Der Mainstream hat viele Vorurteile, diese sind nicht immer unbedingt gerechtfertigt. Warum genau ist das so? Und wie kann man ein gewisses Schwarz-Weiß-Denken verhindern, wenn man in sich geht und reflektiert? Aufstand, Revolte und Rebellion waren alle einmal. Begriffe, die heute keine Bedeutung mehr finden, denn der Mainstream ist angesagt, oder doch nicht?

Jedes Individuum scheint nach seiner einzigartigen Besonderheit zu trachten. Wir lassen uns durch die verschiedensten Bereiche inspirieren und motivieren, das eigene Erscheinungsbild anzupassen. Schaufenster in der Kaufinger Straße oder die Produktpalette im Instagram-Shop, die sich perfekt an die Trends und auf unseren scheinbar individuellen Geschmack zuschneiden lassen. Das alles führt zu einem Drang, sich individuell zu geben und zu fühlen, obwohl wahrscheinlich alle, in der einen oder anderen Art und Weise, in einer gewissen Hauptströmung mit schwimmen. Der Mainstream ist geboren.

Der Mainstream soll also im eigentlichen Sinn die kulturellen Geschmäcker, träumerische Wünsche oder faszinierenden Ideale einer großen Gruppe oder der Mehrheit widerspiegeln. Das Sinnbild des Mainstreams findet in vielen Bereichen Belang, beispielsweise in der Politik, Wissenschaft, Gesellschaft und besonders in den Medien. Vor allem das Internet tritt gerne mal dem medialen Hauptstrom entgegen. Das liegt daran, dass der Mainstream gleichgesetzt wird mit Abhängigkeit statt der Unabhängigkeit. Abhängig sein von einem bestimmten Weltbild oder einer bestimmten Anschauung. Denn wer nicht individuell ist, ist auch nicht besonders.

Individualität ist heute ein Markenzeichen, eine exotische Besonderheit. Leicht die äußere Fassade zu übersehen ist jedoch die innere Haltung, der innere Wert eines Menschen. Erfahrungen und Gedanken, die man selbst nicht nachvollziehen könnte, selbst wenn man wollte. Aber wen interessiert das schon, in dieser Ich-bezogenen-Welt?

Besonders sein in einer nicht so besonderen Welt, in einer nicht so besonderen Stadt, in einem nicht so besonderem Umfeld. Sich abzuheben ist neu, authentisch und erstrebenswert. Ist doch großartig! Diejenigen, die alles gleich machen, gleich sind und gleich leben, sind verhasst. Ihr Langweiler! Wie ein Aussätziger wird man behandelt. Fast schon angeekelt und genervt von einer scheinbar kopierten Pseudo-Persönlichkeit. Man wird abgewertet, denn man scheint unglaubwürdig und unecht.

Aber Moment. Ist Individualität nicht nur ein Mythos? Ein irdischer Aberglaube? Vielleicht sogar ein Märchen? Gibt es nicht vermutlich in irgendeiner Stadt, an irgendeinem Ort in unserer Existenz eine Person, die wahrscheinlich fast genauso lebt und denkt wie wir? Welche Bedeutung hat der Mainstream dann noch? Ist es negativ, dass man ähnliche Gemeinsamkeiten hat?

Eigentlich ist es doch schon fast beruhigend und erleichternd, dass man in dieser wahnsinnig facettenreichen Gesellschaft nicht auf sich allein gestellt ist. Es gibt da draußen immer jemanden, der einen verstehen und nachvollziehen kann. Man ist eigentlich nie wirklich einsam. Tatsächlich ist der Mainstream doch nur eine äußerliche Oberflächlichkeit, der man bei genauerer Beobachtung oder bei genauerem Verständnis nicht mehr Aufmerksamkeit schenken sollte, als unbedingt nötig ist. Vielleicht sollte man deshalb die Eigenarten eines Anderen nicht vollends verurteilen und versuchen, dem Menschen, der dort vor einem steht, mit einer anderen Haltung als sonst begegnen, um so selbst die eigenen Verhaltensmuster und Denkweisen in neue Bahnen zu lenken.

Autorin: Valeria Escobar

Quellen:

• Sinus-Jugendmilieus | SINUS-Institut
• Mainstream – Wikipedia
• Stock Fotos, Lizenzfreie Bilder & Kostenlose Bilder · Pexels+
• Wie individuell wollen wir wirklich sein? – Von Sina Knoll – soziologieblog (hypotheses.org)
• Mainstream – ist das gut oder schlecht? – Gesellschaft – SZ.de (sueddeutsche.de)
• Was ist Mainstream und warum soll es schlecht sein? | läuft! (kreiszeitung.de)

Categories: Allgemein, Gesellschaft

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