Wir leben in einer schnell voranschreitenden Zeit, die von innovativen Technologien und eilenden Menschen gekennzeichnet ist. Dem Begriff Multitasking wird eine immer wichtig werdende Rolle zugeschrieben. Ob im Büro, auf den Straßen oder zuhause – je schneller, desto besser. Dass die Qualität dadurch Einbußen erleidet, wird vernachlässigt. Ein russisches Sprichwort besagt: „Wenn du zwei Kaninchen gleichzeitig jagst, gehen dir beide durch die Lappen.“ Das bedeutet, dass man bei dem Versuch zwei Dinge gleichzeitig zu tun, scheitern wird. Somit stellt sich die Frage: Gibt es eine bessere Methode um erfolgreich im Leben zu sein?

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Multitasking = Effektivität?

Clifford Nass, ein Professor an der Universität von Stanford, testete 2009 diese Angewohnheit mit seinem Forschungsteam und 262 Studenten. Die Probanden sollten zuerst einen Fragebogen beantworten, indem sie bestimmten, wie oft sie Multitasking betreiben. Anschließend teilte er die Studenten in zwei Gruppen ein, bei der die eine Gruppe aus häufigen Multitasker bestand und die andere aus Seltenen. Die Studie wurde mit der Annahme getestet, dass die Multitasker bessere Ergebnisse abliefern würden. Diese Hypothese wurde wiederlegt, da genau das Gegenteil der Fall war. Die häufigen Multitasker schnitten in jedem Aufgabenbereich schlechter ab, als die andere Testgruppe. Der Grund dafür ist die geteilte Aufmerksamkeit, die man den zu erledigenden Aufgaben schenkt, da man zwischen ihnen hin und her wechselt, bis sie erledigt sind. Effektives Arbeiten wird erreicht, wenn man sich nur auf eine Sache konzentriert und eins nach dem anderen zu Ende bringt. Man spricht hierbei von Fokus.

Wenn man sich überlegt, dass uns täglich mehr als 4000 Gedanken durch den Kopf schießen, hat diese Aussage einen wahren Kern. Nebenbei mehrere Dinge gleichzeitig und produktiv zu erledigen, erscheint uns als unvorstellbar. Für alle Befürworter des Multitaskings: Ja, es gibt die Möglichkeit zwei Dinge gleichzeitig zu tun, aber wir können uns nicht auf zwei Dinge gleichzeitig fokussieren. Wer kennt es nicht? Wenn man mit seinem Arbeitskollegen zur Cafeteria läuft, nebenbei einen Kaffee trinkt und sich über das Wochenende des anderen erkundigt, kann man sich nicht auf alles gleichzeitig konzentrieren. Vielleicht hört man nur mit einem halben Ohr zu oder schüttet im schlimmsten Fall den Kaffee über das Hemd. Man sieht, dass das Problem in unserer heutigen Zeit nicht die fehlende Zeit ist, die uns zur Verfügung steht um alle Aufgaben zu erledigen, sondern das wir meinen, alles gleichzeitig tun zu müssen.

Dabei tauchte der Begriff „Multitasking“ erst in den 1960er Jahren im Bereich der Computer auf. Ursprünglich wurde mit diesem Wort die Fähigkeit eines Computers beschrieben, der im Bruchteil einer Sekunde mehrere Aufgaben erledigen konnte. Jedoch haben Computer für viele Aufgaben abwechselnd eine Ressource beansprucht, die CPU – die zentrale Steuereinheit und das Rechensystems eines Computers. Sie können dabei nur eine Information gleichzeitig bearbeiten, wodurch dies in einen falschen Kontext gesetzt wurde. Man ging davon aus, dass viele Aufgaben von ein und derselben Ressource erledigt wurden, weil alles innerhalb einer Sekunde ablief. So hat sich die Angewohnheit von Multitasking auf den Menschen übertragen.

Fokus als Lösungsansatz

Das Wort „Fokus“ kommt aus dem Englischen und wurde im Deutschen eins zu eins übernommen. Bildungssprachlich gesehen ist es der Schwerpunkt oder Mittelpunkt des Interesses, einer Sache oder einer Auseinandersetzung. Das Interessante dabei ist die Tatsache, dass es laut Duden eine Mehrzahl von Fokus gibt. Fokusse. Es treten hierbei Unklarheiten auf. Wenn der Fokus der Mittelpunkt eines Interesses ist, dann kann es nicht mehrere FokusSE geben. Wenn man seine jetzige Aufgabe erledigen möchte, liegt der Fokus nur auf dieser einen Aufgabe. Oder wie Wolf Schneider, bekannter Rhetoriker und Autor, zu pflegen weiß: „Fokussieren ist das inflationär benutzte Modewort für konzentrieren.“ Man kann sich eben nur auf eine Sache konzentrieren.Konzentration bzw. Fokus wird als die Eigenschaft beschrieben, um erfolgreich im Berufs- und Privatleben zu sein. Hierbei ist die wohl schwierigste Hürde die Denkweise.

Fokus wird als die produktivste Eigenschaft beschrieben, um erfolgreich im Berufs- und Privatleben zu sein. @romain-vignes/unsplash

Aktionistisches vs. zielorientiertes Denken

Nun ja, was ist dann die richtige Denkweise? Die richtige Denkweise ist das zielorientierte Denken. Zielorientiert bedeutet, dass stets das Ziel in den Mittelpunkt gerückt wird. Im Bezug auf die Mauer hält der zielorientierte Mensch inne und überlegt, wie er über diese kilometerlange und fünf Meter hohe Mauer gelangt. Vielleicht könnte man mit Hilfe eines Seils die Mauer erklimmen? Diese Idee wird ausprobiert. Leider gescheitert. Ja gut, dann überlegt man sich etwas anderes. Vielleicht mit einer Leiter…? Der zielorientierte Mensch versucht beim Auftreffen der eigenen Leistungsgrenze neue Methoden heranzuziehen, um sein Ziel zu erreichen. Er reflektiert immer wieder was sein Ziel ist und was es benötigt dieses Ziel zu erreichen. Wenn er dabei an seine Grenze – fünf Meter hohe und kilometerlange Mauer – stößt, sucht er sich Methoden diese zu überwinden. Falls die Methode nicht funktioniert, werden Neue ausprobiert oder Vorbilder hinzugezogen, die dieses Ziel bereits erreicht haben. Zielorientierte Menschen wissen: um ein anderes Ergebnis zu erhalten, benötigt es ein anderes Vorgehen. Dabei kann das zielorientierte Denken teilweise länger dauern, dafür ist es langfristig effektiver und dem aktionistischen Denken immer überlegen.

Das aktionistische Denken und anschließende Handeln sollte vermieden werden, wenn man Erfolg haben möchte. Aktionismus beschreibt zielloses Handeln ohne Konzept dahinter. Man sieht etwas, was man tun will oder was getan werden muss und schon macht man sich mit Enthusiasmus an die Arbeit. Ziele werden nicht zu Ende gedacht und das kann dazu führen, dass mehrere Dinge angefangen werden, aber letztendlich keines davon zu Ende gebracht wird. Man stößt hierbei auf die eigene natürliche Leistungsgrenze, bei der man nicht mehr weiterkommt. Diese Leistungsgrenze kann man sich wie eine fünf Meter hohe Betonmauer vorstellen, die sich über Kilometer hinweg, streckt. Ein aktionistischer Mensch trifft auf ein Problem. Die Mauer. Anstatt sich Gedanken zu machen, wie und mit welcher Methode er über diese Mauer kommt, um sein Ziel zu erreichen, das sich auf der anderen Seite befindet, gibt er auf und sucht nach einem anderen Weg sie zu umgehen. Sobald er bei einem anderen Weg auf die gleiche Mauer stößt, ist er enttäuscht, aber fängt mit der gleichen Strategie von vorne an. Die „Anstrengung“ auf sich zu nehmen, über diese Mauer zu klettern, möchte er nicht in Kauf nehmen.

Zusammenfassend kann man sagen: um erfolgreich zu sein, richte deinen Fokus stets auf eine einzelne Aufgabe und versuche nicht, mehrere Dinge gleichzeitig zu tun. Wenn du auf deine eigene Leistungsgrenze stößt, sei offen für Neues und probiere verschiedene Methoden aus sie zu überwinden. Eine weise ältere Dame hat einmal gesagt: „Wenn du immer sagst, was nicht möglich ist, dann musst du mit deinen Beschränkungen leben!“

Tamara Kientsch

Quellen:
Gary Keller, Jay Papasan – The One Thing
https://www.duden.de/rechtschreibung/Fokus#Bedeutung3

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