Du läufst die Straße entlang und siehst zwei Menschen. Sie streiten sich. Einer wird handgreiflich. Wie handelst du? Läufst du weiter? Bleibst du stehen? Schaust du nur zu? Rufst du die Polizei? Hilfst du? Wie du vorgehst, liegt an dir…

„Jemand anderes wird sich schon einsetzen…“

Bildquelle: https://pixabay.com/de/vectors/stop-schild-verkehr-anmelden-symbol-33947/

Das ist nur einer von mehreren Gedanken, der Menschen dazu bringt keine Zivilcourage zu leisten. Jedoch rechnen nur die wenigsten damit, dass andere Personen denselben Gedanken mit sich tragen und somit vielleicht niemand Zivilcourage anwenden wird. Aber was genau ist mit „Zivilcourage“ gemeint? Unter dem Begriff „Zivilcourage“ versteht man den Mut der Bürger, die sich für andere einsetzen und sich somit in den meisten Fällen einer Gefahr gegenüberstellen. Neben dem bekannten Beispiel, in dem eine Person einer anderen gegenüber handgreiflich wird und ein Dritter auftaucht, um dem Opfer Unterstützung und Verteidigung zu bieten, gibt es auch andere Fälle, in denen Zivilcourage angewendet werden sollte. Wird ein Schüler seitens des Lehrers ungerecht behandelt oder Mitarbeiter sprechen schlecht über einen Kollegen, so sind das weitere Beispiele, in denen die Möglichkeit besteht, Zivilcourage zu zeigen und somit den Mitmenschen Hilfe anzubieten. Genau genommen gibt es keine konkrete Situation, mit der man den Einsatz von Zivilcourage beschreiben kann, da es immer von unterschiedlichen Fällen abhängig ist. „Leiste Zivilcourage“, wird leichter gesagt als getan. Steht man vor einer schwierigen Situation, in der man helfen sollte, reagiert man oft verunsicherter als eigentlich geplant. Neben der Frage warum man Zivilcourage leisten sollte, ist vor allem der Aspekt, wie leistet man richtig Zivilcourage, von großer Bedeutung.

Zivilcourage leisten sollte jeder, der in der Lage dazu ist, ohne sich selbst in Gefahr zu bringen. Wer bei einer Notsituation die Gelegenheit zu helfen nicht nutzt, muss mit einer Geld- oder sogar Gefängnisstrafe rechnen. Neben diesen Folgen sollte jedoch allein das Argument, dass jeder in der Position des Opfers sein kann und grundlos angegriffen werden könnte, ausreichen, um zu helfen. Aber Achtung: Zivilcourage leisten ist kein „Kinderspiel“, denn das Leisten von Zivilcourage kann in bestimmten Situationen eine Lebensgefahr darstellen. Auf aggressive oder bewaffnete Personen los zu gehen kann nie gut laufen und sollte auf jeden Fall gemieden werden.

Beobachten

In diesen Fällen ist es wichtig die Situation aus der Ferne zu beobachten, um sie somit einschätzen zu können. Ebenfalls sollten mindestens folgende Aspekte berücksichtigt werden: Welche Person fällt auf? Wer ist zurückhaltend? Worum handelt es sich? Wird eine Person bedroht? Wird Gewalt angewendet? Und insbesondere, ist der oder sind die „Täter“ bewaffnet?

Polizei kontaktieren & Mitstreiter suchen

Hat man sich einen Überblick geschaffen und sich Merkmale des Angreifers eingeprägt, so sollte man die Polizei kontaktieren, der man anschließend die Situation schildert und mitteilt, wo man sich befindet. Bis die Polizei kommt ist es wichtig Abstand zu den Tätern zu halten und sich Hilfe bzw. Unterstützung zu suchen. Seien es Menschen, die das ganze mitverfolgen oder nur welche, die unbetroffen die Straße entlanglaufen. Spricht man jemanden direkt an, so fällt es Menschen schwerer „Nein.“, zu sagen oder sie trauen sich erst durch die Aufforderung, Unterstützung zu leisten.

Verteidigen des Opfers 

Zusammen mit mehreren Mitstreitern kann man sich mit einem gewissen Sicherheitsabstand dem Täter gegenüberstellen und somit das Opfer verteidigen. Wichtig ist, dass man den Gegenüberstehenden nicht „Duzt“, sondern „Siezt“ und somit den Angreifer respektvoll anspricht und nicht verärgert bzw. aggressiver macht. Ist man in der Mehrzahl, fühlen sich die Täter schwächer und sehen meistens ein, dass sie keine andere Wahl haben, als deren Vorhaben abzubrechen.

Versorgen des Opfers

Laufen die Täter weg, sollte man an erster Stelle das Opfer versorgen, indem man die Person beruhigt oder falls nötig Erste-Hilfe leistet, anstatt den Angreifern zu folgen. Stehen jedoch mehrere Mitstreiter zur Verfügung, die sich ebenfalls um das Opfer kümmern oder den Rettungsdienst (112) kontaktieren können, gibt es die Möglichkeit den Tätern, zusammen mit anderen, zu folgen. Wichtig hierbei ist, dass man sich unauffällig verhält und wie bereits erwähnt einen großen Sicherheitsabstand einhält. Auf die Täter sollte man auf gar keinen Fall zugehen, da man sich so wiederum selbst in Gefahr bringen würde. Erst wenn die Polizei vor Ort ist kann man davon ausgehen, dass keine große Gefahr mehr besteht.

Zeuge sein & Schildern des Falles

Sind die Angreifer jedoch geflohen, so sollte man auf jeden Fall auf die Polizei warten, um neben dem genauen Verlauf der Situation auch die Tätermerkmale der Polizei mitteilen zu können.

Bildquelle: https://pixabay.com/de/illustrations/ja-nein-zustimmung-positiv-3552272/

Zwar ist das Leisten von Zivilcourage für die Bevölkerung wichtig, aber trotzdem gibt es viele Menschen, die es vermeiden anderen auf der Straße zu helfen oder sich in laute Diskussionen einzumischen. Wie bereits erwähnt, kann Zivilcourage in bestimmten Situationen eine Lebensgefahr darstellen und aus diesem Grund wenden Menschen keine Zivilcourage an. Es ist die Angst, welche die Personen davon abhält, Zivilcourage zu leisten. Aber nicht nur die Furcht, verletzt zu werden, steckt dahinter: Beobachtet man zusammen mit mehreren Menschen ein Ereignis, umso niedriger ist die Hilfsbereitschaft, da man innerlich hofft, jemand anderes schreite ein. Das liegt an der Unsicherheit und der Angst etwas falsch zu machen.

Meiner Meinung nach erfordert das Leisten von Zivilcourage großen Mut. Es gibt viele Möglichkeiten Menschen, die sich in Gefahr befinden zu helfen, indem man sich selbst nicht gefährdet. Trotz dessen halten sich manche Menschen zurück, denken nicht einmal ans Helfen und sehen einfach nur zu. Aber das bloße Zusehen ist der größere Fehler. Denn in solchen Situationen kann immer etwas unternommen werden. Sei es nur den Notruf wählen, mit dem man sehr viel für eine beispielsweise bedrohte Person beeinflussen würde. „Es ist doch riskant, wenn ich mich für eine fremde Person in Gefahr bringe.“, sprach ein Verwandter meinerseits den Gedanken mehrerer Menschen aus. Aber stellt man sich vor, ein Familienangehöriger oder ein/e Freund/in wird in der Bahn belästigt: Würde sich nicht jeder einzelne von uns wünschen, jemand helfe den Menschen, die uns wichtig sind, wenn sie darauf angewiesen sind?

Also sollten wir das doch auch tun, oder?

Madlin Acar

Quellen:

https://rp-online.de/thema/zivilcourage/

https://www.koerperverletzung.com/zivilcourage/

https://www.koerperverletzung.com/zivilcourage/#Beispiele_fuer_Zivilcourage_im_Alltag

https://www.polizeifürdich.de/was-passiert-wenn/zivilcourage.html

https://zeig-courage.de/courage-informationen/die-sechs-regeln-fuer-zivilcourage/

https://www.deutschlandfunkkultur.de/wegschauen-oder-helfen-zivilcourage.970.de.html?dram:article_id=150171

https://www.welt.de/regionales/duesseldorf/article120185845/Wie-man-anderen-hilft-kann-man-lernen.html

https://www.vice.com/de/article/qba4yb/warum-ist-zivilcourage-so-schwer

https://www.bpb.de/apuz/25726/zivilcourage-im-alltag-ergebnisse-einer-empirischen-studie?p=all

Categories: Uncategorized

Leave a Reply