Was verbindet die französischen Modehäuser Dior, Yves Saint Laurent, Chanel? Ganz simpel, es sind ihre Gründer selbst- oder viel mehr die kleinen Hintergrundstorys, die sich hinter den Firmenerfolgen verbergen. Von den Designern selber weiß heute kaum noch jemand etwas. Doch was tun wenn die Marke schwerer wiegt als ihr Designer?

Ein kurzer Rückblick auf die in Vergessenheit geratenen Menschen hinter den erfolgreichsten Modemarken.

Heutzutage scheint sich wohl kaum einer der Jetsetkunden dafür zu interessieren wie die Designer ihrer teuren Kleidungsstücke und Namensträger ihrer herblich-süß duftenden Parfüms, zu den Legenden wurden die sie heute sind. Kurzes Beispiel: Die Faszination die Christian Dior einst mit seiner renommierten Blütenkelchkollektion, dem von der Weltöffentlichkeit getauften „New Look“, nach dem Krieg ausübte, brachte ihn 1947 fernab von bloßem Verkaufserfolg- er ging mit seiner Kollektion in die Modegeschichte ein. Die Kollektion an sich ist heute aber Schnee von gestern und auch Christian Dior selbst scheint immer mehr hinter dem großen Firmennamen zu verblassen. Vielmehr werden die teuren Designer-Produkte ohne jegliche Hintergrundgedanken an Christian, Yves oder Coco gekauft und zweckentfremdet. Dabei hatte Dior´s Mode durchaus einen gesellschaftlichen Hintergrund. Seine ausschweifenden Kleider, die mit (Un)mengen an Stoff verschwenderisch geschnitten wurden, trafen den Nerv einer Epoche, die von Notstandsmode und Materialknappheit gezeichnet war. 1949 trugen 75% der Pariser Modeausfuhren Dior´s Namen. Heute zählt nur das Status-Symbol.

Etwas bekannter hingegen scheint die Tatsache, dass der damals blutjunge Yves Saint Laurent zu Dior´s ersten und einzigen persönlichen Assistenten avancierte und in späteren Jahren mit Hilfe seines Lebenspartners sein eigenes Haus gründete. Dass dies aus einem Streit mit dem Hause Dior hervorging, ist den meisten Kreisen aber nicht vorgedrungen.   Und auch, dass die Geschichte um die sagenhafte Stil-Ikone Coco Chanel, mit dem Traum eines kleinen Hut-Ladens in Paris begann, scheint den wenigsten Käufern der noblen Produktpalette ins Gewissen gerückt zu sein.

Und so beginnt er, der klägliche Zerfall einstiger Designer, die zu ihren Leb-und Glanzzeiten von Mitarbeitern und Kunden gleichermaßen gewürdigt wurden. Daran mag sich heute nichts geändert haben, denn die Zahlen der Modehäuser sprechen eine deutliche Sprache. Trotzdem ist der Firmenname heute viel bedeutender als jegliche vorangegangen Bemühungen etwas in der Gesellschaft zu bewegen statt bloße Kleider zu entwerfen und dabei die Modewelt zu revolutionieren. Dior, Laurent und Chanel haben nach ihrem Tod ihren Namen abgetreten und sind letztlich in Ihrer eigenen Maison versunken. Schade eigentlich. Denn der Erfolg den die Häuser Dior, Yves Saint Laurent und Chanel auch heute noch verzeichnen, kommt nicht von irgendwoher. Hinter all den Taschen, Kollektionen und Kleidern und stand einst eine Idee und auch ein Mensch der diese umzusetzen wusste. Hier ein kurzer Überblick über die Anfänge der drei Modeschöpfer.

Zum 70.Jubiläum legte das Haus Dior die lang ausverkaufte Autobiografie des Modeschöpfers neu auf (Abb.1).

Dior´s Anfänge

Statt mit dem Datum der Geburtsstunde der „New Look“-Kollektion, der Ligne Corolle, anzufangen (12.Februar 1947), wie viele Modejournalisten es tun wenn sie Christian Dior´s brisanten Aufstieg in der Modewelt Revue passieren lassen, lohnt es sich auch einen Blick auf Dior´s Lebensgeschichte zu werfen um den Hintergrund der Marke näher zu beleuchten. Und im Zuge dessen die überaus sprachgewandte Biografie „Dior und ich“ des Couturiers heranzunehmen, die im Rahmen des 70.Jubiläums des Hauses Diors neu aufgelegt wurde. In dieser reproduziert Dior seine Emotionen während seines Werdeganges zum Haute-Couture-Designer, erzählt von seiner zurückhaltenden Persönlichkeit jenseits des weltweiten Ruhms und eröffnet dem Leser einen Zutritt in intime Gedanken des Designers zu seinen Kreationen.

Christian Dior wollte ursprünglich Architekt werden, was sich, wie er selbst einmal sagte, auch in seinen aufwendigen Konzeptionen seiner Kleider äußerte. Als Sohn eines Großindustriellen sollte er eine politikwissenschaftliche Ausbildung abschließen. Sein Herz aber schlug für die Kunst und Mode. Folglich eröffnete er mit finanzieller Unterstützung eine kleine Kunstgalerie in Paris und etablierte sich 1930 als Kunsthändler. Als die Firma seines Vaters Insolvenz anmeldete, begann er Modebeilagen für die Zeitung „Le Figaro“ zu zeichnen und wurde nach dessen erfolgreichem Erscheinen von mehreren Haute-Couture-Häusern angesprochen Kleider für sie zu entwerfen.

Dior arbeitete zusammen mit einem ebenfalls nicht unbekannten Vertreter der Mode- Pierre Balmain- für das Couture-Haus Lucien Lelong, bis er nach drei Jahren das Angebot des Textilfabrikantens Marcel Boussac annahm und die künstlerische Leitung eines von Boussac finanzierten Haute-Couture-Hauses übernahm. Dieses wurde auf Christian Dior´s Namen getauft.

Der Zauber des New Looks

Dior´s Mode sträubte sich gegen den Kleidungsstil der Kriegsjahre – mit engen Schulterpartien, schmalen Taillen und figurbetonten Designs stellte er die Feminität in den Vordergrund der Mentalität seines Hauses. Während des Zweiten Weltkrieges galt New York als einzig wahre Modehauptstadt. Doch Dior gelang es das Epizentrum der Modewelt von New York nach Paris zu transferieren und wurde zugleich einer der bekanntesten und erfolgreichsten Modemarken der Welt. Bis heute.

Zu diesem Umstand beigetragen hat sicherlich auch die Tatsache, dass das Haus Dior eines der ersten Unternehmen in der Modebranche war, das sich mit dem Verkauf von Lizenzen auf sein Produktportfolio ein zusätzliches Standbein aufgesetzt hat, dessen Vielfalt sich anfangs von Haute-Couture zu Dior-Strümpfen bis hin zu diversen Nagellacken erstreckte. Heute schöpft das Haus mit seiner Mehrheitsbeteiligung an der LVMH-Holding (Louis Vuitton Moët Hennesy) weitere beachtliche Gewinne. Als weltweit größte Luxus-Holding besitzt LVMH die Rechte zu über 60 exquisiten Luxusmarken wie z.B. Louis Vuitton, Givenchy, BVLGARI, Guerlain, TAGHeuer oder Hublot. LVMH steht die konkurrierende PPR-Holding (Pinault-Printemps-Redoute) gegenüber- vertreten mit Gucci, den Printemps-Kaufhäusern und natürlich -Yves Saint Laurent.

Yves Saint Laurent´s jugendlicher Aufstieg

Laurent´s Vater war wie Dior´s Vater ebenfalls ein Großindustrieller, sowie Inhaber einer Kinokette und einer Versicherungsgesellschaft. Schon als Jugendlicher hegte Yves Saint Laurent eine Leidenschaft zu Kostümen, wirkte in mehreren Theaterstücken mit, wurde aber auch von seinen Mitschülern gemobbt. Später sagte er einmal, dass die Mode eine Zuflucht für ihn war. Bereits im jugendlichen Alter von 17 Jahren belegte Yves Saint Laurent neben dem Hamburger Karl Lagerfeld mit der Einreichung eines Abendkleides den 3. Platz des Wettbewerbs des Internationalen Wollsekretariats. Dann ging alles ganz schnell. Er begann eine Ausbildung zum Mode-und Bühnenzeichner, die VOGUE veröffentlichte seine Zeichnungen und stellte ihn Christian Dior vor- Laurent wurde sofort eingestellt.


Durch die gemeinsame Vorgeschichte und geschäftliche Verflechtung zwischen Dior und Laurent sind die beiden Modehäuser oftmals nebeneinander vertreten, wie z.B. hier in der Maximiliansstraße in München (Abb.2).

 

Der jüngste Couturier der Welt

Nach Dior´s Tod avancierte der gebürtige Algerier zum Art Director von Dior und wurde über Nacht zum jüngsten Couturier der Welt. Später verfiel er zeitweise den Drogen und hatte mit Depressionen zu kämpfen. Sein Lebensgefährte, Pierre Bergé der auch die geschäftlichen Strippen im Couture-Haus Laurent übernahm, fungierte in seiner Doppelfunktion somit als helfende Stütze. Gezeichnet von traumatischen Erlebnissen des Algerienkrieges in welchem er Krankenwägen in die Kriegsgebiete fuhr, wurde Yves Saint Laurent im Jahre 1985 von dem damaligem Präsidenten Francois Mitterand in den Adelsstand der Ehrenlegion erhoben und einige Jahre später zum Offizier der Ehrenlegion ernannt. Der Generation von heute scheint heute jedoch lediglich das Prestige der Marke zu interessieren sowie das unverwechselbare, verschnörkelte „YSL“-Zeichen auf den schicken Taschen, die auf Instagram von den Modebloggern lässig vorgeführt werden.

Klage gegen Dior

Wer hätte gedacht, dass es einen Rechtsstreit zwischen zwei Modeimperien gegeben haben könnte von dem heute keiner mehr etwas zu wissen scheint? Der gebürtige Algerier führte mit der „Ligne Trapèze“ den „New Look“ von Christian Dior zuerst fort bis er 1959 die Tradition des Hauses brach und stattdessen den „Beat-Look“ präsentierte- eine avantgardistische Kollektion mit amerikanischen Einflüssen. Das Haus Dior reagierte jedoch empört auf die Aufsehen erregenden Kleider und wollte keinesfalls die von Christian Dior bewahrte traditionelle Linie aufgeben- Yves Saint Laurent wurde umgehend gekündigt. Mit Hilfe seines Lebensgefährten Pierre Bergé verklagte er daraufhin die Firma Dior. Nicht erfolglos. Er konnte 100.000$ Schadensersatz heraushandeln, welches als Startkapital sein eigenes Couture-Haus Yves Saint Laurent Verwendung fand (1961). Laurent erfand in den nächsten Jahren den unverwechselbaren Hosenanzug und revolutionierte mit diesem die Modewelt. Durch die Anzüge verlieh er den Frauen Stärke ohne sie männlich wirken zu lassen. Seine Mode galt als Zeichen der Emanzipation der Frau. Darüber hinaus buchte Yves Saint Laurent als erster Designer in der Modewelt dunkelhäutige Models. 1985 erhielt er mit dem Oscar de la mode die höchste Auszeichnung der Modewelt. Tragisch, dass das heute nur keinen mehr interessiert.

  „Coco Chanel hat den Frauen die Freiheit gegeben, Yves Saint Laurent die Macht.

                                     –Pierre Bergé (Lebensgefährte und Manager von Yves Saint Laurent)


Die Stilikone der Zwanziger-Jahre im Porträt- typisch im schwarzen Kostüm und der Perlenkette als ihrem Markenzeichen (Abb.3).

Die berühmteste Stil-Ikone der Welt

Coco Chanel ist und bleibt Legende. Und auch das unverkennbare Firmenlogo, hat einen Kultstatus angenommen. Nicole Kidman, Natalie Portman oder Brad Pitt- es ist eine Ehre das französische Modelabel repräsentieren zu dürfen. Woran das liegt? Das Maison Chanel hat es eben. Das gewisse Etwas. Und Chanel hatte es auch- ein turbulentes Leben, in dem ihr viele Liebhaber nachgesagt wurden und indem viele Partys gefeiert wurden, aber auch viel Mode kreiert wurde. Mode, die die Frau nach dem ersten Weltkrieg aus der engen Korsage befreite und ihr stattdessen zeitlos elegante Modelle schenkte. Schlicht und dennoch verführerisch, ohne einzuengen. Heute steht Chanel unter der Leitung von Karl Lagerfeld. Und vielleicht fragen uns in ein paar Jahren auch unsere Kinder. Wer denn dieser Lagerfeld war. Ob wir eine Antwort darauf parat haben werden?

 

Lena Schreiber

Categories: Kultur, Lifestyle, Mode

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