Was machen wir, wenn wir plötzlich keine Kontrolle mehr über unsere Gedanken haben? Wenn auf einmal unser ganzes Leben durch eine Krankheit auf dem Kopf gestellt wird? Diagnose: Schizophrenie.

Es war ein kalter Tag im Februar 1994, als Klaus Gauger die Kontrolle über sich verlor. Der damals 28-jährige zerlegte die Lampen in seinem Zimmer und zertrümmerte die Holzverschalung der Wand mit der Faust, da er hinter den Wänden Abhörgeräte vermutete. Kurz darauf brüllte er seine verzweifelten Eltern zusammen und packte seine Mutter am Hals, weil sie ihm sagten, im Haus seien keine Mikrofone installiert. Seine Eltern sahen keine andere Möglichkeit, als den Notarzt zu rufen, die Polizei kam auch gleich mit. Als die Polizei kam, ließ sich Gauger sich widerstandslos zum Einsatzwagen führen. Er wurde in ein psychiatrisches Krankenhaus gebracht. Die Diagnose: Schizophrenie. (Quelle: Klaus Gauger – Meine Schizophrenie)

Schizophrene fühlen sich oft sehr einsam, da es Ihnen schwerfällt bestehende soziale Kontakte zu pflegen und neue zu knüpfen.

Eine Schizophrenie ist eine psychische Erkrankung die zur Gruppe der Psychosen gehört. Doch was sind Psychosen? Und wodurch entstehen sie?

Der Begriff „Psychose“ bedeutet übersetzt auch „Seelenkrankheit“ oder „seelische Krankheit“. Während einer Psychoseschüttet das Gehirn zu viel von dem Botenstoff Dopamin aus. Dadurch wird das Gehirn mit Informationen und Reizen überflutet. Es kann nicht mehr zwischen wichtig und unwichtig, zwischen echt und unecht unterscheiden, was zu Halluzinationen, Wahnvorstellungen, schwerwiegenden Denkstörungen oder sogenannten „Ich-Störungen“ führt. Unter einer Ich-Störung leidende Personen sind unfähig, sich als eigenständige Person wahrzunehmen und von der Umwelt abzugrenzen. Die Einteilung der Psychosen erfolgt anhand der Entstehungsursache oder anhand der Symptome und deren Dauer.

Bei sekundären Psychosen ist eine Ursache feststellbar. Diese Psychosen meist sind Folge von organischen Erkrankungen, Nebenwirkungen von Medikamenten oder durch den Konsum von Alkohol und Drogen.

Als primäre Psychosen werden die Krankheitsformen bezeichnet, bei denen keine Ursache feststellbar ist. Die häufigste Form der primären Psychosen ist die Schizophrenie.

Bei der Krankheit Schizophrenie liegt eine Bewusstseinsspaltung vor. Betroffene Menschen leben in der Realität, aber auch in einer von ihnen eingebildeten Welt. Schizophrenie wird oft mit Persönlichkeitsspaltung in Verbindung gebracht, was aber nicht stimmt. Schizophrene haben keine Persönlichkeitsspaltung, sondern leiden unter Realitätsverlust und Halluzinationen. Noch dazu fehlen vielen Patienten mit Schizophrenie bestimmte Fertigkeiten, z.B. haben sie Schwierigkeiten Probleme richtig zu lösen, Gespräche zu führen oder Gefühle zu kontrollieren.

Das stellt die Angehörigen vor große Herausforderungen: Wie geht man mit diesem seelisch kranken Menschen um? Was hilft ihm und was schadet ihm? Und nicht zuletzt: Wie schafft man es, als Angehöriger unter dieser Belastung seelisch stabil zu bleiben? Die Lösung: Information. Je besser die Familie über die Krankheit und über die Schwierigkeiten, die sie im Alltag mit sich bringt, Bescheid weiß, desto besser kann sie helfen drohende Rückfälle rechtzeitig zu erkennen und zu verhindern.

Es ist sehr wichtig, dass die Familie Zusammenhält, um dem Patienten in dieser schweren Zeit bestmöglich beizustehen.

Schizophrenie wird schon seit den 1950er-Jahren mit Neuroleptika behandelt. Dies sind chemische Medikamente, welche den Stoffwechsel des Botenstoffes Dopamin in bestimmten Gehirnregionen beeinflussen. Neuroleptika können Schizophrenie weder heilen, noch haben die Betroffenen ihre Krankheit damit vollständig im Griff. Sie mindern nur die Wahnschübe und Halluzinationen.

Da Medikamente alleine nicht ausreichen, müssen Patienten in einer Psychotherapie lernen, eigenverantwortlich mit ihrer Krankheit umzugehen. In dieser Therapie lernt man Schritt für Schritt mit seiner Angst umzugehen, belastende und stressige Situationen zu bewältigen und seine Erlebnisse besser zu verarbeiten. Wichtig ist dabei, dass Therapeuten, Patienten und Angehörige eine gut funktionierende, vertrauensvolle Beziehung aufbauen. Das soziale Umfeld hat einen großen Einfluss auf den Verlauf der Therapie, da die Unterstützung durch Freunde oder Familie entlastend wirkt.

Circa 20 bis 25 Prozent der Patienten haben einmal in im Leben eine Schizophrene Episode. Aufgrund der Behandlung können sie wieder gesund werden. Bei den meisten jedoch kommt es zu Rückfällen, wenn auch erst Jahre später. Trotz der wiederkehrenden Symptomatik reicht meist eine ambulante Betreuung aus, um ein weitgehend normales Leben führen zu können.

In einer Sache sind sich die meisten Menschen ziemlich ähnlich, alles was man sich nicht sofort erklären kann, davor hat man erst einmal Angst. Schizophrene sind definitiv Menschen, die von denjenigen, die über dieses Krankheitsbild nicht informiert sind, als „unberechenbar“ und „beängstigend“ abgestempelt werden. Wäre ich dabei gewesen, als Klaus Gauger die Holzverschalung seiner Wand zertrümmerte, hätte mir das wohl auch ziemliche Angst eingejagt. Doch seit ich an diesem Beitrag arbeite, hat sich etwas geändert. Durch das stundenlange Klicken von Artikel zu Artikel, das Verarbeiten von tausenden und abertausenden Informationen habe ich langsam angefangen, diese Krankheit ein wenig zu verstehen und mich besser in die Betroffenen hineinversetzen zu können. Je mehr ich las, umso besser verstand ich diese „Schizophrenie“ und desto weniger fürchtete ich mich davor. Der beste Ratschlag, den ich jemandem geben kann, der ungewöhnliche psychische Symptome an sich feststellt, ist, mit jemandem darüber zu sprechen und es nicht mit sich herumzutragen. Hätte Klaus Gauger rechtzeitig mit seiner Familie geredet, wäre es vermutlich gar nicht erst zu einer Zwangseinweisung gekommen. Geistige Erkrankungen dürfen heutzutage kein Tabuthema mehr sein, im Grunde genommen unterscheiden sie sich nicht viel von körperlichen Krankheiten. Sie betreffen nur ein anderes Organ: das Gehirn.

Lara Winterholler

Categories: Schizophrenie

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