Erwachsene Leute, die sich in Kostüme zwängen und denken, das ganze Jahr wäre Fasching. Das ist doch einfach peinlich, oder?

Cosplayer gelten gemeinhin als närrisch und nonkonform. Sind das wirklich alles Freaks, die ihr „echtes Leben“ langweilig finden und sich deshalb vor der Realität verstecken? Oder hat das Ganze etwa andere Gründe?

Heißt Cosplay wirklich gleich Carneval? Geht es dabei nur um Selbstdarstellung und onlyFans? Haben alle Cosplayer Angst vor der Realität und flüchten sich in die Fantasie?

So ein Schwachsinn!! Mit Unterstellungen wie diesen, werden Cosplayer ständig konfrontiert. Sie werden oft mit Gamern, Manga- und Anime-Fans gleichgesetzt. Alle zusammen seien Nerds, die zuhause bei Mutti wohnen, keine Freunde haben und sich deswegen in eine Fantasiewelt flüchten. 

„Wie kannst du nur so viel Geld für diesen Schmarrn rauswerfen?“, „Du bist auch irgendwie im Kindergarten stecken geblieben!“, „Ist es dir nicht peinlich so gesehen zu werden?“.

Diese und viele andere Vorurteile muss man sich ständig anhören, wenn man jemandem von seinem Hobby erzählt.

Was genau ist Cosplay eigentlich?

Der Begriff ist eine Kombination aus „Costume“ und „roleplay“ und bezeichnet ein Hobby, bei welchem man sich als ein bestimmter Charakter verkleidet und diesen mit Mimik, Gestik, Ausdrucks- und Handlungsweise darstellt. Seinen Ursprung hat diese Kultur in Japan, weshalb viele Außenstehende denken, dass die Auswahl der Charaktere lediglich auf Animes und Mangas beschränkt ist. Das entspricht allerdings nicht der Wahrheit!

Als häufigste Vorlagen dienen Comics, Filme, Serien, Computerspiele oder Romanfiguren. Aber grundsätzlich kann man eigentlich Alles und Jeden darstellen, den man möchte.

Für viele Leute sind Conventions oder Comic-Messen wohl zunächst sehr befremdlich:

Tausende von seltsamen Gestalten, in den kuriosesten Aufmachungen, flanieren die Gänge entlang und präsentieren sich stolz jeder Kamera. Prinzessin Peach zu sehen, die mit einem Stormtrooper und Spiderman Karten spielt, kann auf den ersten Blick ein bisschen verwirrend sein. Daher ist es nachvollziehbar, dass man da nicht so leicht den Durchblick bekommt.

Hinter Cosplay steckt allerdings mehr als nur Conventions.

Es ist ein wahnsinnig vielseitiges Hobby, das man auf die unterschiedlichsten Weisen ausleben kann. Klar, dass der Austausch mit anderen Fans in gewaltigen Messehallen für die meisten das Jahreshighlight ist, aber es gibt noch so viel mehr, um sich in diesem Hobby zu verwirklichen.

Model, Designer, Fotograf und Bühnenbildner in einem

Ob vor oder auch hinter der Kamera, Cosplayer sind vielseitig kreativ und finden in den verschiedensten Bereichen ihre Erfüllung.

Das Endprodukt möchte man selbstverständlich voller Stolz vorstellen. Dafür sind wohl Fotoshootings das gängigste Mittel. Es ist eine große Freude, wenn man hierzu mit einem Fotografen zusammenarbeiten kann. Allerdings muss man auch einfach manchmal die Sache selbst in die Hand nehmen und das Beste aus dem, was einem zur Verfügung steht machen. Also kommt man um Selfies und Home-shootings mit Selbstauslöser eher nicht herum.

Außerdem gibt es natürlich noch den aufwendigsten und leider auch kostspieligsten Aspekt dieser Freizeitaktivität: der Bau der Kostüme

Wochenlanges Sammeln von Referenz-Bildern, schweißtreibendes Suchen von Stoffen und Schnittmustern und anschließend nerven- und fingeraufreibendes Nähen, Kleben, und Formen von Bergen aus Tüll, Kunstleder, Hartplastik oder Schaumstoff.

Nicht nur als tapferes Schneiderlein kann man sich kreativ ausleben. Jede Art von Kreativität und selbst eingebrachten Ideen ist herzlich Willkommen. Es gibt wahre Künstler, die Waffen, Flügel, Hörner und Rüstungen aus dem Nichts erschaffen können. Aber nicht jeder ist ein Freund der Nähmaschine oder ein Zauberer mit der Klebepistole. Stattdessen suchen sich viele lieber die einzelnen Kostümteile zusammen und kaufen sie fertig. So oder so, steckt in jedem Outfit eine Menge Geld und vor allem Herzblut.

Außerdem ist noch kein Meister vom Himmel gefallen und jeder fängt mal klein an. Deswegen ist es umso wichtiger, dass man sich über Erfolge, wie das erste selbstgenähte Outfit, oder das erste selbstgebaute Rüstungsteil, freut und im Nachhinein stolz auf sich und seine verbesserten Fähigkeiten sein kann.

Wozu das Ganze?

Manche gehen Skifahren, andere stürzen sich ins Wasser und wieder andere spielen Fußball. Es wäre doch langweilig, wenn alle die gleichen Hobbies hätten. Und Langeweile ist etwas, das beim Cosplay definitiv niemals aufkommt.

Die Möglichkeit sich in jeden verwandeln zu können und alles sein zu können, wenn auch nur für ein paar Stunden, hätte doch jeder gern. Insofern: ja, Cosplay ist eine Flucht aus dem Alltag und der Realität. Aber wer braucht denn keine Auszeit von seinen alltäglichen Problemen. Lesen, Fernsehen oder Malen ist doch auch nichts anderes. Cosplayer bevorzugen es nur einfach diese Pause ein bisschen ausgefallener zu gestalten.

Jeder kann Alles sein!

Das ist wohl die wichtigste Botschaft.

Egal welche Hautfarbe, welches Geschlecht oder Sexualität. Egal wie alt, dünn oder groß, du kannst alles sein! Die Hauptsache ist, dass du dich wohl fühlst und einen Charakter darstellst, an dem dir viel liegt oder mit dem du dich identifizieren kannst. Cosplay ist eine Möglichkeit, um sich auszudrücken, kreativ auszuleben und Selbstvertrauen zu gewinnen.

Deswegen ist es doch eigentlich auch egal, was andere Leute darüber denken.

Das Leben ist zu kurz, um sich Gedanken zu machen, ob man mich jemand für kindisch und ein bisschen seltsam hält. Wenigstens nehmen wir uns nicht zu ernst und verbringen unsere Zeit mit etwas, das uns Freude bereitet.

In irgendeiner Weise stellen wir doch alle tagtäglich nur einen Charakter dar. Vielleicht machst du dir ja eines Tages selbst ein Bild davon, wie es ist mal zur Abwechslung in eine andere Rolle zu schlüpfen…

Michaela K.

Vielen herzlichen Dank an alle, die mir ihre Bilder zur Verfügung gestellt und mich mit ihren Erfahrungsberichten unterstützt haben.

Bildquellen:

Bild 1:

Links: Cosplayer: friendly-fox-cosplay – Fotograf: Michael G.

Mitte: jeckll.in.disguise

Rechts: Cosplayer: ravianna – Fotograf: whiskytasters – Bearbeitung: jeckll.in.disguise

Bild 2:

Links: Comic Con Germany Stuttgart, Bild aus eigener Produktion

Mitte: friendly_fox_cosplay und tomtom_501

Rechts: shryecosplay, ravianna, friendly_fox_cosplay und jeckll.in.disguise

Bild 3:

Links: „Tissaia de Vries“ Projekt von seamstressofmischief

Mitte: steampunk-Hut von friendly_fox_cosplay

Rechts:Lucille“ Projekt von seamstressofmischief

Bild 4:

Links: Cosplayer: shryecosplay – Fotograf: Tobias Schmelzer

Mitte: Cosplayer: friendly_fox_cosplay – Fotograf: Michael G.

Rechts: Cosplayer: seamstressofmischief – Fotograf: Sandra Beuck

 

Quellenverzeichnis

https://www.spieleratgeber-nrw.de/Was-ist-Cosplay.5547.de.1.html

https://www.nerdizismus.de/warum-cosplay-und-was-ist-das/

Disclaimer:

Ich kann nicht für alle Cosplayer sprechen. Ich habe mich lediglich an meinen persönlichen Erfahrungen und Erzählungen von Freunden und Bekannten orientiert.

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