Der Begriff „Kunst“ ist nur schwer zu fassen. Was bedeutet er? Für was genau steht er? Wie kann man ihn definieren? All das sind Fragen, auf die es keine rein faktischen Antworten gibt – denn in der Kunst besteht nicht viel aus festen Fakten.
Aber setzt man sich erst mal richtig mit der Kreativität auseinander, so findet man doch Wege, sich künstlerisch auszudrücken und zu verstehen, was wirklich hinter allem steckt.

Kunst – Substantiv, feminin [die]
„Zwei Stunden in der Woche, in denen man mit Buntstiften, Malkasten oder Tinte auf billigem Papier arbeitet, ohne dabei einen einzigen Funken der eigenen Kreativität ausleben zu können.“ – So ungefähr lautet wahrscheinlich die Definition des Wortes von vielen Schülern und jungen Erwachsenen, wenn man sie danach fragt. Aber ist die Kunst nicht eigentlich so viel mehr als nur der Kunstunterricht in der Schule?

Die Antwort zu dieser Frage ist offensichtlich: Ja. Die Kunst in Worte zu fassen ist fast unmöglich, da sie so facettenreich und komplex ist. Es gibt unglaublich viele Definitionen und Arten davon, sodass in all dem der gleichnamige Unterricht schon fast untergeht. Aber wenn es doch zahlreiche verschiedene Variationen der Kunst gibt, wieso haben so viele Menschen dasselbe langweilige und einengende Bild davon?
Für mich persönlich ist das nicht wirklich eine Überraschung. Was erwartet man auch, wenn einem immer und immer wieder derselbe Stereotyp der Kunst eingeredet wird? Weiß man als Schüler überhaupt, dass es auch andere Wege gibt, sich kreativ auszuleben, als mit Malkasten ein vorgegebenes Motiv abzumalen?
Wenn einem durchgehend eingeredet wird, dass genau das „Kunst“ ist, dann verlernt man leider, den wahren Künstler in sich zu finden – und zu suchen. Viele wissen gar nicht, was es heißt, sich kreativ zu entfalten und kreativ zu arbeiten, das muss man sich erst mal selber beibringen. Einfach mal loslassen und seinen Gedanken freien Lauf lassen – hört sich zwar leicht an, ist aber doch etwas schwerer als gedacht! Nur zu oft redet man sich aus der Situation mit Worten, wie „Wow, du hast echt ein Glück, mit deiner Kreativität. So kreativ wäre ich auch gerne“ raus. Aber genau das ist der Fehler. Von nichts kommt nichts, jeder hat diese Kreativität irgendwo in sich stecken, aber man muss dieser eben auch auf den Grund gehen und sich darauf einlassen. Anstatt andere für ihre Kreativität zu beneiden, sollte man sich lieber auf sich selber fokussieren und genau das in sich suchen. Hat man diese Hürde erst einmal überwunden, wird es immer leichter, seine Gedanken und Ideen kreativ zu verwirklichen.

Was dabei zu beachten und wahrscheinlich mitunter eine der wichtigsten Erkenntnisse hinsichtlich der Kunst ist: Kunst ist nicht nur „richtigen“ Künstlern vorbehalten – denn es gibt keine „richtigen“ und „falschen“ Künstler. Du willst Kunst machen? Dann mach es. Die Angst, die viele haben, dass ihre Kreation nicht schön genug ist, um als Kunstwerk bezeichnet zu werden, kommt schließlich wieder davon, dass wir so ein enges Bild der Kunst haben. Denn denkt man mal genauer darüber nach, weiß man doch überhaupt nicht, was als„schön“ gilt und was nicht. Unser Werk muss letztendlich auch nicht immer hübsch anzusehen sein – es soll doch unser Inneres und unsere Gedanken widerspiegeln, das darf auch mal hässlich sein, oder verstörend – genau das ist schließlich das, was die Kunst ausmacht und sie so unglaublich interessant macht!

Trotzdem kommt aber die Frage auf, wo denn dann eigentlich die Kunst endet? Zwar hat jeder das Zeug dazu, sich kreativ zu entfalten – aber kann man auch wirklich alles als Kunst bezeichnen?
Da Kunst so ein dehnbarer Begriff ist, lässt er sich letztendlich nie richtig fassen. Jeder hat seine eigenen Vorstellungen davon, und wie weit man gehen würde, etwas noch als Kunstwerk zu bezeichnen. Dafür gibt es keine Richtlinie und das ist auch gut so. Man selber muss nicht alles als Kunst erkennen, aber man darf auch nicht andere dafür verurteilen, wenn diese genau das als solche sehen.

Liquid Pouring – ein aktueller Kunst-Trend auf Social Media; Künstlerin: Helena Kristl

Was unserer Generation auch stark geholfen hat, diesem Mindset der „langweiligen“ und „uninteressanten“ Kunst zu entkommen und eine viel offenere Denkweise zu haben, ist das Zeitalter des Internets. Wirft man nur einen kurzen Blick auf Social Media Plattformen, wie Instagram oder Pinterest, wird man nahezu überrannt von verschiedensten Arten, Kunst zu praktizieren.
Schon mal von Liquid Pouring gehört? Der neueste Trend, der sich auf den verschiedensten Social Media Seiten verbreitet, war zumindest mir bis vor kurzem noch unbekannt, aber dank Pinterest juckt es mich mittlerweile in den Fingern, das ganze selber mal auszuprobieren. Und genau das denken sich Millionen von Menschen über die unterschiedlichsten Arten, Kunst zu praktizieren. Sie holen sich ihre Inspiration für ihre eigenen Kreationen von diesen Apps und machen ihr eigenes Ding daraus – aber Vorsicht, denn die unendlich vielen Kunstwerke im Internet lassen einen schnell glauben, man muss sie einfach nur nachmachen. Aber wäre das nicht wieder genau das gleiche, das man schon in der Jugend im Kunstunterricht durchlebt hat? Vorgaben nachahmen, ohne die eigene Kreativität spielen zu lassen? Natürlich wäre es praktisch, das alles einfach nur nachzumachen und dann zu sagen „Hey schau mal, ich hab` Kunst gemacht“, aber wenn man sich so sehr auf dieses Nachmachen verlässt, endet man wieder so, wie im Kunstunterricht in der Schule: unzufrieden und auch irgendwie unbefriedigt. Denn das Nachmachen von Kunst stillt nicht das Verlangen in uns, kreativ zu sein. Dieses Verlangen wird nur gestillt, wenn man es schafft, die eigene Kreativität anzuwenden.

Foto & Jacke: Lisa Lorenz

Die Definition von Oxford Languages fasst meiner Meinung nach ganz gut zusammen, auf was es letztendlich wirklich ankommt:

Kunst – Substantiv, feminin [die]
„Schöpferisches Gestalten aus den verschiedensten Materialien oder mit den Mitteln der Sprache, […] in Auseinandersetzung mit Natur und Welt.“

Eine Definition, die nicht wirklich zu fassen ist und die offen hält, was genau Kunst denn eigentlich ist. Letztendlich muss jeder für sich selbst seine eigene Kreativität finden und muss lernen, sich damit ausdrücken zu können. Ich zum Beispiel habe für mich das Bemalen von Jeansjacken entdeckt. Nicht das außergewöhnlichste Projekt, aber etwas das mich beruhigt, mir Freude bereitet und mit dem ich mich ausdrücken kann. Und das ist ja letztendlich auch das einzige das wirklich zählt, nicht wahr?

Autorin: Lisa Lorenz

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