Stell dir vor, du kannst deine Lieblingsmusik nicht mehr hören oder der Kontakt zu deinen Mitmenschen wird schwieriger, weil sich dein Gehör verschlechtert. Für den ersten Moment wohl unvorstellbar, richtig?
Aber tauch doch in die Welt der Gehörlosen ein und erlebe die Vielfalt. 

Oft ist den meisten eigentlich gar nicht bewusst, dass es auf der Welt Menschen gibt, die gehörlos sind. Menschen, die von Geburt an nichts hören und es nicht anders kennen. Oder Menschen die plötzlich einen Hörverlust erleiden. Oft kommt dann die Frage auf, wie das Leben eines Gehörlosen wohl sein mag. Ich kann euch sagen, dass ich es schätze, ein Teil von ihnen zu sein. Es ist eine kleine bunte Welt, wir sind eine Gemeinschaft, wir nutzen die Gebärdensprache als Kommunikationsmittel und sind stolz auf unsere fliegenden Hände und die eigene Kultur, die sich dort bietet.

(Bildquelle: Eigene Produktion)

Hättest Du gedacht, dass es nach Angaben des Deutschen Schwerhörigenbundes circa 16 Millionen Schwerhörige und darunter 80.000 Gehörlose in Deutschland gibt? Eine enorme Summe! Doch was sind die Ursachen die zu einer Hörschädigung führen?

Die Ursachen sind vielfältig und es gibt hierzu ein breites Spektrum. Eine Hörschädigung kann vererbt werden, sie kann auftreten durch Erkrankungen des Gehirns, Mumps (eine seltene Form der Gürtelrose), Mittelohrentzündung, einen Unfall oder es kommt plötzlich ohne jeglichen Grund. Die moderne Technik (wie Hörgeräte und Cochlea Implantate) kann unseren Alltag besonders im Umgang mit Hörenden erleichtern, aber die technischen Möglichkeiten bedeuten für uns nicht alles. Mit einem gut ausgestatteten Hörgerät oder Implantat kann man zwar hören, jedoch ist dies trotzdem nicht mit einem gesunden Gehör vergleichbar.

Vielmals haben die hörenden Menschen ein Problem und sind komplett überfordert, wenn sie erfahren, dass ihr Baby gehörlos ist, da sie vorher noch nie mit Gehörlosigkeit konfrontiert worden sind. Man muss hierzu aber sagen, dass es viele Menschen gibt, die es als schlimm empfinden und für sie es unmöglich ist, sich vorzustellen nichts verstehen zu können und nichts anderes als Mitleid empfinden. Für mich persönlich ist es undenkbar sich vorzustellen, alles verstehen zu können, denn dann hätte ich meine Ruhe nicht mehr, würde in der Nacht von jedem Lärm geweckt werden und wäre genervt von Menschen in der S-Bahn die nicht mehr aufhören können laut zu telefonieren. Ich bin froh für die Ruhe und für das Abschalten des Lärms.

(Bildquelle: Pixabay)

Trotz der hohen Gehörlosenanzahl, die es in Deutschland gibt, ist deren Welt klein. Klein, aber fein! Das macht es wieder schöner, denn in unserer kleinen Welt gibt es viele kulturelle Angebote, Jobs, Berühmtheiten, Schulen und Universitäten und Vereine. Die Liste ist lang und könnte noch ewig weitergehen. Dadurch das sich Hörgeschädigte, Gehörlose oder auch beeinträchtige Menschen treffen und sich miteinander austauschen können, bekommt man immer das Gefühl vermittelt, dass man nicht alleine ist und jeder seine Ecken und Kanten hat. In solchen Momenten spürt man ein starkes Gemeinschaftsgefühl.  Die Gebärdensprache zu beherrschen gehört zur Vielfältigkeit. Doch Gebärdensprache ist nicht universell. Gehörlose und schwerhörige Amerikaner nutzen eine andere Gestik und Mimik als die Engländer, Japaner oder Schweden. Selbst gehörlose Deutsche und Österreicher lernen nicht dieselbe Gebärdensprache. Und auch das ist, was die Gehörlosenwelt ausmacht. Es gibt immer wieder Veranstaltungen in der Gehörlose aus aller Welt zusammenkommen und wie kommunizieren wir da miteinander? Mit der internationalen Gebärdensprache!

Leider wird oft einem das Gefühl vermittelt, dumm zu sein, nur weil man nichts versteht. Dabei gibt es viele kreative Köpfe und ich möchte verdeutlichen: Auch wenn man nichts hört oder beschränkt hört, heißt es noch lange nicht, dass man keine besondere Fähigkeiten hat. Wir hören nichts, aber verstehen die Welt mit den Augen. Trotz vieler negativen Dinge, wie beispielsweise die Barrieren im Alltag oder die nicht so einfachen Kommunikationswege mit den Hörenden, gibt es auch positive Aspekte. Die Gebärdensprache beherrschen zu können ist nicht ohne, das schnelle Erkennen von verschiedenen Gesten und das Mundbild ist unser wichtigstes Stützmittel. Es gibt viele tolle Facetten, die sich dort bieten – wie etwa das Fühlen der Bässe – wenn du die Musik hörst, hörst du wahrscheinlich nur die Stimme und nimmst vielleicht das Instrumentale oder den Bass nicht vollkommen wahr? Probiere doch mal eine etwas lautere Musik auszuwählen, die Ohren zu zuhalten, die Augen zu schließen und dann einfach nur mal den Bass zu spüren und dabei dem Rhythmus der Musik zu folgen. Ich glaube, da realisiert man erst, was es bedeutet, nicht immer etwas hören zu müssen, sondern auch mal etwas zu fühlen. Es geht letztendlich nicht immer darum, alles zu hören und zu verstehen, denn wozu haben wir unsere anderen vier Sinne auf die wir uns auch verlassen können. Es gibt auch einige berühmte Persönlichkeiten, die sich mit dem Thema Gehörlosigkeit auseinander setzen. Ein Beispiellied kann ich euch empfehlen, von Herbert Grönemeyer „Musik nur, wenn sie laut ist“. Viel Spaß beim Hören!

Ich könnte euch noch so viele Dimensionen aufzählen, aber dann werde ich gar nicht mehr mit dem Schreiben fertig. Letztendlich möchte ich euch nur erklären, wenn du mal einer gehörlosen oder einer hörgeschädigten Person begegnen solltest, dann sei nicht scheu. Wir machen leider oft die Erfahrung oder bekommen zumindest das Gefühl vermittelt, dass es anstrengend ist mit uns zu kommunizieren. Dabei muss es nicht anstrengend sein, wenn man sich den einfachen Methoden widmet, wie zum Beispiel das Handy rauszuholen und anfangen zu schreiben. Oder etwas langsamer als gewöhnlich zu sprechen und dabei den Blickkontakt nicht wenden. Natürlich erfordert es ein wenig Zeit, aber was sind die paar Minuten? Trau dich, dich zu uns zu gesellen, denn es freut uns, wenn man an uns interessiert ist. Wir sind normale Menschen wie alle anderen auch, bloß haben wir keinen Hörsinn und damit einen Sinn weniger. Man muss nicht gleich sein, damit man miteinander kommunizieren kann – diese Erfahrung erlebe ich auch oft auf Reisen, man braucht nicht die gleiche Sprache zu beherrschen, denn oft lässt es sich mit Gesten einfacher kommunizieren. Da sehe ich oft das Problem der Deutschen, jeder wirkt ein wenig steif und verschlossen, wenn die Kommunikation Komplikationen aufwirft, weil eben ungewöhnlich ist. In anderen Ländern wird einfach gemacht und probiert. Ich denke, daran können wir uns alle ein Beispiel nehmen. Einfach machen und probieren! Außerdem glaube ich auch, so ganz normal ist keiner von uns und das macht uns doch alle einzigartig.

 

Geschrieben von Simone Bosch

 

Quellenverzeichnis:
www.taubenschlag.de
www.gehoerlosen-bund.de/faq/gehörlosigkeit

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