 € kosten.

Neben dem finanziellen Aspekt war es auch noch vor einigen Jahren üblich, dass alle Trainings der Bundesligamannschaften öffentlich waren und somit die Fans ihren Lieblingsmannschaften beim Trainieren zusehen konnten. Heutzutage trainieren beinahe alle Profivereine, aus Angst vor Spionage der gegnerischen Vereine, hinter blickdichten Planen und Zäunen.

Durch diese Abschottung der Profis aus der Öffentlichkeit verlieren viele Kinder und Jugendliche ihre Vorbilder aus den Augen, weswegen auch die Amateurvereine immer größere Probleme im Nachwuchsbereich bekommen.

Zwei verschiedene Fußballwelten

Seitdem immer mehr Geld im Profifußball im Umlauf ist, wird die „Zweiklassengesellschaft“ zwischen Amateur- und Profivereinen immer deutlicher. Während Amateurvereine jedes Jahr ums Überleben kämpfen, da sie keine großen Sponsoren, Zuschauereinnahmen oder Ähnliches haben, werfen die Vereine aus den oberen Ligen mit den Millionen nur so um sich. So hatte der FC Bayern München beispielsweise in der Saison 2018/2019 einen Jahresumsatz von über 713 Millionen Euro, was einem Gewinn von 52 Millionen Euro entspricht, erzielen können. Bei den kleineren Amateurvereinen geht das Finanzergebnis am Jahresende meist bestenfalls mit einem Gewinn von wenigen hundert Euro aus. So ist es nicht verwunderlich, dass es häufig vorkommt, dass Amateurvereine, welche sich für den Aufstieg in die 3. Liga (niedrigste Profiliga in Deutschland) qualifizieren, den Aufstieg freiwillig ausschließen, da die finanzielle Lücke zwischen Amateur- und Profibereich einfach zu groß ist. Dieses Bild der zwei verschiedenen Fußballwelten macht sich nun auch während der Corona-Pandemie sehr stark bemerkbar, da z.B. in Deutschland die Vereine der ersten bis zur dritten Liga ganz normal weiter trainieren und spielen dürfen. Auch internationale Spiele sind erlaubt, ohne dass die Profispieler im Anschluss eine Quarantäne absitzen müssen, während die Amateurfußballer schon monatelang nicht einmal einen Fußballplatz betreten dürfen.

Wirtschaftssektor Profifußball

Dass Profifußballvereine auch einen echten Mehrwert für Unternehmen, bezüglich der Markenbekanntheitund dem Image haben, zeigt sich ebenfalls gut in der Bundesliga mit den Vereinen VFL Wolfsburg (VW), Bayer 04 Leverkusen (Bayer) und RB Leipzig (Red Bull). Hier einmal das Beispiel von Red Bull, ein Konzern, welchem mit Red Bull Salzburg, RB Leipzig, New York Red Bull und Red Bull Bragantino (Brasilien), gleich vier Profivereine weltweit gehören. Hier können Talente und gestandene Spieler innerhalb des Red Bull Imperiums aus den kleineren Ligen wie Brasilien, USA oder Österreich zum großen Mutterverein RB Leipzig für nur kleines Geld und ohne große Transferverhandlungen wechseln. Dadurch haben natürlich andere Vereine, welche sich um den gleichen Spieler bemühen, einen großen Nachteil, da diese deutlich mehr Ablöse an das Red Bull Imperium bezahlen müssen, als wenn der Wechsel „intern“ abläuft.

Da immer mehr Firmen in die Vereine einsteigen und diese dann eher aus wirtschaftlichen Interessen heraus, anstatt aus sportlichem Interesse geführt werden, wenden sich auch die Fans mehr und mehr von diesen Teams ab. Schon jetzt ist ein deutlicher Trend zu erkennen, dass die „Werksmannschaften“ der Unternehmen deutlich geringere Mitgliederzahlen und Fans im Stadion haben, als die noch traditionell eigenständig geführten Vereine.

Doch nicht nur die TV-Gelder und Firmen sind Schuld an den hohen Summen und dem Klassenunterschied im Fußball, sondern auch verschiedene Scheichs und Milliardäre, welche sich, oft ohne echtes Fußballwissen, ganze Vereine in verschiedenen europäischen Ligen kaufen. In dieses Projekt stecken sie dann Milliarden, nur um ihr eigenes Ansehen und die Bekanntheit zu erhöhen. Dies misslingt jedoch oftmals, aufgrund der geringen Fachkompetenz der Eigentümer, wodurch die Vereine an den Abgrund geführt werden. Die Übernahme ganzer Vereine durch Einzelpersonen ist in Deutschland zum Glück noch nicht erlaubt. Doch wer weiß, wenn sich diese Entwicklung so rasant fortsetzt, wird das vielleicht auch bald in Deutschland unumgänglich sein um den Anschluss an die Top-Ligen zu wahren.

Fan Proteste der Manchester United Fans gegen die Super League

Super League

Der bislang letzte negative Höhepunkt in der Entwicklung des Profifußballs wurde am 18. April 2021 mit der Gründung der Super League gesetzt. Einer Liga, fernab von FIFA und UEFA, in welcher sich zwölf der mächtigsten Vereine Europas zusammengeschlossen haben. Darunter waren 6 Englische, 3Spanische und 3 Italienische Teams. Ziel, der eigenständig von den Vereinen gegründeten Liga, war es, dass die teilnehmenden Vereine noch mehr Geld bekommen. So war vorgesehen, dass jedes Team allein für die Teilnahme an der Liga jährlich 450 Millionen Euro bekommt. Dies alles verkauften die Präsidenten und Eigentümer der Vereine unter dem Motto, dass sie wieder für attraktivere Fußballspiele sorgen wollen. Da in den Plänen der Liga jedoch nicht vorgesehen war, dass die Teams aus dieser Superliga auf- oder absteigen können, wäre der gesamte sportliche Wettbewerb gefährdet gewesen.

Nur dank extremen Protesten der Fans und Spieler, sowie der UEFA, welche drastische Strafen für die Super League Teilnehmer angekündigt hatte, hat sich das irrsinnige Projekt schon 24 Stunden nach Bekanntgabe begonnen in Luft aufzulösen. Mittlerweile sind acht der zwölf Klubs aufgrund des massiven Drucks von außen wieder aus der Liga ausgetreten und das Projekt gilt als gescheitert.

Um solchen finanziellen Interessen Einzelner entgegenzusetzen, wird schon seit Jahren über einen möglichen „Salary Cup“, einer Gehaltsobergrenze, wie bei den amerikanischen Eishockeyteams, nachgedacht, wobei es jedem Team nur erlaubt ist, eine bestimmte Summe an Gehältern auf alle Spieler zu verteilen. Dies würde meiner Meinung nach einen ersten Versuch darstellen, den Sport wieder in den Vordergrund zu rücken und die Lücke zwischen Amateur- und Profivereinen zu verkleinern. Dieser Ansatz lässt sich nun auch bei dem neuen Vertrag zwischen dem FC Barcelona und Lionel Messi, welcher ab sofort jährlich 12 Millionen Euro weniger verdient, erkennen.

Quellenverzeichnis: (Text)

https://www.focus.de/sport/fussball/unvorstellbare-summe-mega-gehalt-enthuellt-messi-verdient-an-einem-tag-mehr-als-andere-im-ganzen-leben_id_12929513.html, 20.03.2021

https://www.ran.de/fussball/bundesliga/news/profans-sprecher-zelt-erwartet-entfremdung-vom-fussball-112859, 20.03.2021

https://www.kicker.de/fc-bayern-vermeldet-erheblichen-umsatz-und-gewinnrueckgang-792650/artikel, 20.03.2021

https://www.augsburger-allgemeine.de/sport/Interview-Cem-Oezdemir-Der-Profifussball-entfremdet-sich-von-seinen-Fans-id59112661.html, 20.03.2021

Bildquellen:

https://pixabay.com/de/photos/fifa-fu%C3%9Fball-ma%C3%9Fstab-korruption-3458063/, 16.05.2021

https://www.ran.de/fussball/england/news/fan-proteste-manunited-gegen-liverpool-abgesagt-120390, 16.05.2021

Categories: Allgemein, Sport

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