Bunte Lichter erhellen den Nachthimmel. Lautes Geknall erfüllt die Straßen. Überall leuchtende Gesichter. Es ist die Nacht der Nächte. Die Freud der einen, das Leid der anderen. Neujahr. Schon Wochen vorher werden große Einkäufe getätigt: Knallfrösche, Raketen, Batterien, Leuchtfeuer, Böller und vieles mehr. 2019 gaben die Deutschen ganze 122 Millionen Euro für Pyrotechnik aus. Für die meisten ist das bunte Spektakel an Silvester nicht mehr wegzudenken. Doch auf dem farbenfrohen Funken liegt ein Schatten. Ist die kurze Freude die Folgen wert?

Denn nicht für alle geht diese Nacht gut aus. Wenn wir ein Blick in die Krankenhäuser werfen, sehen wir verletzte oder abgetrennte Finger, Verbrennungen und Brüche. Mehr als die Hälfte der Patienten sind Unbeteiligte. Menschen, die nicht einmal aktiv am Feuerwerk teilnahmen. Zu den Unfallursachen zählen Experimente mit Pyrotechnik, das Zünden illegaler Feuerwerkskörper und Alkoholeinfluss.


Doch nicht nur Menschen leiden. Auch die Umwelt muss ordentlich einstecken. Allein München, Berlin, Hamburg, Frankfurt am Main und Köln erzeugen jährlich in einer einzigen Nacht zusammen 191 Tonnen Silvesterabfall, der auf den Straßen landet. Das Neujahr-Feuerwerk nimmt zwar nur 2% der Feinstaubemissionen des gesamten Jahres ein, doch nichtsdestotrotz wird in wenigen Minuten so viel Feinstaub verpulvert, wie sonst in zwei Monaten durch den Straßenverkehr.

 

Hauptproduzenten der Feuerwerkskörper sind China und Indien. Es passieren Fehler, jährlich sterben mehr als zwei Dutzend Menschen an plötzlichen Explosionen in den Produktionsstätten. Nicht nur erwachsene Arbeiter werden dieser Gefahr ausgesetzt und müssen für den bunten Spaß unter gefährlichen Arbeitsbedingungen schuften. Auch Kinder kommen dort in Kontakt mit Chemikalien, wie Schwefel, Aluminium- und Schwarzpulver, die zur Herstellung benötigt werden und Krankheiten wie Asthma hervorrufen können. Und das alles für die niedrigsten Löhne.

Feuerwerk ist wunderschön anzusehen und gehört einfach zu Silvester dazu, keine Frage. Ich möchte auch nicht auf dieses Glücksgefühl verzichten, wenn die Kirchturmuhr endlich 12 schlägt und auf einmal alles bunt wird. Es soll die bösen Geister für das neue Jahr vertreiben, sagt man. Und so fühlt es sich auch an. Ich fühle mich, als könnte ich alles schaffen, ein neues Jahr beginnt, alles ist auf null, ein unbeschriebenes Blatt, welches nur darauf wartet, mit aufregenden Erlebnissen gefüllt zu werden. Mir persönlich reicht es, aus der Ferne zuzusehen. Bei dem Gedanken, dass da überall auf den Straßen Angetrunkene umherirren und explodierende Brennkörper anzünden, wird mir unwohl. Menschen, die nicht einmal mehr Autofahren dürften, spielen mit Gegenständen, die mal schnell zu schweren Verletzungen oder sogar zum Tode führen könnten. Nicht nur gefährlich für sie selbst, auch für ihre Mitmenschen. Unter Alkoholeinfluss überschätzt man sich selbst und sein Können, die Reaktionsfähigkeit nimmt ab und es fällt uns schwerer, Entfernungen richtig einzuschätzen. Alles Nebenwirkungen, die man beim Zünden eines Feuerwerkskörpers ganz und gar nicht gebrauchen kann.

Ich bin nicht der Meinung, dass ein Verkaufsverbot von Feuerwerk Sinn macht. Es ist für viele eine wichtige Tradition zum Jahreswechsel und gehört zu Silvester, wie der Tannenbaum zu Weihnachten. Wenn den Leuten etwas verboten wird, dann wird immer ein Weg gefunden, dieses Verbot zu umgehen. Und dann lieber geprüftes Feuerwerk als illegales aus anderen Ländern. Lieber darauf beschränken, ein Verbot an bestimmten Orten, wie beispielsweise in der Nähe von Tierparks, Wildparks und in Innenstädten, anzuwenden, damit dort keine Schäden aufkommen.

Zudem könnte man in den Gemeinden professionelle Pyrotechniker anheuern, die an öffentlichen Orten eine Feuerwerksshow zeigen. So sorgt man nicht nur dafür, dass der Beruf weiterlebt, sondern auch für eine atemberaubende und vor allem sichere Darbietung, von jemandem, der Ahnung hat. Nicht umsonst brauchen zugelassene Pyrotechniker eine persönliche Eignung und einen Befähigungsschein, den man erst bei der Behörde beantragen kann, wenn man einen qualifizierten, staatlich anerkannten Lehrgang absolviert und eine Fachkundeprüfung bestanden hat. Außerdem muss man an 26 Großfeuerwerken als Helfer teilgenommen haben um dann auch wirklich selbst ein eigenes Großfeuerwerk zünden zu dürfen. Viele vergessen, dass Feuerwerk nicht nur ein spaßiges Zündeln ist, sondern auch eine Kunstart.

Doch letzten Endes hat es jeder selbst in der Hand und jeder sollte sich bewusst sein, welche Schäden das Ganze anrichten kann.

Ist diese kurze Freude die Folgen denn wirklich wert?

 

Kathrin Köstner

 

 

Quellen:

https://www.pharmazeutische-zeitung.de/die-gefaehrlichste-nacht-des-jahres/

https://www.heise.de/hintergrund/Statistik-der-Woche-Boellern-und-die-Umwelt-4986959.html

https://utopia.de/guende-gegen-feuerwerk-raketen-boeller-119819/

https://www.planet-wissen.de/gesellschaft/rauschmittel/alkohol/alkohol-wirkung-100.html

https://de.wikipedia.org/wiki/Pyrotechniker

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