Die Hose sitzt schon wieder lockerer als vor einem Monat, da hat sie noch gepasst. Mittler-weile kann sie fast nur noch Leggins tragen, weil alle Hosen zu groß sind. Es wird immer schlimmer. Erst vor kurzem haben meine Freunde und ich erfahren, dass unsere Freundin seit einem halben Jahr an Bulimie erkrankt ist, aber das hat mittlerweile aufgehört. Trotzdem isst sie einfach nichts. In der Schule ist das gut zu beobachten wenn sie zu allen süßen Sa-chen oder Dingen, die ein paar mehr Kalorien haben, nein sagt. Wirklich ein schrecklicher Anblick, weil man selbst mit der Situation überfordert ist und nicht weiß, was man dagegen machen kann.

Stefanie Weigand Aushängeschild Thema Magersucht

Sich jeden Tag auf die Waage zu stellen oder seine Maße zu nehmen ist für manche Mädchen mittlerweile normal. Doch das kann schnell in eine falsche Richtung führen und in Magersucht enden.

Das Ganze begann mit Bulimie, was ich erst ein halbes Jahr später erfahren habe, wie oben bereits erwähnt. Doch sie hatte sogar so viel Kraft, dass sie damit aufgehört hat. Wir als Freunde haben immer versucht auf sie einzureden, dass es ihrem ganzen Körper schadet und sie kaputt macht. Allerdings ist es dann in Magersucht übergegangen  und ich habe ge-merkt, wie sie immer mehr Sport machte und sich gesünder ernährte. Doch irgendwann hat sie einfach zu wenig gegessen. Ich habe mitbekommen wie die Oberteile und Hosen lockerer geworden sind und wie sie langsam immer mehr eingefallen ist. Beim Umziehen für den Sportunterricht hat man die Wirbelsäule und Rippen extrem gesehen. Das alles ist kein schöner Anblick und man will natürlich als Freundin helfen und einschreiten.

Meistens war es so, dass sie sich in der Mittagspause nur ein paar Tomaten oder Äpfel gekauft hat, aber nie eine große Mahlzeit in der Mensa. Was mir auch aufgefallen ist, dass sie die Liebe zum Backen entwickelt hat. Mindestens zweimal die Woche hat sie Kuchen, Kekse oder anderes Süßes mitgebracht und an uns verteilt. Selber hat sie davon allerdings nie etwas gegessen, und wenn dann nur in geringen Mengen. Sie hat eine sehr starke Disziplin über den Zeitraum ihrer Krankheit entwickelt und sich selbst kontrolliert. Manchmal hat sie uns auch davon erzählt, dass sie beispielsweise jedes Nahrungsmittel abwiegt und die Kalorien zählt.
Als es mir und meinen Freunden zu viel wurde haben wir versucht ihr zu helfen. Zum einen sind wir zu unserem Schulpsychologen gegangen und haben mit diesem ein Gespräch ge-führt und ihn um Hilfe gebeten, damit er uns Tipps geben kann wie wir weiter vorgehen sollen. Letztendlich hatte sie dann auch ein Gespräch bei ihm und wir saßen daneben. Doch wie es wahrscheinlich schon voraus zu sehen war hat sie leider komplett abgeblockt und man konnte nichts aus ihr herausbringen. Wenn, sagte sie so etwas wie: „Nein ich bin nicht krank“, „ich esse genug“ oder „das stimmt nicht“.
Unser nächster Versuch war, dass wir zum Stärketeam unserer Schule gegangen sind, doch auch dieser Schritt hat uns nicht wirklich weiter geholfen. Ihre Magersucht hat sich über circa 2 Jahre hingezogen und natürlich ist es von Monat zu Monat schlimmer geworden. Irgend-wann haben wir den Entschluss gefasst ihren Eltern einen Brief zu schreiben, da wir uns gefragt haben, ob diese das nicht auch sehen, sich die gleichen Sorgen machen wie wir und etwas dagegen unternehmen wollen. Als wir den Brief abgaben, hat ihre Mutter uns aufge-halten und wollte mit uns reden und ist in Tränen ausgebrochen. Sie hat gesagt, dass es auch ihnen aufgefallen ist und sie eine Lösung finden müssen. Meiner Freundin wurde gesagt dass sie irgendwo hinfahren und sie wurde in die Klinik gebracht. Sie wurde mit einem extremen Untergewicht eingeliefert und auch die Ärzte meinten, dass es knapp hätte werden können und dass sie ihr Leben aufs Spiel gesetzt hat.

Stefanie Weigand Magersucht

Viele Mädchen haben eine falsche Wahrnehmung von ihrem Körper, so auch meine Freundin. Als sie deutlich untergewichtig war fand sie sich noch immer nicht dünn genug.

Ich habe mir sehr viele Sorgen gemacht und wir haben immer wieder versucht ihr zu helfen und etwas auszuprobieren aber ohne die Hilfe von Ärzten und einer Klinik hätte sie ihr Leben nicht mehr in den Griff bekommen. In der Klinik war sie ca. ein halbes Jahr zum Ende der 10. Klasse. Wir haben sie öfters besucht, auch an ihrem Geburtstag und immer wieder nachge-fragt wie es ihr geht. Sie hat uns viel erzählt, beispielsweise was sie jetzt immer zum Essen vorgesetzt bekommt oder welche anderen Patienten sie kennen gelernt hat, die mit demsel-ben Problem zu kämpfen haben.
Nachdem sie aus der Klinik entlassen wurde, hat sie endlich wieder gesund und normal aus-gesehen. Es ist ein richtig schönes Gefühl, wenn man diese Entwicklung miterlebt und weiß, dass es sich bessert und sie eine schönere und vor allem gesündere Zukunft hat.
Sie hat danach auch viel offener mit mir und anderen über ihr Problem geredet und uns viele Sachen mitgeteilt, die sie während ihrer Essstörung gemacht hat. Teilweise hatte sie den ganzen Tag über nur noch Chinakohl mit Öl gegessen, weil das am wenigstens Kalorien hat-te. Als ich das erfahren habe, habe ich noch einmal realisiert wie sehr sie in dieser Krankheit gefangen war. Auch im Kurs Psychologie hat sie eine Unterrichtsstunde lang von ihrer Krankheit erzählt, was meiner Meinung nach eine sehr starke Leistung war, denn in diesem Raum saßen an die 50 Schüler und sie hat sich sehr selbstbewusst präsentiert und jeder hat aufmerksam zugehört.
Natürlich ist man meistens nicht zu 100% geheilt und es gibt eine große Rückfallquote, aber bei ihr hat es sich auf jeden Fall zum Besseren gewendet. Sie hat uns danach zwar auch noch öfter erzählt, dass es ihr schwer fällt manche Sachen zu essen wie Pizza und sich etwas Süßes zu gönnen aber im Großen und Ganzen ernährt sie sich wieder normal und wenn man das sieht ist man erleichtert und glücklich, weil man nicht mehr die ständige Angst haben muss, dass sie jeden Moment zusammenbrechen könnte.
Nach dem Klink Aufenthalt musste sie glücklicherweise keine Klasse wiederholen und konnte mit mir in die Oberstufe. Auch ihr Abitur hat sie sehr gut abgeschlossen und ist momentan auf Weltreise in Neuseeland, Australien und Thailand. Hin und wieder haben wir Kontakt, wie es ihr geht und wo sie gerade so ist. Ich freue mich sehr wenn sie im April wieder nach Deutschland kommt und bin mir sicher dass sie nicht rückfällig geworden ist, weil sie eine alte Schulfreundin an ihrer Seite hat, die sie auch unterstützt. Ich glaube auch, dass sie in Zukunft stabil bleiben wird, weil sie den festen Plan hat Medizin zu studieren und darin bestimmt erfolgreich sein wird.

SW

Categories: Lifestyle

3 Responses so far.


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  3. Joe Pirat sagt:

    Eine sehr hilfreiche Geschichte, die hoffentlich allen Mut macht, einer Freundin oder einem Freund zu helfen, wenn er/sie nicht mehr alleine aus der Krankheit herauskommen.

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