Island – Der einst gefürchtete Wikinger-Inselstaat, hat sich inzwischen zu einem der aufregendsten Reiseorte unserer Zeit entwickelt. Kein Wunder, denn dieses sagenumwobene Land zeigt einen wahrlich einzigartigen Natur-Wandel zwischen Lavafeldern und grünen Weiden, imposanten Wasserfällen, Vulkanen, hin zum größten Gletschergebiet Europas.

31. Mai – 01. Juni 2019

Nun war es so weit, die Reise ins atlantische Naturparadies Island, konnte beginnen. Von München aus flogen wir ca. vier Stunden nach Keflavík, von dort aus ging es bequem mit dem Shuttle-Bus in die nahegelegene Hauptstadt Reykjavík. In unserer kleinen Unterkunft angekommen, richteten wir uns zunächst ein und machten uns dann auf den Weg, um etwas zu essen. Wie es sich für Rockmusik-Fans wie uns gehört war unsere erste Adresse natürlich das Hard-Rock Café. Es mag zunächst seltsam klingen, dass es so hoch im Norden so etwas gibt, aber Reykjavík hat sich längst zu einer echten Metropole entwickelt. Immerhin leben hier mit knapp 130.000 Einwohnern fast 40% der Gesamtbevölkerung.  Als wir uns dann schließlich um 23 Uhr schlafen legen wollten, haben wir erst realisiert, dass es von Mai bis August, mitternachts hell bleibt, obwohl die Sonne kurz davor untergeht.

Da wir in unserem Zimmer auch nur eher dünne Vorhänge hatten, war die erste „Nacht“ auf Island doch eher etwas ungewöhnlich. Nichtsdestotrotz machten wir uns am nächsten Morgen früh auf zur „Hallgrímskikja“, der großen evangelischen Kirche im Zentrum der Stadt. Ein sehr imposantes Bauwerk und mit einer der schönsten Gotteshäusern die ich je besucht habe. Neben dieser stand ein großes Monument zu Ehren des isländischen Entdeckers Leif Eriksson. Dieser gilt als erster Europäer, der das amerikanische Festland betrat. Dort wurden wir für die „Golden Circle“-Tour abgeholt. Diese Route ist so etwas wie „Island im Schnelldurchlauf“, also der ideale Einstieg um die Natur der Insel besser kennenzulernen.

Zunächst ging es in den „Thingvellir Nationalpark“, die heiligste Stelle der Isländer. Wir spazierten durch die Felsen, bis wir schließlich genau zwischen zwei Kontinentalplatten standen. Mit dem einen Fuß auf der europäischen und mit dem anderen auf der amerikanischen. Thingvellir liegt nämlich in einer Grabenbruchzone, heißt die Insel wird hier buchstäblich von den Erdplatten langsam in zwei Teile gerissen. Die Magie dieses Orts zog schon sehr früh seine Bewohner an. So wurde hier über viele Jahrhunderte lang die traditionelle Versammlung „Althing“ abgehalten, welche eine wichtige gesetzgeberische, als auch gerichtliche Funktion hatte. Vielen Fans der Serie „Game of Thrones“ wird der Nationalpark auch als „Westeros“ bekannt vorkommen, die meisten Außen-Szenen wurden nämlich hier abgedreht. Nach einer Stunde Fahrt erreichten wir den wohl bekanntesten Wasserfall der Insel: „Gullfoss“ der goldene Wasserfall. Hier stürzen über zwei Fels-Stufen, 1000 m3 Wasser pro Sekunde in die 70 m tiefe Schlucht des Flusses „Hvítá“. Die nächste Attraktion war der Geysir „Strokkur“ (übersetzt das „Butterfass“), der uns gleich bei unserer Ankunft mit einer riesigen, in die Luft schießenden Wassersäule begrüßte. Übrig blieb nur eine kleine Pfütze und große Augen in den Gesichtern der Gäste. Jeder wollte ein Foto oder Video von diesem gewaltigen Naturspektakel haben und so standen wir in Reih und Glied da und warteten gespannt auf den nächsten Ausbruch. Zum Ende des Ausflugs, ging es in die „blaue Lagune“. Ein durch Kieselalgen blau-weiß gefärbtes Geothermalbad, das aus dem abgeleiteten Salzwasser des „Svartsengi-Erdwärmekraftwerk“ entstand. Das Baden in diesem 37 bis 42°C warmen Wasser soll sogar nachweislich gegen Hautkrankheiten helfen. In erster Linie soll man aber darin entspannen. Theoretisch ist das auch möglich, aber die Lagune war so gut besucht, da wirkte das Wellnessen eher wie ein Freibadbesuch im Hochsommer. Danach ging es wieder in die Unterkunft und wir sammelten unsere Kräfte für das nächste Abenteuer-Kapitel. 

02. Juni – 05. Juni 2019

Wir machten uns nun in den kalten Norden der Insel auf. Eher gesagt in Richtung „Grábrók-Vulkankrater“. Dieser liegt im Gebirgszug der „Ljósufjöll“, einem noch aktiven Vulkansystem, aber da der letzte Ausbruch vor ca. 1000 Jahren stattfand, gilt das Gebiet als recht sicher. Es war zwar sehr windig, aber die Aussicht am Krater hat sich mehr als gelohnt. Nach gut zwei Stunden, weiter nach Nordwesten, kamen wir am „Hvítserkur“ vorbei. Ein 15 m hoher Basaltfelsen, der einsam im schwarzen Strand der Küste steht. Einer isländischen Sage nach soll es sich bei dem Felsen um einen Troll handeln, der von der Sonne versteinert wurde, als er das Kloster „Þingeyrar“ mit Steinen bewarf. Nach weiteren zwei Stunden durch die tolle Landschaft, kamen wir im kleinen Hafenhotel des verschlafenen Fischerdorfes Dalvík an.

Am nächsten Tag machten wir uns auf zum „Goðafoss“, den meiner Meinung nach beeindruckendsten Wasserfall der Reise. In einer Breite von 158 m, die von drei Felsen unterbrochen wird, stürzt hier das Gletscherwasser in einem weiten Bogen in die Tiefe. Ich konnte mich gar nicht genug an diesem Naturspektakel satt sehen. Nach einer kurzen Schnee-Wanderung um den Goðafoss, machten wir halt an der „Grjótagjá“, eine Höhle mit einem kleinen, unterirdischen Thermalsee. Die Location ist inzwischen zu einer popkulturellen Attraktion geworden, da sie in der dritten Game of Thrones-Staffel als Drehort für die Liebesszene zwischen Jon Snow und Ygritte verwendet wurde. Da kriegt man direkt selbst wieder Lust auf Entspannung im warmen Wasser, zwar nicht in dieser heißen „Liebeshöhle“, aber dafür im nahegelegenen, geothermalen Naturbad am See Mývatn. Dieses steht seiner großen Schwester, der blauen Lagune, in nichts nach, nur geht es hier eindeutig ruhiger zu und man kann sich wahrhaftig treiben lassen.

Gut ausgeruht, fuhren wir weiter durch die leicht schneebedeckten Vulkanlandschaften, bis wir schließlich das sagenumwobene „Dimmuborgir“ erreichten. Die bizarr geformten Steine des Lavafelds erinnern an verfallene Ruinen von Burgen und Türmen. In der isländischen Mythologie wird die Gegend als Unterkunftsort von Elfen und Trollen gesehen. Beim Erkunden dieses natürlichen entstandenen Fels-Labyrinths, machte sich tatsächlich eine Art dunkle Ausstrahlung der Lava-Formationen breit, die ein einzigartiges Gefühl von Naturschönheit und Ehrfurcht spürbar machte.

Der Rückweg ging über die Kleinstadt Akureyri, wo wir ein Lokal zum Abendessen fanden. Wir kamen mit ein paar Einheimischen ins Gespräch und wurden über die Namensgebung der Isländer aufgeklärt. Ihren Vornamen bekommen die Kinder bei der Taufe und als Nachnamen den Vornamen des Vaters und je nachdem ob es ein Mädchen oder ein Junge ist, das Kürzel -dottir für Tochter oder -son für Sohn. Man lernt nie aus.

Für unseren letzten Reisetag stand dann noch etwas ganz besonderes auf dem Zettel: „Whale-Watching“. Vom Fischhafen Dalvík aus, fuhr uns eine Schiffs-Crew raus in den Atlantik. Es dauerte zwar ein wenig, aber es gelang uns trotzdem ein paar Buckel und Zwergwale, sowie Weißschnauzendelfine aufzuspüren und sie beim Auf- und Abtauchen zu bestaunen. Diese mächtigen Säugetiere in freier Wildbahn zu sehen, war ein unglaubliches Ereignis. Wieder an Land angekommen, hieß es anschnallen und zurück nach Reykjavík, wo wir noch eine Nacht verbrachten, bevor unsere Reise durch „Feuer und Eis“ ein Ende fand.

MICHAEL WOLF (Text und Bilder)

Categories: Allgemein, Natur, Reisen

Leave a Reply