Die Corona-Pandemie dauert mittlerweile schon ganze zwei Jahre an.
Für die Wenigsten war es eine einfache Zeit. Die meisten Beschäftigungen konnten nicht
stattfinden, sich mit Freunden treffen war eingeschränkt bis nicht möglich und generell machte es
keinen Spaß, rauszugehen, da kaum etwas geöffnet hatte.
Was konnte man also neben arbeiten und zu Hause sitzen machen?

Richtig: Lesen!

—————————————————————————————————————————————–

Dem Buchhandel bot sich während der Pandemie eine ungeahnte Möglichkeit: Gemeinsam mit
Lebensmitteleinzelhandel, Blumenläden, Drogerie- und Baumärkten, wurde er in den meisten
Bundesländern zum täglichen Bedarf gezählt. Dadurch durften die Buchläden bis auf kurze
Perioden durchgehend geöffnet haben. Das bedeutet natürlich nicht, dass der Buchhandel von den
Auswirkungen der Krise verschont geblieben ist. Auch diese Branche hatte zu kämpfen – mit
Kurzarbeit, Personalmangel und weniger Kundschaft aufgrund leerer Innenstädte. Wie also erging
es der Buchbranche während Corona und haben sich vielleicht sogar Chancen daraus ergeben?

Zahlen und Fakten
Zum Jahr 2021 liegen noch nicht viele Daten vor, daher wurde hauptsächlich das Jahr 2020
betrachtet. Einen ausführlichen Jahresüberblick wird der Börsenverein im August 2022
veröffentlichen.

Unterm Strich gibt sich ein halbwegs positives Bild ab. Alle Vertriebswege betrachtet, schließt das
Jahr 2021 sogar besser als das Vor-Corona-Jahr 2019 ab. Betrachtet man nur den Stationären
Buchhandel, sieht es anders aus. Bei Umsatz und Absatz gab es Rückgänge. Dennoch hat Lesen laut
einer Umfrage des Marktforschungsinstituts GfK „im Corona-Jahr 2020 einen Aufschwung erlebt.
25 Prozent der LeserInnen greifen häufiger zum Buch als vor der Pandemie […]. Besonders groß
sind die Zuwächse bei den jungen Altersgruppen: Unter den 10- bis 19-Jährigen lesen 34 Prozent
häufiger, bei den 20- bis 29-Jährigen 32 Prozent“.

 

Quelle: Börsenverein, 2021.

 

Nebenbei erlebten auch digitale Buchformate einen Aufschwung. E-Book-Käufe, -Downloads und
-Flatrate-Nutzung stiegen stark an. Hörbücher wurden wieder beliebter. Die Onleihe-Nutzung, das
heißt die Ausleihe von E-Books über Bibliotheken, war 2020 sechs mal so hoch wie im Vorjahr.

Lesen als Beschäftigungsmethode in schwierigen Zeiten
Überraschenderweise blieb der Stationäre Buchhandel der größte Vertriebsweg von Büchern.
Gerade die Buchhandlungen, die bereits über einen Online-Shop verfügten, konnten hiervon
profitieren. Die Menschen nutzten die Möglichkeit, Bücher per Click & Collect vor Ort abzuholen
und bestellten nicht ausschließlich über das Internet.
Das Bedürfnis zu lesen scheint in schwierigen Zeiten besonders groß zu sein. „Gerade in Zeiten der
Krise suchen Menschen Inspiration, fundierte und gesicherte Informationen sowie kreativen
Zeitvertreib im Buch“, lautet das Fazit von Karin Schmidt-Friderichs, der Vorsteherin des
Börsenvereins.

Nicht nur aus Trostsuche, Eskapismus oder Informationssuche fingen viele an mehr zu lesen.
Auch einige Eltern scheinen wieder auf das Buch als Beschäftigungsmethode gekommen zu sein,
denn das Kinder- und Jugendbuch war neben der Belletristik eine der beliebtesten Warengruppen.
In der Belletristik griffen die KundInnen überraschenderweise öfter zum Hardcover als zum
Taschenbuch. Womöglich, da sie sich mehr Zeit zum Lesen nahmen und es nicht nur eine
Nebenbeschäftigung war.

Quelle: Börsenverein, 2021.

 

Im Buchhandel sichtlich merkbar machte sich, dass es 2020 ein gesteigertes Interesse am Kochen
gab und die Menschen Selbstbeschäftigung in Exit Games oder Erwachsenenmalbüchern suchten.
Wiederrum gingen die Interessen 2021 eher in Richtung Ratgeber und Gesundheit. Vor allem
Selbstfindung, innere Ruhe und Gelassenheit in Krisenzeiten beschäftigten die KundInnen.

Ausblick in die Zukunft und Fazit
Möglicherweise haben während der Pandemie doch wieder mehr Menschen zu einem der schönsten
Hobbys der Welt zurückgefunden und es wird in der Zukunft konstant mehr Bereitschaft zum Lesen
geben.
Der Buchhandel hat sich in einer Krisenzeit als wettbewerbsfähig gezeigt. Er kann darauf
aufbauend seine Webpräsenz verbessern und den Markt der Konkurrenz streitig machen.
Durch den guten Service (z.B. Auslieferung per Lastenrad) und die ständige Erreichbarkeit während
der Corona-Pandemie, konnten womöglich neue KundInnen gewonnen und BestandskundInnen
gesichert werden. Standorten, die diese Periode überstanden haben, bieten sich gute Chancen auch
zukünftig zu überleben. Unbelebtere Innenstädte könnten allerdings zu Schwierigkeiten bei
Neugründungen führen.
Kinder und Jugendliche, die in der Pandemie mehr gelesen haben, sind auf gutem Weg, das auch
fortzuführen. Eine Gefahr hier könnte sein, dass die geschlossenen Schulen der Leseförderung
geschadet haben und die Defizite sich später auch im Buchhandel bemerkbar machen.
Doch was die Zukunft bringen wird, kann man heute noch nicht mit Sicherheit sagen. Fest steht
jedoch, dass der Buchhandel die Krise besser überstanden hat, als zunächst befürchtet.

Und es hat sich gezeigt: Lesen gehört tatsächlich zum täglichen Bedarf.

 

Autorin: Lucca Carlotta Müller

 

Quellenverzeichnis:

Bildquellen:
– Bild 1: Lucca Müller, 2022. (Eigene Aufnahme)
– Bild 2 und 3: Börsenverein des Deutschen Buchhandels, 2021. Link: https://
www.boersenverein.de/markt-daten/marktforschung/wirtschaftszahlen/ (Stand: 15.02.2022)

Online Quellen:
– Börsenverein. Marktforschung. Link: https://www.boersenverein.de/markt-daten/
marktforschung/wirtschaftszahlen/ (Stand: 10.02.2022).
– Börsenverein. Branchen-Monitor Newsletter. Link: https://www.boersenverein.de/
tx_boev_newsletter_view?
tx_boev_pi14%5Buid%5D=1906&tx_boev_pi14%5Bbackend_layout%5D=pagets__newsletter
(Stand: 15.02.2022).
– Börsenverein. Pressemitteilung. Link: https://www.boersenverein.de/presse/pressemitteilungen/
detailseite/der-buchmarkt-in-der-pandemie-starke-nachfrage-schwierige-situation-fuer-denhandel-
konzepte-fuer-lebendige-innenstaedte-gefragt/ (Stand: 15.02.2022).
– Buchmarkt. Link: https://buchmarkt.de/meldungen/wir-brauchen-tragfaehige-konzepte-um-dieinnenstaedte-
wieder-zu-beleben/ (Stand:15.02.2022).
– Süddeutsche Zeitung. Link: https://www.sueddeutsche.de/leben/coronakrise-buecher-buchlesen-
1.4907881 (Stand: 10.02.2022).
– Fachbuchjournal. Link: https://www.fachbuchjournal.de/corona-krise-sorgt-fuer-aufschwungauf-
dem-e-book-markt/ (Stand: 06.02.2022).

Leave a Reply