Bedienung, Biologin, Beamtin oder beschäftigungslos ? – vom Leiden der Berufswahl und wie uns Erwartungen prägen.

 

Laut einer Studie des Deutschen Zentrums für Hochschul- und Wissenschaftsforschung brechen mehr als 25 % der Studenten ihr Bachelorstudium ab. Jeder Vierte beendet sein Ausbildungsverhältnis frühzeitig.

Aber was ist der Grund oder die Gründe dafür?

Auszubildende geben unter anderem Probleme mit Vorgesetzten, schlechte Arbeitsbedingungen, aber auch falsche Berufsvorstellungen an.

Studenten stehen seit dem Bologna-Prozess und der Verschulung des Studiensystems oft vor Finanzierungsproblemen. Zusätzlich fühlen sich viele den Anforderungen ihres Studienfachs nicht gewachsen und zeigen mangelnde Motivation.

Was haben beide Gruppen gemeinsam?

Junge Erwachsene leiden unter hohem Erwartungsdruck. Ausgelöst durch die Gesellschaft, ihrem näheren Umfeld, von außen. Aber auch die eigenen Erwartungen und Ansprüche  spielen eine große Rolle. Diese internen und externen Faktoren beeinflussen den Weg zum Berufseinstieg enorm.

 

ICH:

Auszubildende: 23 Jahre, aufgewachsen in einer „Gastrofamilie“, Abitur, 2 abgebrochene Studiengänge.

Welche Einflüsse prägen mich und viele andere? Welche Erwartungen entstehen

dadurch?

 

Wer bin ich?

Diese Frage stellt sich jeder nicht nur einmal im Leben.

Egal ob jung oder alt, jeder strebt nach Selbstfindung. Es ist beinahe ein Trend sich dauerhaft mit sich selbst zu beschäftigen. Und je nach aktueller Lebenssituation, ist die Antwort auf die Frage oft eine andere.

Doch wer ist man wirklich?

Zurück zum Ursprung. Jeder ist  das Kind seiner Eltern.

Durch sie wird man von Geburt an geprägt. Teilweise bewusst, meistens unbewusst.

Durch Verhaltensweisen, die man sich aneignet, durch die Erziehung.

Doch meistens sind die Eltern ein Vorbild. Positiv oder negativ.

 

Meine ELTERN:

Vater

Ursprung:                  Aus gutem Hause

Schulabschluss:         mittlere Reife

Erlernter Beruf:        Elektriker

Tatsächlicher Beruf: Großgastronom

Erwartungen:             sollte Abitur machen und studieren

Erwartungen:             nicht erfüllt

Lebenstraum:             ein eigenes Restaurant

Lebenstraum:             mehr als erfüllt, 3 Restaurants

 

Mutter

Ursprung:                    Aus gutem Hause, streng katholisch erzogen, alte Rollenvorstellungen

Schulabschluss:           mittlere Reife

Erlernter Beruf:          Arzthelferin

Tatsächlicher Beruf:   Chefin der Restaurants

Erwartungen:              sollte Schneiderin lernen

Erwartungen:              nicht erfüllt

Lebenstraum:              Abitur und studieren

Lebenstraum:              erfüllt

 

Einfluss auf MICH:

Schon seit der Kindheit arbeite ich bei meinen Eltern im Betrieb mit. Angefangen als Spülerin habe ich mich zur Bedienung hochgearbeitet.

Was habe ich gelernt?

Man muss für sein Geld hart arbeiten. Meine frühe Erkenntnis: Ich möchte nie selbstständig sein.

JOB 1: Bedienung

 

Wer möchte ich sein?

 

Gute Frage. Die Frage. Aber wer weiß darauf schon eine Antwort? Wie findet man die Antwort?

Man muss Entscheidungen treffen. So wird man zu dem Menschen, der man sein möchte.

Schon am Ende der Grundschule geht es los.

Ist die richtige Schulart gefunden oder auch zwangsweise erfolgt stehen weitere Entscheidungen für die SchülerInnen an: die Wahl der Sprache, die Wahl des Zweiges eventuell auch noch die Wahl des Abschlusses. Und auf einmal geht alles sehr schnell. Der Abschluss steht bevor, aber was folgt danach?

Richtig. Die wichtigste Entscheidung steht an. Welchen Beruf soll/kann man erlernen? Eine Frage, die geprägt wird durch die verschiedensten Einflüsse. Die Aufgabe des Schülers? Die richtige Antwort finden.

 

Einflüsse auf MICH:.

Erwartungen der Familie:      Aus dir soll etwas Besseres werden als aus uns.

Erwartungen der Schule:       Du hast Abitur. Du gehörst zur Elite Bayerns. Geh studieren und mach Karriere.

Einflüsse der Freunde:           Alle gehen studieren.

 

JOB 2: Biologin                        (werden)

 

 

Wie werde ich zu dem, was ich sein will?

 

Die schwierigste aller Fragen. Jeder junge Mensch baut sich nach dem Schulabschluss so langsam sein eigenes Leben auf. Plötzlich muss man auf eigenen Beinen stehen.

Alles ist neu. Neue Stadt (vorausgesetzt man zieht zuhause aus), neue Freunde, neues Umfeld, neues Leben. Neue Aufgaben und berufliche Herausforderungen, denen man sich stellen muss. Viele Entscheidungen die man alleine treffen kann/darf/soll. Und damit kommt bei vielen die Überforderung. Der Druck steigt. Oft auch finanziell. Unangenehme Fragen können sich einschleichen.

 

Fragen an MICH:

Frage 1:                                  Hat mein Studium Zukunftschancen?

Frage 2:                                  Macht mich mein Studium glücklich und möchte ich diesen Beruf wirklich einmal ausüben?

Antwort:                                 NEIN

Folge:                                      Notbremse ziehen. Studienabbruch.

 

Alles zurück auf Anfang. Zurück nach Hause. JOB1: Bedienung.

 

Anlauf 2:

 

Findungsphase:                     Was kann ich?

Antwort:                                 keine Ahnung

Eigene Erwartungen:            Nichts. Du hast eh schon versagt.

Erwartungen der Familie:    Du musst was Richtiges lernen.

Einfluss:                                   Bester Freund, studiert Lehramt

Folge:                                       Immatrikulation als Lehramtsstudentin

Gedanken:                               sicherer Beruf, viel Freizeit, gutes Gehalt

 

JOB3: Beamtin                       (werden)

 

1,5 Jahre später:                    Vergeigte Prüfungen und Zweifel. Schulden. Unfall in der Familie.

 

Studienabbruch. JOB1: Bedienung.

 

Zum ersten Mal wird es mir klar. Alles fing damit an, dass andere

Menschen für mich Entscheidungen getroffen haben. Ich wollte ihre Erwartungen erfüllen.

Ich habe nie darüber nachgedacht…

 

Was will ich?

 

Das ist die essentielle Frage. Jeder muss sich darüber Gedanken machen um am Ende mit

der Berufswahl, die man trifft, glücklich zu werden.

In unserer heutigen Gesellschaft stehen junge Menschen unter massivem Leistungsdruck.

Jeder soll so schnell wie möglich einen wahnsinnig guten Abschluss machen. So schnell wie

möglich studieren oder eine Ausbildung machen, umso schnell wie möglich auf dem

Arbeitsmarkt konkurrenzfähig zu sein. Denn gute Arbeitsplätze sind heiß umkämpft.

Junge Menschen haben heutzutage keine Zeit mehr, um sich wirklich damit

auseinanderzusetzen wer sie wirklich sind und was sie wollen. Somit wird man durch viele

Einflüsse und Erwartungen nicht nur von der Außenwelt geprägt. Nein! Man übernimmt diese

sogar, ohne sich wirklich bewusst zu sein, was man selber will.

 

An meinem Beispiel: Ich bin ein Arbeitstier. Deshalb will ich arbeiten gehen und mache nun eine Ausbildung. Mein Ausbildungsberuf ist vielleicht nicht der Beruf, in dem ich mein Leben lang arbeiten werde. Aber: Ich bin glücklich, weil ich mich selbst dazu entschieden habe. Und diesmal ziehe ich es durch.

 

JOB4: Bibliothek

 

Wer nichts wird, wird Wirt… (wie auch schon mein Opa zu sagen pflegte)

 

Mein Papa ist Wirt geworden. Er hat seinen eigenen Lebenstraum erfüllt.

Entgegen der Erwartungen anderer. Entgegen  den Wünschen seiner Eltern und vielen Widerständen. Das Entscheidende: Er ist glücklich.

 

….und wenn er Betriebswirt wird.

 

Deshalb möchte ich euch etwas mit auf den Weg geben.

Egal was andere sagen oder von euch erwarten. Hört auf euch selbst und euer Bauchgefühl.

Egal ob Studium oder Ausbildung. Wenn ihr das macht, was ihr wollt, werdet ihr glücklich sein.

 

Hat er dann noch nichts getan, geht er zur Post oder zur Eisenbahn.

 

Habt keine Angst vor Veränderungen.

Aktuelle Studien besagen, dass jeder von uns in seinem Leben 5 Berufe haben wird.

In diesem Sinne, stellt euch immer die Fragen.

Wer bin ich? Wer will ich sein? Was will ich? Wie werde ich zu dem was ich sein will?

Beachtet die richtige Reihenfolge.

 

Viel Glück!

 

Autorin: FM

Categories: Beruf, Bildung, Familie

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