Menschen sind erstaunlicherweise zu sehr Vielem imstande. Meint man es geht nicht schlimmer, wird man von der nächsten Grausamkeit übermannt. Menschen können schlimme Dinge tun, sehr schlimme Dinge. Das Töten.

Das Töten zieht uns in seinen Bann. Die Vielzahl an Mord-Dokumentationen, Thriller und Krimiserien verdeutlichen das. Wir sind fasziniert davon. Gewalt und Tot gehören schon fast zu jeder guten Serie dazu und sorgen für die nötige Spannung.
Doch wenn wir in der Realität von Mord und Totschlag hören, sind wir erschüttert und fragen uns immer wieder, wie ein Mensch zu solchen Grausamkeiten fähig sein kann. Aber sind wir nicht alle dazu im Stande? Oder kann nur ein Psychopath zu einem kaltblütigen Killer werden?

(Bild 1: Quelle: Pixabay)

Zwar ist nachweisbar, dass viele von uns mordlustige Gedanken haben, dennoch ist der Abstand zwischen dem Todeswunsch und dem Töten – in einem geordneten Sozialwesen – zum Glück riesig. Dabei spielt auch unsere Gesellschaft eine große Rolle. Das Ermorden eines Menschen gilt als absolut unmenschlich und wer so etwas begeht ist nicht normal, muss verrückt sein, ist schwer traumatisiert oder verfolgt ideologisch verblendete Absichten.
Vor noch nicht allzu langer Zeit, war das Risiko gewaltsam getötet zu werden im Vergleich zu heute hoch. Nicht selten wurde man damals dafür sogar ausgezeichnet und diese Menschen lebten nach ihren Taten trotzdem zivilisiert und sozial integriert ihr Leben weiter. Aber nicht nur damals, sondern auch heute, in anderen Ländern ist die Gefahr um einiges höher. Viele Morde finden auch innerhalb von Beziehungen statt. Der Mörder sieht in so einer Situation keinen anderen Ausweg oder möchte sich rächen.
Es ist also schwer zu sagen, ob wirklich all diese Menschen nicht „normal“, empathielos oder gar psychisch gestört sind. Vielleicht schreckt uns auch genau deshalb das Töten so sehr ab und fasziniert uns andererseits so sehr. In unserem geregelten Alltag und dem sicheren Umfeld gibt es einfach keinen Platz für solche schrecklichen Dinge.

Es wird deutlich, dass es gar nicht so einfach ist einen klaren Stereotypen für einen Mörder zu definieren, da die Taten auf den unterschiedlichsten Motiven basieren. Was dennoch feststeht: Um als „normaler“ Mensch zu solch einer Tat fähig zu sein bzw. ein instrumenteller Gewalttäter zu werden, das heißt Gewalt als Strategie anzusehen, um Konflikte zu lösen, müssen wir aus der Bahn geworfen werden oder uns in einer absolut ungünstigen Konstellation befinden bzw. uns einen klaren Vorteil aus der Situation ziehen.
Chronische Gewalttäter machen einen großen Teil von Mördern aus. Sie leiden an einer antisozialen Persönlichkeitsstörung und sind bereits in ihrer Kindheit auffällig. Auch Auffälligkeiten im Gehirn können auf diese impulsiven Gewalttäter hinweisen. Neurowissenschaftler konnten zeigen, dass impulsive Gewalttäter Veränderungen in der Anatomie und Funktion des präfrontalen Kortex, einem Areal hinter der Stirn, aufweisen. Normalerweise hemmt dieses Areal bei Menschen aggressive Impulse, bei ihnen ist das nicht der Fall. Darüberhinaus tritt das Gefühl, sich bedroht zu fühlen auch viel schneller ein, als bei anderen Menschen.

Zur kleinsten aber auch gefährlichsten Gruppe der potenziellen Mörder zählen die Psychopathen. Sie lernen weder durch Bestrafung, noch Belohnung und benötigen meist für ein Gewaltverbrechen kein Motiv. Auch sie zeigen Auffälligkeiten im präfrontalen Kortex, wie bei den impulsiven Tätern. Jedoch gibt es einen Unterschied: Ihr Mandelkern, das Furchtzentrum ist nich hyperaktiv, sondern völlig still. Daher empfinden viele von ihnen keine Angst. Menschen mit einem psychopathischen Charakter sind nicht in der Lage, sich in andere Menschen hinein zu fühlen, da sie selbst keine Gefühle haben, sie sind wortwörtlich dazu bereit über Leichen zu gehen.

(Bild 2: Quelle: Pixabay)

Dennoch ist es wichtig zu erwähnen, dass veränderte Gehirnfunktionen oder genetische Vorbelastungen niemanden zum Mörder machen. Geborgenheit und ein sicheres soziales Umfeld können dem positiv entgegenwirken, sodass die betroffenen Personen völlig unauffällig bleiben. Denn meist gelten die Täter selbst als Opfer der Gewalt und ahmen die Grausamkeiten, die ihnen zugefügt worden sind nach.

Der schreckliche Fall von Elisabeth Fritzl veranschaulicht das Verhalten des Täters Josef Fritzl und verdeutlicht, inwieweit ihn seine Vergangenheit in seinem Tun beeinflusst. 24 Jahre sperrte der Vater seine Tochter in einen gefängnisartigen Keller ein, folterte und vergewaltigte sie tausendfach und verbrannte eines der sieben gemeinsamen Kinder in einem Holzofen. Mit 41 Jahren gelang es Elisabeth aus dem Keller zu fliehen und die Geschichte der Polizei zu erzählen. Keiner konnte glauben, dass der angesehene Geschäftsmann in seinem Keller ein übler Sadist war. Mit seiner sozial akzeptablen Fassade versteckte er seine höchst gefährlichen Aggressionen hervorragend. Josef Fritzl sitzt seine lebenslange Strafe in einem Hochsicherheitsgefängnis ab und ist sich seinen Taten sehr bewusst. Dennoch sei es für ihn wie eine Sucht gewesen und dass er eigentlich seine Tochter nur vor der Welt beschützen haben wolle. Nach Gesprächen wurde auch deutlich, dass Fritzl ein Nachahmungstäter war. Seine alleinerziehende Mutter isolierte ihn ebenfalls von der Außenwelt und misshandelte ihn mehrfach. Er wurde dadurch von einem hilflosen, ausgelieferten Kind zu einem Erwachsenen, der beherrschen wollte.

Schlussendlich sind in den meisten Kriminalfällen letztlich alle Opfer: die Toten, die Leidenden, die Familien, die Täter, die Freunde. Keiner wird als Mörder geboren, das heißt eine genetische Vorbelastung macht noch niemanden zu solch einen Menschen, sondern Ausnahmesituationen, traumatische Erlebnisse in der Vergangenheit oder Wut und Hass können die Ursache für dieses Handeln sein. Es ist wichtig die Verbrechen zu verstehen, nicht wegzusehen, um ihnen dadurch vorzubeugen, damit es nicht noch mehr Opfer gibt.

Maxine Gerigk

Quellenverzeichnis
Bücher
Mark Benecke, Lydia Benecke, „Aus der Dunkelkammer des Bösen“, 3. Auflage, Bastei Lübbe, 2013
Internet-Quellen
https://www.zeit.de/2012/42/Toeten-Mord-Psychologie-Kriminalistik
https://www.tagesspiegel.de/berlin/psychologie-des-mordes-es-gibt-totschlaeger-die-sich-nach-der-tat-einkoten-und-erbrechen/23963468-2.html
https://www.hna.de/welt/fritzls-tochter-vor-zehn-jahren-entkam-elisabeth-9817430.html
https://www.n-tv.de/panorama/Als-der-Fall-Fritzl-die-Welt-schockierte-article20404258.html
Podcast
Die ZEIT ONLINE, Zeit Verbrechen

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