Bereits die Bibel wurde mit einem goldenen Farbschnitt verziert. Längst nicht mehr das einzige Buch, welches eine besondere Veredelung in Form eines Farbschnittes erhält. In allen Regenbogenfarben und mit Motiven kann man die Außenseiten von Büchern mittlerweile verschönern. Doch dies stellt die Verlage vor einige Herausforderungen und bringt einen neuen Spieler ins Geschäft.

Nach einem anstrengenden Tag kommt Lyra nachhause in ihre kleine, aber feine Wohnung. Sie macht es sich auf ihrer Couch gemütlich und bevor sie ihrem größten Hobby dem Lesen nachgeht, browst sie noch ein wenig durch Instagram. Direkt auf der Startseite im Feed springt ihr ein besonders schönes Bild von einem Buch mit bunt gestalteten Seiten ins Auge. „Wow“ denkt sie sich „dieses Buch wird jetzt schon so gehyped und dann gibt es auch noch eine besondere Ausgabe mit Farbschnitt, sogar limitiert…“. Das Buch wollte sie sich ohnehin kaufen und warum sollte sie sich nicht einmal etwas Besonderes für ihr Bücherregal gönnen? Auf Instagram hat sie schon mehrmals Exklusivausgaben mit gestalteten Buchseiten gesehen, aber in der Buchhandlung ist ihr das bisher nicht wirklich untergekommen. Der Onlineshop, aus dem die Bloggerin das Buch hat, ist zum Glück verlinkt, sodass Lyra mit nur einem Klick auf der Shopseite des Buches ist. Ohne zu zögern, bestellt sie die Exklusivausgabe, die bereits Übermorgen am Erscheinungstag des Buches bei ihr ankommen soll. Jetzt heißt es nur noch ein wenig geduldig zu sein.

Schon die Bibel wurde mit Gold an den Seiten verziert

Bücher mit Farbschnitt von Verlagen

Der Farbschnitt ist keineswegs etwas Neues in der Bücherwelt, um ein Buch besonders hervorzuheben. Heutzutage ist dies längst nicht mehr so aufwendig wie damals. Dank der sich stetig weiterentwickelnden Technik des Digitaldrucks sind die Möglichkeiten ins Unermessliche gestiegen und gestalterisch ist beinahe alles möglich, um Bücher einzigartig aussehen zu lassen. Mithilfe modernster Drucktechniken lassen sich Schriftzüge und andere Motive ganz einfach in allen erdenklichen Farben auf den Seitenrand von Büchern drucken. Bei dem Digitalen Standardfarbschnitt hingegen sind die drei Außenseiten der Buchseiten, die ja normalerweise dem Papier entsprechend weiß sind, nur bunt einfarbig bedruckt.

Verlage entscheiden sich zu dieser Veredelungsform recht selten, da hierbei zusätzliche Kosten in der Herstellung entstehen. Farbschnitte werden daher auch eher für Titel mit Bestsellerpotential verwendet. Das wohl bekannteste Beispiel, bei dem ein Schriftzug mithilfe des Digitaldrucks auf die Buchseiten gedruckt und vom Verlag in Auftrag gegeben wurde, ist die Thriller-Reihe von Ethan Cross (Die Shepherd Reihe), erschienen bei Bastei Lübbe. Der Trend zu Farbschnitten hat sich in den letzten Jahren verstärkt. Eine Pressesprecherin des Verlages Kein & Aber erklärt: „Der Farbschnitt hat einen Wiedererkennungswert, der neben Lesern auch Buchhändlern bei der Orientierung hilft. Die Bücher sehen zudem schön aus […]“, erregen Aufsehen und steigern dadurch das Verkaufspotential, aber natürlich muss sich der Aufwand für die Verlage auch rechnen. Da bei den gestalteten Farbschnitten noch zusätzliche Kosten für Grafiker aufkommen würden und es beim Druck immer mal wieder zu Fehldrucken kommt, sind die Verlage eher zögerlich, was die Technik des Motivdrucks auf Farbschnitten angeht.

Einzigartigkeit und Exklusivität in der Bücherbüchse

Farbschnitte des Onlineshops der Bücherbüchse – Seitenansicht

Genau Dies macht sich der Onlineshop der Bücherbüchse zu nutzen, bei dem Lyra auch ihr besonderes Exemplar bestellt hat. Doch wie funktioniert das Ganze? Die besonders gestalteten Bücher lassen sich in Buchboxen mit dazugehörigen Goodies erwerben. Da die Bücher auf dem deutschen Markt der Buchpreisbindung unterliegen und der Shop die Preise der Bücher nicht ändern darf, eignet sich dieses Konzept sehr gut, um durch einige Beilagen die Mehrkosten für Gestaltung, Druck und Versand zu aufzufangen. Jeweilige Mehrkosten trägt der Shop selbst. Geschicktes Marketing und der große Einfluss von Buchbloggern auf Plattformen wie Instagram, haben die Reichweite der Exklusivausgaben, die es ausschließlich bei der Bücherbüchse gibt, noch verstärkt. Ein zusätzliches Kriterium neben dem „Besonderen“ ist die Tatsache, dass diese gestalteten Ausgaben limitiert verfügbar sind und häufig nicht nachgedruckt werden. Der Sammlerinstinkt wird bei den LeserInnen geweckt. Mittlerweile lassen sich die Exklusivausgaben mit gestaltetem Farbschnitt auch einzeln unabhängig von Buchboxen erwerben.

Farbschnitte des Onlineshops der Bücherbüchse

So einzigartig und schön die Exklusivausgaben der Bücherbüchse auch sein mögen, so bieten sie doch Anregung zum Nachdenken und zur Diskussion. Die Erwartungen und Wünsche der LeserInnen, die durch soziale Medien immer mehr mit der faszinierenden Technik konfrontiert werden, steigen und erhöhen den Druck auf Verlage, die Bücher in bestimmten Genres besonders zu veredeln. Im besten Falle ebenfalls mit schönen Motiven auf den Außenseiten, wie bei der Bücherbüchse exklusiv zu erwerben. Da nur in seltenen Fällen vom Verlag eine Veredelung in Form eines Farbschnitts vorgesehen wird, weil sich die Kosten decken müssen, geraten die Verlage mehr und mehr in eine Zugzwang Situation. Sie möchten den Bedürfnissen der LeserInnen gerecht werden, müssen aber gleichzeitig wirtschaftlich klug handeln. Durch die Abnahme der Arbeit und die Organisation über die Bücherbüchse entsteht für die Verlage ein leichter Mehraufwand durch die Kommunikation mit dem Onlineshop. Ab wann sind die Bücher lieferbar, welche Menge kann bestellt werden? Dies sind nur einige Fragen, die für jedes Buch neu geklärt werden müssen. Die Verlage können außerdem nicht selbst bestimmen, welcher Titel eine Gestaltung erhält und haben dementsprechend auch kein Mitspracherecht, bei der Gestaltung. Sie können allerdings Titel Vorschlagen, die endgültige Entscheidung liegt aber bei der Bücherbüchse. Der Onlineshop entscheidet im Interesse der LeserInnen, welche Bücher und Gestaltung des Farbschnitts am sinnvollsten ist. Kriterien, die hier reinspielen, sind unter anderem die Zielgruppe und Covergestaltung. Jedes verkaufte Exemplar bedeutet für die Verlage Umsatz. Außerdem bringen die Farbschnitte mehr Reichweite und zusätzliche Verkäufe des Buches, was wiederum positiv für die Verlage ist.

Es ist Samstag und es klingelt bei Lyra an der Tür. Aufgeregt läuft sie zur Gegensprechanlage und drückt den Türöffner. Ungeduldig springt sie von einem Bein aufs andere und wartet auf der Türschwelle ihrer Wohnungstür. Der Postbote lässt sich heute aber auch Zeit. Endlich da! Nur noch schnell unterschreiben und auspacken. „Oh mein Gott“, denkt Lyra sich, als sie das Paket vorsichtig öffnet, „in Wirklichkeit sieht das Buch noch einmal viel schöner aus als auf Instagram.“ Sofort macht Sie es sich auf ihrem Sessel gemütlich und liest direkt los. Mit dem schönen Farbschnitt liest sie nochmal doppelt so gerne.

A.Harder

Quellen:

https://www.boersenblatt.net/archiv/1511993.html?ss360SearchTerm=farbschnitt

https://buecherbuechse.de/

Fotos selbst gemacht

Categories: Allgemein, Bildung, Kultur, Medien

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