Im Township Soweto, Johannesburg, kommt am 20. Februar 1984 ein Kind zur Welt, das nicht ganz schwarz und nicht ganz weiß ist. Das Problem: Zu dieser Zeit war in Südafrika die Apartheid im vollen Gange und somit die Geburt eines Mischlingsbabys illegal. Dessen Eltern Patricia und Robert hatten also ein Geheimnis. Um nicht von der Polizei verhaftet zu werden, musste sich die afrikanische Mutter als die Haushälterin des Schweizers verkleiden. Nur so konnten sie Zeit miteinander verbringen, ohne Gefahr zu laufen, von der Polizei festgenommen zu werden. Vor Streifenpolizisten, die auf den Straßen für „Recht und Ordnung“ sorgten, musste der kleine Trevor aufgrund seiner nicht ganz schwarzen Hautfarbe so tun, […]

Piep piep piep… Es ist noch viel zu früh zum aufstehen. Es war so ein langer Tag und ich bin noch nicht bereit die Augen zu öffnen. Piep piep piep… Ich will den Wecker ausmachen, aber ich kann mich nicht bewegen. Piep… Meine Augenlider sind zu schwer. Piep piep… Es hört einfach nicht auf. Ich reiße mich zusammen und versuche mich aufzusetzen, doch irgendetwas hält mich zurück. Meine Hand will nach dem Widerstand tasten, aber sie rührt sich nicht. Leise Panik beschleicht mich. Ich lausche in die Dunkelheit doch außer des Piepens höre ich nur meinen eigenen flachen Atem. Und da bemerke ich es. Ein taubes Gefühl kriecht von meiner […]

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Ich öffne langsam die Augen und blinzle. Instinktiv greift meine Hand nach meiner Stirn und krallt sich schmerzhaft in meinen Haaransatz. Nie wieder, denke ich beklommen, drehe mich unter Anstrengungen auf den Bauch und drücke mein Gesicht ins Kissen, um den Sonnenstrahlen zu entkommen, die zum Fenster herein fallen. Ehe ich Gelegenheit habe, wie üblich die letzten in meinem Gedächtnis gespeicherten Ereignisse des gestrigen Abends Revue passieren zu lassen, wird mir klar, dass das stete Rauschen, das ich höre, kein Protest gegen das Aufwachen innerhalb meines Kopfes ist, sondern das Plätschern von Wasser im Bad. Viel zu schnell, allgemein schon zu schnell, aber in meinem Zustand eben viel zu schnell, […]

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Linus war weg und das Haus war da. Und zwar immer und überall, wohin sie ging. Es thronte über der Stadt. Überall konnte man es sehen. Im Park – selbst wenn man das Gesicht so gut es ging hinter einem Buch verbarg – während andere auf sie zeigten, durch die Kirchenfenster schimmerte es, im See spiegelte es sich, in die Fenster des Krankenhauses starrte es… Dort arbeitete sie inzwischen. Linus hätte sicher darüber gelacht. Sie würde am liebsten darüber heulen. Doch da hatte sie kein Recht zu. Schon lange nicht mehr. Selbst die Zeitungen rochen noch heute nach seiner Farbe. Rot. Das Haus war rot. Rot wie eine Kruste, wie […]

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„Wer kotzt, hat nicht das Leben gefunden, das ihm schmeckt.“ Was in fremden Ohren klingen mag wie eine flache Bulimikerweisheit, trifft für mich den Nagel recht passend auf den Kopf. Nicht immer sind es die ausführlichen Erklärungen, manchmal reichen einfache Worte aus, um das Ausmaß einer seelischen Katastrophe oder das Schicksal eines einzelnen treffend zu beschreiben. Und ich muss es wissen, ich habe Bulimie. Ich kann nicht versprechen, dass die folgenden Zeilen eine befriedigende Erkenntnis darüber liefern werden, was es heißt, mit einer Essstörung zu leben. Aber ich möchte euch trotzdem eine kleine Geschichte erzählen. Sie handelt von MIA. Ich habe ihr vertraut und sie hat mir alles genommen. Als ich […]

Ich stehe auf. Mache mir einen Kaffee und verschwinde im Bad. Wenn ich wieder rauskomme sind meine Eltern schon wach. Meine Mutter meckert. Mein Vater lacht. Beide verdienen ein Busse auf die Stirn. Ich mache mich fertig. Ich gehe aus dem Haus. Ich steige in mein Auto und fahre los. Vor mir fährt ein Auto mit 40 km/h in einer 60 km/h Zone. Ich dackel hinterher. Ich beschwere mich nicht. Es ist ein älterer Herr. Jetzt bin ich angekommen und habe geparkt. Ich steige aus und warte bei einer roten Ampel. Es wird grün. Ich gehe hinüber und sehe in der Straße neben mir eine Frau, die einen Rollstuhl schiebt. […]

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Ich weiß du konntest die Angst in meinen Augen sehen als du mir so nah warst. All die Jahre die vergangen sind seit wir uns das letzte mal begegnet sind, all der Schmerz der die ganze Zeit durch meinen Körper pulsierte und nun die Nervosität die durch meine Adern fliest. Ich konnte nie loslassen, es ist nicht so das ich es nie versucht hätte, als hätte ich nicht alles versucht. Doch du warst immer präsent und in jeder Sekunde meines Seins ein Teil von mir. Nun stehe ich an einem Punkt in meinem Leben und will alles ändern und was machst du? Tauchst aus dem Nichts auf und stellst meine […]

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