„Mann und Frau sind gleich viel wert!“, schreit er und schubst sie in die Küche. „Geh und mach den Abwasch oder koch was. Was auch immer du die ganze Zeit hier machst.“ Mann und Frau sind gleich viel wert? Eher nicht. 3 Gründe wieso wir auch noch heute den Feminismus brauchen.

Ben und Leoni unterhalten sich nach ihrer Mathestunde über die neue Lehrerin. Die Beiden sind nicht unbedingt schlecht in Mathe, aber auch nicht herausstechend gut. Schüler mit Noten in der goldenen Mitte. Ben merkt an, dass er diese Stunde noch weniger verstanden hat, als sonst. Seiner Meinung nach liegt es an der Lehrerin – eine Frau und dazu noch blond? Für Ben ein klares Zeichen dafür, dass die Mathestunde ein Reinfall wird. Leoni ärgert sich über diesen dummen Kommentar und fragt ihn, was es denn mit diesen Vorurteilen auf sich habe. Ben lacht nur und nimmt ihre Frage nicht ernst, aber Leoni lässt das Thema nicht mehr fallen. „Wieso regst du dich so auf? War doch nur Spaß“, versucht Ben sich zu verteidigen. „Spaß? Wegen solchen Leuten wie dir haben Frauen immer noch mit Vorurteilen und so vielen Ungerechtigkeiten zu kämpfen. Besser du wärst Feminist, dann müsste ich mich nicht so mit dir unterhalten.“ So entsteht ein Gespräch zwischen den Beiden und Ben erwähnt drei Fragen, bei denen Leoni sich nicht davon abbringen lässt, sie bis ins kleinste Detail aufzuklären.

1. Wer braucht Feminismus denn eigentlich noch? Ist doch total veraltet.

Das einzig veraltete hier ist diese Denkweise. Zum einen brauchen Frauen Feminismus. Sie werden auf der Straße einfach angepfiffen, sobald sie in einer Bar arbeiten, einfach angegrabscht und sogar beim Job können sie sich abrackern wie sie wollen – Frauen kriegen nicht das selbe Gehalt. Auch 2020 betrug die sogenannte „Gender Pay Gap“ (Differenz des durchschnittlichen Bruttostundenverdienstes der Frauen im Verhältnis zum Verdienst der Männer) 20%. Eine wirklich traurige und immer noch zu hohe Zahl. Das heißt, wenn Mann und Frau (andere Geschlechter sind in der Statistik noch nicht erfasst) die selbe Ausbildung gelernt haben, beim selben Arbeitgeber arbeiten und die selbe Arbeit verrichten (selbe Stundenanzahl, wie auch gleich qualitativ hochwertige Arbeit) würde die Frau im Schnitt 20% weniger Bruttogehalt verdienen, als der Mann. Hört sich für mich nach Ausbeutung an. Aber nicht nur Frauen brauchen Feminismus. Sind Männer es denn nicht leid, nicht weinen zu dürfen ohne direkt als schwul bezeichnet zu werden? Würden sie nicht lieber eine weniger strenge und gewaltvolle Erziehung durchleben, sondern vielmehr eine aufgeschlossene, verständnisvolle und mit Emotionen gefüllte Beziehung zu ihren Eltern haben? Denn, dass wir alle Emotionen haben, das ist klar. Leider zeigen Männer sie viel seltener als Frauen, das wird oft als Schwäche angesehen. Einer aus dem Jungsteam fällt mal beim Fußball hin? „Steh auf, mach weiter“, wird gerufen. Bei den Mädchen ist es eher ein „Setz dich kurz hin, ruh dich aus.“ Kurz zusammengefasst: Jeder braucht Feminismus. Denn hier wird für Gleichberechtigung gekämpft. Für den freien Willen und eine friedlichere Welt. Wer würde gerne mit ständigem Kampf leben?

2. Feminismus bedeutet doch einfach nur „Frauen an die Macht, oder?“

Leider denken das viele Menschen. Für sie kommt es so rüber, als ob Feministen*innen nur für die Alleinherrschaft der Frauen kämpfen würden. Die Männer sollten unterdrückt werden und die weiblichen Individuen endlich regieren dürfen. Tatsächlich war eine Zeit lang im Internet folgender Hashtag aktiv: „KAM2020“, was bedeutet „Kill All Men“. Diesen Hashtag gibt es unter sehr vielen Videos und Bildern. Viele Personen – vor allem Frauen – verbreiten damit im Zusammenhang mit dem Feminismus ganz schön negative vibes. Doch um eins klarzustellen: Diese Hetze gegen Männer hat nichts mit dem Feminismus zu tun! Das sind Leute, die von einer schlechten Person auf alle schließen. Die Emanzipationsbewegung kämpft nämlich für die Gleichberechtigung aller Geschlechter und auch für Leute, die sich nicht mit einem Geschlecht identifizieren können. Es gibt sehr viele Accounts auf Social-Media-Plattformen, unter anderem „feminist“ auf Instagram, die sich nicht für die Herrschaft der Frauen einsetzt! Hier finden sich so viele Posts, unter anderem für Männer in Röcken, Kleidern, geschminkt und mit langen Haaren, ohne dass dies von der Gesellschaft zunichte gemacht wird. Doch das einzige was von „richtigen“ Feministen*innen nicht gewollt ist, ist die Kontrolle über alles von nur einem Geschlecht.

3. Frauenfeindliche Witze sind doch nichts schlimmes, das ist alles nur Spaß. Warum der ganze Stress darum?

Womöglich kann die Mehrheit der Frauen auf Knopfdruck mindestens fünf frauenfeindliche Witze aufzählen, mit denen sie aufgezogen werden. Nach dem Motto: Schwarzer Humor und so. Aber ist euch schon mal passiert, dass ihr einen Witz – egal ob lustig oder nicht – mehrere Male gehört habt? Irgendwann ist er einfach ausgelutscht und somit nicht mehr witzig. Ein paar Beispiele:

1. Was macht eine Frau, die vor einem leeren Blatt Papier sitzt und liest? – Sie studiert ihre Rechte. Weil Frauen ja früher keine Rechte hatten und immer noch dafür kämpfen müssen, versteht ihr?

2. Warum gibt es mehr Frauen als Männer auf der Welt? Weil es mehr zu putzen, als zu denken gibt. Ich denke diesen muss ich nicht erklären.

Und noch ein letzter:

3. Was ist der Unterschied zwischen einem Rock und einem Minirock? – Die Zugriffszeit!

Wer sich bei dem ersten Witz nicht schon gedacht hat „Haha, wie lustig, dass ungefähr die Hälfte der Weltbevölkerung für ihre Rechte kämpfen muss“, sollte spätestens beim letzten Witz kurz das Gesicht verziehen. Leider sind viele der Auffassung es wäre okay, ständig solche geschmacklosen Scherze zu bringen. Einmal, das verkraftet jeder. Aber jedes Mal so einen Spaß zu hören, sobald man in einer Männerrunde unterwegs ist? Ich weiß nicht, wie es euch geht, aber mich nervt das gewaltig. Beim Feminismus geht es um Gleichberechtigung, ja. Nicht um die Verbannung der Witze, trotzdem sollte alles im angemessenen Rahmen bleiben – oder man macht über alles seine Späße, nicht nur über Frauen. Überhaupt sollten die Scherze über das Kochen oder Putzen als Frauenaufgabe nicht mehr als lustig angesehen werden. Es gibt tatsächlich Menschen, die seien der Auffassung, Frauen würden in die Küche gehören. Die Witze lassen es nur wie eine harmlose Situation erscheinen und nicht so, wie sie wirklich eingeschätzt werden sollte. Es heißt doch nicht umsonst „In jedem Spaß steckt ein wenig Ernst“. Jedoch sollte diese ernste Situation eher gelöst werden, statt dass man sich darüber lustig macht.

„Frauen haben leider noch nicht die gleichen Rechte und Pflichten und das, obwohl wir schon im Jahr 2021 leben!“ Leoni ist endlich fertig mit ihrer Aufklärung und sieht Ben streng an. „Wenn ich gewusst hätte, dass du so auf meine Fragen reagierst, hätte ich sie bestimmt nicht mehr gestellt. Jetzt fühle ich mich sogar ein wenig schlecht.“ „Sieh es ein, Ben. Du bist einfach scheiße in Mathe, es liegt nicht an der neuen Lehrerin, obwohl sie blond und eine Frau ist.“

Wir alle sollten für Gleichberechtigung kämpfen!

 

Categories: Allgemein

Leave a Reply