Viel Aufregung herrscht derzeit im beschaulichen Ort Neukirchen am Inn im südöstlichen Niederbayern. Hier will die Telekom den Ausbau von Mobilfunkmasten vorantreiben und einen davon direkt in Siedlungsnähe errichten. Der Bürgermeister kommt in Erklärungsnot

Aufruhr bei den Bürgerinnen und Bürgern der Gemeinde Neuburg am Inn:

Bild: Lena Lotter

Seit im Juli 2018 bekannt wurde, dass die Telekom den Ausbau von Mobilfunkmasten in der Kommune anstrebt, herrscht bei vielen Bürgern der 5000 Einwohner Gemeinde Aufregung. Es zeigt sich, dass dieses Thema die Bewohner des Ortes bewegt, da sie ihre Bedenken bezüglich der gesundheitlichen Auswirkungen, die ein solcher Bau mit sich bringen könnte, deutlich kundtun.

Wegen der vielen Anfragen organisierte der erste Bürgermeister der Gemeinde Infoveranstaltungen, welche sich mit der Thematik befassten. Unterstützung holte er sich ausgerechnet von einem höheren Mitarbeiter der Telekom. Es ist natürlich klar, dass dieser alle möglichen Gefahren weit von sich weist. Die Telekom will möglichst schnell und am besten ohne Widerstand den geplanten Ausbau vorantreiben. Klar, dass auch meine Familie und ich, die in unmittelbarer Nähe eines bevorzugten Standortes leben, beunruhigt sind. Aus diesem Grund habe ich mich mit dem Thema befasst und will euch meine Rechercheergebnisse präsentieren.

Welche möglichen gesundheitlichen Auswirkungen hat der Bau eines Mobilfunkmasten auf die Bevölkerung?

Um das Ziel der Politik, nämlich den lückenlosen und flächendecken Ausbau des Mobilfunknetzes, zu erfüllen, ist es notwendig viele neue Standorte zu finden. Viele Bürger haben jedoch, nicht ganz unbegründet, Angst vor den gesundheitlichen Auswirkungen, die ein solcher Bau mit sich bringen könnte. Schließlich ist erwiesen, dass die Strahlung von Mobilfunkmasten zehn Mal so hoch wie bei Handys ist und sie rund um die Uhr zu jeder Tages-und Nachtzeit strahlen. Aus diesem Grund wird dieses Thema auch höchst kontrovers diskutiert.

Klar ist, dass bis heute unzureichend geklärt ist, ob die Strahlung, die von Mobilfunkmasten ausgeht, eine gesundheitliche Gefahr für die Bevölkerung darstellt.

Forscher konnten diesbezüglich noch keine Beweise liefern. Dennoch gibt es einige Studien, die auf eine solche Gefährdung hinweisen.

Auch ein Experte des Umweltinstituts in München und das Bundesamt für Strahlenschutz möchten langfristige Schäden nicht zu 100% ausschließen.

Die wohl bekannteste, jedoch beim Bundesamt auch sehr umstrittene Studie, ist die Naila-Studie. Ein Arzt aus Oberfranken hat dabei die Gesundheitsdaten von Patienten, die in einer Entfernung von bis zu 400 Metern vom Mobilfunkmasten wohnten, mit deren, die in weiterer Entfernung lebten, verglichen.

Es zeigte sich dabei, dass der Anteil an neu auftretenden Krebserkrankungen bei Patienten, die während der letzten zehn Jahre im Abstand von bis zu 400 Metern um den Masten gewohnt haben drei Mal so hoch ist und dass die Betroffenen durchschnittlich jünger sind, wenn sie an Krebs erkranken. Das liegt laut dem Mediziner daran, dass die Strahlenbelastung einen negativen Einfluss auf die Zellteilung des menschlichen Körpers hat. Dies hat zur Folge, dass die Zelle entweder kaputt geht oder sie unendlich wächst und somit zu Krebs wird.

Andere Forschungen auf diesem Themengebiet ergaben, dass es in Folge der Strahlung zu einer biologischen Veränderung kommt. Das heißt, dass sich z.B. Veränderungen bei der Messung der Hirnströme (EEG) zeigen. Warum dies so ist, ist jedoch bis heute nicht geklärt. Es kommt dabei nicht zu einer chemischen Veränderung der Zelle.

Auch der sogenannte thermische Effekt, also die Erwärmung des Gewebes ist nachgewiesen. Dadurch kann ein Tumorwachstum begünstigt werden.

Ebenso bestätigen Wissenschaftler den Einfluss von hochfrequenten elektromagnetischen Feldern auf das menschliche Gehirn. Allerdings ist nicht erwiesen, ob dies tatsächlich Auswirkungen auf die Gesundheit hat. Aus diesem Grund soll die Forschung weiter ausgeweitet und Vorsorgemaßnahmen getroffen werden.

Über 200 Umweltmediziner warnen vor gesundheitlichen Auswirkungen (insbesondere für elektrosensible Patienten) des Ausbaus und fordern, dass vor Inbetriebnahme eine Gesundheitsverträglichkeit bestätigt wird.

Welche möglichen Auswirkungen hat ein Mobilfunkmast auf die Tierwelt und die Natur?

Neben den möglichen gesundheitlichen Auswirkungen auf den Menschen, gibt es auch Auswirkungen auf die Tierwelt und die Natur.

Bei einer Untersuchung in Australien mit gentechnisch veränderten Mäusen zeigten sich krebsfördernde Wirkungen. Allerdings fehlt auch hier, wie so oft, eine wissenschaftlich sichergestellte Aussage. Somit kann dies nicht bewiesen werden.

Der Bund Naturschutz und Professoren befassten sich ebenso wie betroffene Bauernhöfe mit der Thematik.

Einige Beobachtende berichten z.B. unter anderem über einen Rückgang der Milchproduktion, über Verhaltensstörungen, Appetitlosigkeit, Unruhe, die steigende Anzahl an Zwillingsgeburten, ein geschwächtes Immunsystem und das Auftreten von Krebserkrankungen und Fehlgeburten bei Kühen.

Laut Beobachtern gibt es auch Auswirkungen auf die Natur. So sollen sich z.B. die Bäume im Allgemeinen verändert haben (Baum bekam immer nur eine bestimmte Größe) oder ihre Blätter bereits im Sommer verloren haben.

 Wie stehen die Bürger zu einem geplanten Bau in Siedlungsnähe?

Bild: Lena Lotter

„Man hat den Eindruck, dass die Behörde sehr gut mit der Telekom kooperiert. Wir als Betroffene müssen über fünf Ecken vom geplanten Standort erfahren.“ (Karin L., 54 Jahre)

„Ich denke vor allem an die möglichen gesundheitlichen Folgen für unsere beiden Kinder. Selber achten wir in unserer Familie auf eine gesunde Lebensweise – und jetzt sowas!“  (Karin, 47 Jahre)

„Ich stehe der Sache ziemlich kritisch gegenüber. Es gibt noch keine Langzeitstudien, wir wissen also gar nicht, welche Spätfolgen zu erwarten sind.“ (Oskar L., 59 Jahre)

Nach Gesprächen mit einigen Betroffenen lässt sich feststellen, dass es durchwegs mehr negative Meinungen zu einem geplanten Bau gibt. Gerade diejenigen, die in größerer Entfernung des geplanten Standortes wohnen, äußern natürlich auch weniger Bedenken. Auch jüngere Bürger sind durchwegs kritikloser, sie sehen vor allem die Vorteile einer flächendeckenden Versorgung.

Besonders aber in dem Wohngebiet, wo der Abstand zu dem geplanten Mobilfunkmasten am geringsten ist, zeigte sich, dass viele Bürger Angst haben und das Ganze negativ beäugen. Ein Grund dafür könnte auch sein, dass vor drei Jahren gleichzeitig mehrere Personen in einer Straße an Krebs erkrankten. Jeder der Betroffenen versucht durch Therapien und Änderung der Lebensweise einen Rückfall zu vermeiden. Umso größer ist natürlich hier die Angst vor einem Rückfall. Die Mobilfunkwellen sind eine Strahlenbelastung der man immer ungeschützt ausgesetzt ist und die man nicht selbst beeinflussen kann.

Wenn man sich also informiert, scheint das Thema Mobilfunk nicht so harmlos zu sein, wie es von den Netzbetreibern vermittelt wird. Aufgrund des Drucks der Bevölkerung haben sich deshalb der Bürgermeister und der Gemeinderat dazu entschlossen, einen unabhängigen Standortgutachter zu beauftragen.

Wir, also die Bürgerinnen und Bürger von Neuburg am Inn, sind schon gespannt, ob die Investition von immerhin ca. 8000 € geeignetere Standorte bringt.

Autor: Lena Lotter

 

Titelbild: Pixabay 

 

 

Categories: Allgemein, Politik, Umwelt

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