Was diese drei gemeinsam haben? Sie alle gehören in eine Welt, die ich lieben gelernt habe, die mich zum Lachen und zum Weinen gebracht hat und die ich euch durch meinen Artikel etwas näherbringen will. Denn vielen Leuten ist diese Welt vollkommen fremd, wird vielleicht sogar zu Unrecht verurteilt. Und vielleicht bist du ja einer davon? An was denkst du bei dem Thema: Videospiele?


„Videospiele verblöden unsere Jugend!“
„Videospiele machen aggressiv!“
„Die jungen Leute sitzen nur noch vor dem Bildschirm!

Die bösen, bösen Videospiele

Wenn es um das Thema Gaming geht, reagieren viele Leute erst mal negativ, man wird häufig mit Vorurteilen konfrontiert. Selbst in den Nachrichten wird oft über das Medium hergezogen. Doch warum ist das so? Viele Menschen haben zwar eine Meinung zu dem kontroversen Thema, doch einen tatsächlichen Einblick in die vielseitige Welt der Videospiele, den haben die meisten davon leider nicht. Zugegeben, es ist auch gar nicht so einfach neu in das Gebiet einzusteigen. Man braucht ja zunächst einmal eine Konsole und die sind nicht besonders billig, ebenso wie die dazugehörigen Spiele. Und dann hat man auch noch die Qual der Wahl. Playstation? Wii? Xbox? Und wo ist überhaupt der Unterschied? Logisch, dass viele hierbei schon das Interesse verlieren und sich deshalb nicht weiter mit dem Thema auseinandersetzen. Ich möchte daher anhand mehrerer Beispiele einen kurzen Einblick in die Welt der Videospiele gewähren und zeigen, was das Medium mittlerweile alles kann und warum es sich selbst vor der großen Hollywood Leinwand nicht verstecken braucht.

Von Marios Mission und Schauspielern in Spielen

Tatsächlich haben Videospiele einen weiten Weg hinter sich. Anfangs gab es nur verpixelte Grafiken und minimalistische Steuerung. Auch die Spiele selbst waren nichts Besonderes. Doch schon früh boten manche davon etwas, das später die gesamte Branche beeinflussen sollte: Eine Geschichte. Super Mario, der kleine italienische Klempner, trat zum ersten Mal als Protagonist 1983 in dem Spiel Mario Bros auf und ist bis heute die bekannteste Videospiel Figur der Firma Nintendo. Seine Mission hat sich seitdem nicht verändert: Er muss die Prinzessin Peach aus den Händen des bösen Ungeheuers Bowser befreien. Mit Vorreitern wie Super Mario, wurde das Storytelling Teil der Videospiel Kultur. Dieser Pfad wurde mit der voranschreitenden Technologie weiter ausgebaut. Plötzlich boten sich ganz neue Möglichkeiten der Spielmechanik, auch die Grafik und Animationen wurden auf ein ganz neues Level gebracht. Viele Spiele benutzen heutzutage Motion Capturing, um die Charaktere zu visualisieren. Darunter versteht man ein bestimmtes Tracking Verfahren, bei dem die Bewegungen und die Mimik von echten Menschen erfasst und aufgezeichnet wird, um diese später am Computer auf animierte Figuren übertragen zu können. Diese wirken dadurch sehr viel lebensechter. Teilweise wird durch Motion Capturing das komplette Erscheinungsbild der Person auf die Spielfigur übertragen. In dem 2013 erschienenen Videospiel Beyond: Two Souls werden z. B. die Hauptcharaktere von den bekannten Schauspielern Ellen Page und Willem Dafoe verkörpert. Auch die Art des Spieles erinnert nicht nur zufällig an einen Spielfilm. Beyond: Two Souls zählt zu dem Videospiel Genre „Interaktiver Film“. Spiele dieser Art legen ihren Fokus stark auf Storytelling, viele Zwischensequenzen und das Szenenbild, welches oft Kamerafahrten in einem Film gleicht und vom Spieler nicht oder nur leicht beeinflussbar ist.

Motion Capturing bei Ellen Page für das Spiel Beyond Two Souls
Screenshot aus dem Making of zum Spiel

Warum Videospiele die besseren Filme sind

Ein absoluter Vorreiter und das Paradebeispiel für dieses Genre stellt einer der Vorgänger von Beyond: Two Souls dar: Das im Jahr 2010 erschienene Spiel Heavy Rain. Die Handlung dreht sich um die Verbrechen eines Serienmörders, dem sogenannten Origami Killer. Der Spieler selbst schlüpft dabei in die Rolle vier verschiedener Charaktere: ein Vater, dessen Sohn vom Origami Killer entführt wurde; eine Fotojournalistin, die auf eigene Faust ermittelt; ein FBI-Profiler, der die örtliche Polizei bei dem Fall unterstützt und ein pensionierter Polizist, der nun als Privatdetektiv auf den Mörder angesetzt wurde. Das spannende Drehbuch, der überraschende Plot, die Dialoge, das Szenenbild, die tiefgründigen und bis ins kleinste Detail ausgearbeiteten Charaktere, das alles sorgt bereits für ein einzigartiges Spielerlebnis, könnte jedoch auch als Film funktionieren. Doch das Medium Videospiel bietet einen entscheidenden Vorteil: Die Interaktivität des Spielers. Einen Film kann der Zuschauer nicht beeinflussen, alles ist bereits abgedreht, die Handlung steht fest. In Heavy Rain dagegen hat jede Aktion, jede Entscheidung, die der Spieler trifft, eine Auswirkung auf den Fortgang und auch Ausgang der Geschichte. Jede der vier spielbaren Figuren kann durch die falsche Entscheidung sterben. Der Spieler ist dadurch allerdings nicht Game Over, die Handlung läuft immer weiter und kann rückwirkend nicht mehr geändert werden. Der Mörder kann gefasst und der Junge befreit werden, oder eben auch nicht. Es liegt alles in der Hand des Spielers. Diese Verantwortung übermittelt eine ganz neue Art von Nervenkitzel und Intensivität des Thrillers, sie lässt den Konsumenten teilhaben am Geschehen. Ebenso kann sich der Spieler durch das Schlüpfen in die Rolle der verschiedenen Protagonisten besser in sie hineinversetzen und lässt durch seine Handlungen auch einen gewissen Teil seines eigenen Charakters in sie hineinfließen. Das führt zu einer besseren Identifikation mit den Personen, wodurch man sich leichter an sie bindet und mehr mit ihnen mitfühlt.

Heavy Rain überzeugt durch Dramaturgie und Interkativität
Screenshot aus dem Spiel

Diese erweiterte Möglichkeit des Storytellings durch spielverändernde Entscheidungen wird heutzutage immer öfter benutzt. Ein weiteres Beispiel hierfür ist das 2015 erschienene Spiel Life Is Strange. Hierbei schlüpft man in die Rolle der jungen Studentin Max, die entdeckt, dass sie Zeitreisefähigkeiten besitzt und zusammen mit ihrer besten Freundin Chloe versucht, ein vermisstes Mädchen wiederzufinden. Die Zeitreisefunktion, durch welche sich allerdings nur wenige Minuten zurückdrehen lassen, bietet hierbei die interessante Möglichkeit, die direkte Reaktion auf verschiedene Aktionen sehen zu können. Die langfristigen Auswirkungen stellen sich allerdings oft als anders als erwartet heraus. Life Is Strange überzeugt nicht nur durch sein interaktives Storytelling, sondern auch durch seinen einzigartigen Stil, der comicartig angehaucht ist und einen perfekt auf das Szenenbild passenden Indie-Soundtrack.

Life Is Strange setzt auf Story, Musik und ein harmonisches Szenenbild
Screenshot aus dem Spiel

Weniger Story, umso mehr Emotionen

Manche Spiele gehen hier noch einen Schritt weiter und setzten nur auf diese Faktoren, die Handlung ist hierbei nebensächlich oder kaum vorhanden. Das Spiel Journey z. B. erschien bereits 2012 und kommt vollkommen ohne Erklärungen, Sprache oder Text aus. Als in eine rote Robe gekleidetes Männchen wacht man mitten in einer Wüste auf. In der Ferne steht ein einsamer, großer Berg. Man bricht zu ihm auf und die Reise beginnt. Man erkundet dabei Ruinen, gleitet Dünen hinab und kann durch das einsammeln von schwebenden Stoffteilen für kurze Zeit durch die Luft fliegen. Das Szenenbild in Kombination mit dem manchmal ganz ruhigen, manchmal gewaltigen Soundtrack braucht dabei keinerlei Sprache, um auf sich wir-ken zu lassen. Doch zu etwas ganz Besonderem wird Journey durch die Funktion, online einen anderen Spieler treffen zu können, dem man zufällig irgendwann auf der Reise einfach über den Weg läuft. Es gibt keine Möglichkeit miteinander zu kommunizieren, außer einem leisen und einem lauten wortlosen Rufen. Man weiß weder, wer die andere Person ist, noch wie alt sie ist, wie sie aussieht oder welche Sprache sie spricht. Doch mit dieser unbekannten Person setzt man die ca. dreistündige Reise zum Berg zusammen fort. Durch die fehlende Kommunikation entwickelt sich eine ganz besondere Verbindung zueinander. Zusammen reist man durch atemberaubende Landschaften, hilft sich gegenseitig über schwierige Passagen, freut sich zusammen durch Rufen und Springen, wenn diese oder andere Gefahren überstanden sind und wird nahezu emotional, wenn es schließlich am Fuße des Berges in einem reißenden Schneesturm zum Finale der Reise kommt. Journey bietet eine ganz einzigartige Spielerfahrung, welche nur durch die Möglichkeit, miteinander agieren zu können und durch die atmosphärische Inszenierung zustande kommt.

Das Spiel Journey kommt ganz ohne Worte aus – dafür mit umso mehr Gefühl
Screenshot aus dem Spiel

Gewalt kann auch anders

Natürlich gibt es neben all diesen auf die eine oder andere Art besonderen Spielen auch welche, die das Klischee von gewalttätigen und stupiden Actionszenen erfüllen. Doch selbst hinter dieser Fassade verbirgt sich oft mehr, wenn man sie nur genauer betrachtet. Das Zombie-Survival Spiel The Last Of Us aus dem Jahr 2013 wirkt auf den ersten Blick vielleicht als ein solches Klischee. In einer postapokalyptischen Welt schlägt oder schießt man als der Texaner Joel die Köpfe von infizierten Zombies ein. Doch den tragenden Faktor des Spieles, stellt die Beziehung zwischen Joel und der 14-jährigen Ellie dar, die es zu beschützen gilt und die Joel so sehr an seine eigene, verstorbene Tochter erinnert. Neben der düsteren und bedrückenden Atmosphäre schenkt das Spiel zugleich schöne Momente, die einen das Cha-os der untergehenden Welt für einen kurzen Moment vergessen lassen. Und wenn der größte Feind plötzlich nicht mehr der Virus selbst ist, sondern die Menschen, deren einziger Antrieb das Überleben ist, wirft das Spiel gleichzeitig die moralische Frage auf, wie weit man gehen darf, um eine geliebte Person zu beschützen. Und wie weit man selbst gehen würde.

Auch hinter Shooter Spielen steckt oft mehr, wie z. B. die emotionale Beziehung zu Ellie und Joel in dem Zombie Survival Spiel The Last Of Us
Screenshot aus dem Spiel

Mein Fazit

Computerspiele können Einiges. Sie müssen aber nicht. Nicht jedes Spiel hat eine tiefgrün-dige Geschichte, einzigartige Welten oder regt den Spieler zum Nachdenken an. Aber das tun ja auch nicht alle Spielfilme. Genau wie bei Videospielen gibt es Filme ohne Aussage und wertvollen Inhalt, die nur stumpfe Unterhaltung liefern. Aber wir akzeptieren das und verurteilen deswegen nicht gleich das gesamte Medium Film und Fernsehen. Weil wir wissen, dass es auch anders kann. Weil wir alle grandiose Filmumsetzungen kennen, wie Titanic, Der Herr der Ringe oder Avatar, weil wir das Potential kennen, das die Filmindustrie in sich birgt. Wir feiern zusammen neue Blockbuster und verurteilen nicht nur das seichte TV.
Also ja, an den Klischees zu Videospielen mag vielleicht was dran sein, allerdings nur wenn man sie nicht generalisiert. Denn es gibt durchaus Spiele, die einiges mehr zu bieten haben als so mancher Hollywood Film. Und das sind nicht nur die Ausnahmen.


Martina Eglseder


Links:

Making of Beyond: Two Souls:
https://www.youtube.com/watch?v=5DwHjNenAmw&oref=https%3A%2F%2Fwww.youtube.com%2Fwatch%3Fv%3D5DwHjNenAmw&has_verified=1

Beyond: Two Souls Trailer:
https://www.youtube.com/watch?v=MtEoS0MaNyA&oref=https%3A%2F%2Fwww.youtube.com%2Fwatch%3Fv%3DMtEoS0MaNyA&has_verified=1

Heavy Rain Trailer:
https://www.youtube.com/watch?v=YVYiJ3VSp60&oref=https%3A%2F%2Fwww.youtube.com%2Fwatch%3Fv%3DYVYiJ3VSp60&has_verified=1

Life is Strange Trailer:
https://www.youtube.com/watch?v=AURVxvIZrmU

Journey Trailer:
https://www.youtube.com/watch?v=mU3nNT4rcFg

The Last of Us Trailer:
https://www.youtube.com/watch?v=W01L70IGBgE&oref=https%3A%2F%2Fwww.youtube.com%2Fwatch%3Fv%3DW01L70IGBgE&has_verified=1

Categories: Allgemein, Gaming, Kunst, Liebe, Medien

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