85.000 Polizisten, Boden-Luft-Raketen und vier Meter hohe Elektrozäune mit 5000 Volt. Militärpräsenz gehört mittlerweile zu Olympia, wie die Gummibadekappen zu den Schwimmern.  Doch wie sicher sind die olympischen Spiele tatsächlich und welche Maßnahmen werden noch getroffen?

Sicherheit. Olympia. Zwei Wörter, die heutzutage in einem großen Zusammenhang stehen. Die Olympischen Spiele sind die größte Sportveranstaltung der Welt und die Sicherheit steht hierbei an erster Stelle. Städte verfallen in einen Ausnahmezustand und das Sicherheitspersonal ist rund um die Uhr im Einsatz. Welche Maßnahmen getroffen werden, das wird meist schon Jahre zuvor begonnen zu planen, damit weder Zuschauer noch Teilnehmer einem Risiko ausgesetzt sind. Doch in der Vergangenheit hatte das nicht immer funktioniert, deshalb müssen heutzutage stärkere Maßnahmen festgelegt werden. Ob dies übertrieben ist oder nicht, kann niemand sagen, denn der Feind könnte jeder Zeit zuschlagen. Doch darauf wollen die Behörden vorbereitet sein, oder besser gesagt, sie versuchen es zumindest.

München im Jahr 1972 war wohl einer der Vorreiter und hatte die Sicherheit gerade bei Olympia, so wie wir sie heute kenne, mehr als geprägt. Damals bei den Spielen in der bayerischen Landeshauptstadt hatten palästinische Terroristen Mitglieder der israelischen Olympiamannschaft als Geiseln genommen. Insgesamt kamen 17 Menschen ums Leben. Dabei sollte sich alles um den sportlichen Wettkampf drehen und der Gegner im Kampf um die Medaille, dass einzige „große“ Problem sein.

Da war es eigentlich ein großes Wunder, dass 2016 Rio de Janiero Austräger der olympischen Spiele  wurde, denn die Kriminalitätsrate schoss damals wie heute gerade so durch die Decke: Insgesamt werden jährlich 60.000 Menschen in Brasilien ermordet. Auch wenn es hier nur darum geht, wer das meiste Geld bietet – und das wissen wir alle – hatte sich die südamerikanische Stadt qualifiziert, aber auch dementsprechend aufgerüstet. Während 2012 in London 42.000 Sicherheitskräfte engagiert waren, verdoppelte Rio gleich mal auf über 84.000. Doch das Risiko auf gar einen Anschlag, sollte sich auch auf die Sicherheitsvorkehrungen auswirken. Genau aus diesem Grund hatte der brasilianische Geheimdienst Taxifahrer, so wie das Personal an Hotel und Flughäfen geschult, damit diese im Stande waren, kriminelles Verhalten zu erkennen und auch zu melden.

Im Gegensatz zu Rio gab es bei den Spielen in London vier Jahre zuvor einige Startschwierigkeiten, denn die damalige Sicherheitsfirma G4S hatte knapp zwei Wochen vor dem Start der Spiele verkündet, dass sie nicht alle der 10.000 vereinbarten Sicherheitskräfte zur Verfügung stellen kann. Dies war zwar nur ein Teil des über 40.000 köpfigen Sicherheitspersonals, das für die Spiele bereitgestellt wurde, jedoch wurde daraus ein großer Skandal. London war im Ausnahmezustand, wie jeder andere Ausrichtungsort zuvor auch. Doch die britische Hauptstadt hatte noch eine weitere Bürde zu tragen, weshalb sie in die Schusslinie der Medien aus aller Welt geriet: denn einen Tag nachdem London am 06. Juli 2005 zur Olympiastadt für 2012 erklärt wurde sie Ziel eines terroristischen Angriffs. London musste also zur Sicherheit aller aufrüsten und nicht zuletzt stellte man sich zu dieser Zeit in Reportagen, Blogs oder Fernsehbeiträgen nur eine Frage: Ist es die größte Sicherheitsoperation seit dem zweiten Weltkrieg? Die Sicherheit von Olympia wurde quasi mit Operation Dynamo verglichen. Nur gut, dass man im Krieg seine Feinde beim Namen nennen kann. Doch hier stand das Sicherheitspersonal vor dem Unbekannten, denn ob etwas passieren würde oder nicht, ist bei der Planung immer die größte aller Fragen.

Ein ganzes Land in Aufruhr, obwohl Olympia doch eigentlich für etwas Gutes stehen sollte. Doch hier stand Olympia eher für die Sperrung des Flugraums über London und alles, was sich ohne Genehmigung dort befand, würde sofort abgeschossen werden. Soldaten, die gerade auf Heimaturlaub waren, wurden eingezogen und auf direktem Weg zu den Veranstaltungsorten geschickt. Urlaub sollte im Normalfall anders aussehen. Die HMS Ocean, der größter Kreuzer der Royal Navy, ankerte in der Themse und diente dort als Kommandozentrale und ebenfalls als Landeplatz für die Militärhubschrauber. Auf den Dächern rund um das Olympiagelände wurden noch zusätzlich Luftabwehrraketen stationiert.

Wenn wir jetzt auf Olympia 2020 in Tokio schauen, dann ist in diesem Satz schon gleich  zu Beginn ein Fehler, denn es heißt nun 2021 und nicht mehr 2020. Weder ein terroristischer Anschlag, noch eine Drohung hatte es in der Vergangenheit geschafft, dass Olympia verschoben wird. Doch weder Soldaten, noch der Secret Service persönlich, niemand, konnte verhindern das Tokio und die ganze Welt in diesem Jahr vom Corona Virus in die Knie gezwungen wurde und bestimmt auch noch in Zukunft wird. Nicht mal die größten Sicherheitsmaßnahmen können dies verhindern, wenn in diesem Sinne jeder Mensch, der neben einem sitzt, geht oder steht, eine Bedrohung darstellt. Man glaubt es kaum, aber die Welt steht wohl gerade vor einem Problem, das man nicht einfach niederschießen oder ins Gefängnis stecken kann.

Nach allem, was nun aufgezählt wurde, kann man sich bei einer Sache sicher sein: der sportliche Wettkampf steht definitiv nicht durchgehend an erster Stelle. Die Angst vor Terror ist groß, nicht nur bei den Veranstaltern, sondern genauso bei den Teilnehmern, wie auch bei den Zuschauern. Jede Menge Sicherheitsvorkehrungen, Waffen und Geheimdienste versuchen den Schutz, vor dem Feind ohne Namen, zu erhöhen. Doch wie man in diesem Jahr sieht, helfen all diese Dinge nichts: ein Virus hält die ganze Welt auf Trapp. Doch auch er ist ein Feind ohne Namen, oder haben wir ihn kommen sehen? Nein. Genauso ist es immer. Letzten Endes wissen alle die, die große Sicherheitskonzepte auf die Beine stellen, trotzdem nicht was kommt. Es ist das Gleiche wie beim Sport: man gibt alles – vielleicht gewinnt man, vielleicht aber auch nicht.

von Antonia Pigl

 

Quellennachweis:

https://www.cicero.de/kultur/ist-london-bereit/51249 (Stand 27.04.2020)

https://www.handelsblatt.com/sport/olympia2016/olympia-2016-hauptsorge-ist-die-sicherheit/13926838-3.html (Stand 27.04.2020)

https://www.sicherheitspolitik-blog.de/2012/07/19/un-sicherheit-und-spiele-olympia-2012-in-london/ (Stand 27.04.2020)

https://www.welt.de/vermisch

tes/article108297929/Stuemper-sollen-London-2012-vor-Terror-schuetzen.html (Stand 27.04.2020)

Bild 1: https://pixabay.com/de/vectors/zeichen-sicherheit-hinweis-schild-696951/

Bild 2: https://pixabay.com/de/illustrations/olympische-spiele-rio-olympics-rio-1608127/

 

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