„Was ist eigentlich in Syrien los?“

Flucht, Vertreibung, Terror, Krieg: Das ist es, was uns beim Stichwort Syrien sofort durch den Kopf schießt. Aber wie kam es eigentlich zu dem blutigen Konflikt, der schon seit Jahren tobt? Wer kämpft gegen wen? Und was haben Russland und die USA damit zu tun?

Wenn uns hierzulande eine weitere Schreckensmeldung aus Syrien erreicht, hören viele Menschen schon gar nicht mehr richtig hin. Für uns ist das Land längst zu einem Synonym für politische Willkür, Staatsterror, Gewalt und Flucht geworden. Dass Menschenrechtsverletzungen in dieser Region der Welt keine Ausnahme, sondern alltägliche Realität sind und hier seit 2011 ein blutiger Konflikt tobt, aus dem es keinen Ausweg zu geben scheint, ist weithin bekannt.
Doch wo liegen die Ursachen des Konflikts? Wie konnte aus einer friedlichen Protestbewegung ein über Jahre andauernder Krieg werden, der inzwischen über 500.000 Menschen das Leben gekostet hat? Und welche Interessen verfolgen die Großmächte Russland, USA und die Türkei in der Region?

 

Vom Friedensprotest zum Bürgerkrieg

Der Beginn des Konflikts liegt im Jahr 2011, in dem die syrische Bevölkerung, inspiriert vom Vorbild des arabischen Frühlings in Tunesien und Ägypten, zu friedlichen Protesten gegen das Regierungsregime unter der Führung des Präsidenten Baschar al-Assad auf die Straße geht.
Obwohl die Regierung versucht, die Proteste gewaltsam niederzuringen und mit Militär- und Waffengewalt gegen die Demonstranten vorgeht, gelingt es nicht, die Aufstände zu beenden. Ganz im Gegenteil: Die bis dahin friedliche Bewegung spaltet sich auf, ein Teil der Oppositionellen greift zu den Waffen und gründet mit desertierten syrischen Soldaten die FSA, die Freie Syrische Armee. Neben der FSA entstehen viele weitere oppositionelle Gruppen, wie beispielsweise die kurdische Opposition, sunnitische Extremisten, die al-Nusra Front und andere islamistische Gruppen. Sie alle verfolgen den Sturz des Diktators Assad zwar als gemeinsames Ziel und werden durch den Kampf gegen die Regierung geeint, haben jedoch völlig verschiedene Vorstellung über die Neuordnung des Staates nach dem Krieg und bekämpfen sich deshalb auch gegenseitig.

 

 

Internationale Akteure

Im Verlauf dieses blutigen Bürgerkrieges verliert das Regime die Kontrolle über weite Teile des Landes und beginnt, mit Luftangriffen und Chemiewaffen gegen die eigene Bevölkerung vorzugehen, um die Herrschaft über die von Rebellen besetzten Gebiete zurückzuerlangen. Während die Regierungen in Washington und den EU-Staaten diesen Massenmord der syrischen Regierung an der eigenen Bevölkerung scharf verurteilen, kann Assad dennoch auf die Hilfe internationaler Verbündeter zählen.
Im Kampf gegen die oppositionellen Gruppen spielt beispielsweise der Iran als Unterstützer Assads eine große Rolle. Die militärische Unterstützung Syriens dient dem Iran als Möglichkeit, sich selbst als regionale Großmacht zu behaupten, ein durchgängiges Einflussgebiet vom Jemen bis zum Libanon zu errichten und gleichzeitig den Einfluss der USA im Nahen Osten einzudämmen.
Ein weiterer mächtiger Verbündeter der Regierung ist Russland, das seit 2015 massiv in den Krieg eingreift und Assad maßgeblich bei der Wiedereroberung weiter Teile des Landes unterstützt hat. Die Vorteile des Bündnisses mit Syrien liegen für Russland in der Sicherung des eigenen Einflusses in der Region und in der Demonstration von Stärke gegenüber westlicher Mächte und vor allem den USA.
Die USA heißen die Unterdrückung der syrischen Bevölkerung durch Assad nicht gut und fordern in einer internationalen Allianz mit Großbritannien, Frankreich und anderen westlichen Staaten seinen Rücktritt, um eine demokratische Nachkriegsordnung zu ermöglichen. Das Hauptinteresse der Regierung in Washington ist jedoch der Kampf gegen den Islamischen Staat, dessen Ziel die Errichtung eines salafistischen Kalifats ist.
Beim Kampf gegen den IS kommt eine weitere Volksgruppe ins Spiel: die Kurden. Sie streben innerhalb Syriens nach Autonomie und kämpfen sowohl gegen den Islamischen Staat als auch gegen das Assad-Regime. Auch die Türkei steht den Kurden feindlich gegenüber, da sie in deren Autonomiebestrebungen eine terroristische Gefahr für das eigene Land sieht.

 

Warum ist bisher keine Lösung des Konflikts gelungen?

Diese kurze Zusammenfassung der Interessen und Ziele der Hauptakteure zeigen bereits, wie unglaublich komplex die gesamte Situation in Syrien ist. Man kann eigentlich nicht mehr von „dem Syrienkonflikt“ sprechen, da er schon lange von einer Vielzahl regionaler und internationaler Konflikte überlagert wird. Jeder Lösungsansatz ist in der Vergangenheit an der Uneinigkeit der internationalen Großmächte über den Umgang mit dem Assad-Regime gescheitert. Schon mehrmals ist die internationale Staatengemeinschaft haarscharf an einer Eskalation des Stellvertreterkrieges vorbeigeschrammt. Auch der islamische Staat stellt einen Akteur dar, mit dem ein Kompromiss nicht vorstellbar ist, da er unser modernes Staatensystem und eine demokratische Staatsform ablehnt. Die Situation in Syrien ist so instabil und die Interessen der internationalen Akteure so vielschichtig und volatil, dass jegliche Vorhersage über ein bevorstehendes Ende des Konflikts oder mögliche Kompromisse rein spekulativ wären.

Autorin: Jana Fella


Textquellen

https://www.spiegel.de/politik/ausland/krieg-in-syrien-alle-wichtigen-fakten-erklaert-endlich-verstaendlich-a-1057039.html
https://www.tagesschau.de/ausland/nordsyrien-krieg-akteure-101.html
https://www.malteser-international.org/de/hilfe-weltweit/naher-osten/syrien/der-buergerkrieg-in-syrien-ein-ueberblick.html
https://www.zeit.de/politik/ausland/2018-03/kriegsparteien-syrien-ueberblick
https://www.nzz.ch/international/syrien-antworten-zur-lage-im-syrien-konflikt-ld.1377102
https://www.zeit.de/thema/syrien
https://www.sueddeutsche.de/politik/syrien-krieg-chronologie-ueberblick-1.2652348
https://www.focus.de/politik/ausland/syrien-konflikt-das-sind-die-interessen-der-auslaendischen-maechte_id_8532874.html
https://www.disorient.de/blog/was-man-ueber-den-syrien-konflikt-wissen-sollte

Bildquellen

https://www.blick.ch/news/ausland/syrien-krieg-kurz-erklaert-wer-kaempft-gegen-wen-id6494996.html

https://www.handelsblatt.com/politik/international/syrien-keine-militaerhilfe-fuer-fsa-rebellen-aus-den-usa/22729292.html?ticket=ST-4530283-PRYjB77jXMqm9uKK6fvf-ap2

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