E-Reader, E-bike, E-Auto. Muss jetzt alles „E“, also elektronisch, sein? Bei Büchern könnte man meinen, dass dies keinen Unterschied macht, aber das stimmt nicht! Ich als Buchhändler-Azubi bin täglich mit den Vor- und Nachteilen konfrontiert.  Natürlich auch privat.  Denn ich lese – und bin im Zwiespalt!

Im digitalen Zeitalter hat man als Leser oft das Gefühl, sich zwischen dem „normalen“, physischen Buch und dem „hippen“, modernen Lesen mit dem E-Reader entscheiden zu müssen. Jeder versucht einem etwas Anderes einzureden und egal, was man macht, es ist sowieso falsch. Es gibt so viele Meinungen und gleichermaßen viele Vor- und Nachteile des E-Readers, die immer und immer wieder hoch und runtergebetet werden. Dann sind da noch Menschen, denen ist die Problematik einfach egal, weil sie sowieso nicht lesen, sondern lieber Filme schauen, Sport treiben oder gar nicht mal das. Aber selbst unter der Gruppe der Nichtleser unserer Gesellschaft haben manchmal Menschen eine Meinung zu diesem Thema, obwohl sie keine haben sollten. Und als Leser steht man nun zwischen den ganzen Stimmen, ist schlichtweg überfordert und fühlt sich unter Druck gesetzt.

Genau deshalb habe ich beschlossen MEINEM inneren Chaos ein Ende zu setzen und mir zu Weihnachten einen E-Reader gewünscht – und tatsächlich bekommen.

Ich könnte jetzt mit typischen Vor- und Nachteilen um mich schmeißen, wie zum Beispiel, dass ein E-Reader auf Reisen ultra praktisch ist, weil man viele Bücher in ein kleines, dünnes und vor allem leichtes Gerät packt, welches man zudem leicht verstauen kann. Dem gegenübergestellt, dass „echte“ Bücher besser zum Durchblättern sind, aber doch dafür E-Books weniger kosten. Dann vielleicht noch auf die Wichtigkeit der niedergeschriebenen Schrift und deren Tradition eingehen und anmerken, dass bei diesen Büchern der Akku nicht leer wird. Aber das werde ich bewusst nicht tun. Ich will meine eigenen, persönlichen Erfahrungen teilen und daraus ein Fazit ziehen.

 

Als fleißige Buchhändlerin habe ich natürlich sofort eine E-Book-Neuerscheinung gekauft und auf dem E-Reader gelesen. Ich habe mich schon so sehr auf das Buch gefreut, als es auf Instagram angekündigt wurde und ich war maßlos enttäuscht, dass es nicht als gebundene Ausgabe verkauft wurde. Ich finde, das ist schon ein Punkt der definitiv für E-Reader spricht – also, dass es bestimmte Bücher nur als E-Book gibt. Ich meine, ist ja logisch, dass Verlage nicht alle Autoren, die Potenzial haben, verlegen können. Die E-Reader-Version von einem Buch ist also die günstigste und sicherste Variante einen Autor auf dem Markt zu testen. Aber der große Vorteil für E-Reader-Besitzer liegt da ja auf der Hand: Sie kennen die Bestseller-Autoren schon vor anderen und die Auswahl an Büchern ist um ein Vielfaches größer.

Aber was bringt mir das, wenn ich mich am Ende viel weniger an die Bücher erinnere? Das hört sich jetzt vielleicht verrückt an, aber wenn mich jemand fragt, was ich noch auf meinem SUB (Stapel ungelesener Bücher) liegen habe, denke ich wirklich NIE an meine Bücher auf dem E-Reader. Und auch nicht, wenn man mich nach den Büchern fragt, die ich gelesen habe. Wahrscheinlich habe ich ein Gedächtnis wie ein Sieb und muss durch die Bücher in meinem Schrank ständig daran erinnert werden, was drinsteht und dass ich es überhaupt besitze.

Trotzdem hat der E-Reader ein cooles Feature, das kein Buch der Welt hat: Leuchtende Seiten. Mein heimlicher Kindheitstraum. Wie oft bin ich mit Taschenlampe unter der Bettdecke gekauert und habe mir gewünscht, ich könnte im Dunkeln lesen. Also diesen Wunsch kann mir der E-Reader definitiv erfüllen und das obwohl die Seiten täuschend echt nach Papier aussehen.

Jedoch frage ich mich, ob die Technik wirklich alles besser macht. Ich meine, ich liebe an meinen Büchern auch, dass ich, wenn es total spannend wird, eine Seite nur zur Hälfte umblättere, damit ich keine Zeit verschwende und sofort weiterlesen kann. Deshalb ist es mir beim E-Reader schon wahnsinnig oft passiert, dass ich einfach auf den Knopf gedrückt habe bevor ich fertig war, weil es gerade so spannend war. Dann musste ich verärgert wieder zurückblättern, um die Seite noch fertiglesen zu können. Es nervt. Und das sage ich aus tiefstem Herzen.

Eine Sache, die mir auch schon aufgefallen ist, ist, dass man nicht mehr sieht, was das Gegenüber liest. Ich bin mir noch nicht sicher, ob das ein Vor- oder Nachteil ist, aber ich hab´s eben bemerkt. Wenn ich mit dem E-Reader in der U-Bahn sitze, weiß niemand, ob ich gerade einen Thriller oder einen Schundroman lese oder doch etwas sehr Intellektuelles. Wahrscheinlich würden normale Menschen nicht darüber nachdenken, aber ich finde es interessant Menschen in der U-Bahn lesen zu sehen. Ich denke Bücher sagen viel über den Charakter aus und ich finde es spannend zu sehen, ob man ein bestimmtes Buch hinter einer Person vermutet hätte. Lange Rede kurzer Sinn: Mit dem E-Reader liest man anonym.

 

Und jetzt sitze ich hier, neben meinem E-Reader und den Stapeln an Büchern und mag beides!? Darf ich das?

Ja, denn schließlich muss jeder für sich selbst wissen, wie und vor allem womit man gerne lesen würde. Niemand muss es sich mit Absicht kompliziert machen und sich gesellschaftlichen Mehrheiten anschließen. Wen kümmerts, ob die Gisela aus dem dritten Stock E-Reader als „schreckliche Modernisierung“ bezeichnet oder Lara im Haus nebenan E-Reader „mega abfeiert“? Immerhin muss man sich selbst wohl fühlen und immer noch genauso viel Spaß – oder sogar noch mehr – am Lesen haben. Was spricht gegen ein duales System, so wie ich es führe? Vielleicht ist es ja die beste Entscheidung, sich eben nicht zu entscheiden, sondern sich von seinem Gefühl leiten zu lassen.

 

Lisa Eichinger

Categories: Lifestyle, Literatur, Medien

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