Den perfekten Job gleich am Anfang der Berufskarriere zu finden ist unmöglich! Oder doch nicht? Mit der richtigen Herangehensweise, wird diese Aussage zu einer reinsten Lüge.

Jeder hat irgendwann das gleiche Problem: jahrelang Schulbänke durchgesessen, plötzlich erwachsen geworden, Abi geschrieben und jetzt? Nun kommt die angeblich wichtigste Entscheidung unseres Lebens: Was mache ich jetzt? Um meinen Lesern bei dieser Frage beizustehen und zu helfen, habe ich in meinem Artikel meine Erfahrungen zusammengeschrieben, in der Hoffnung, der unendlich komplizierten Frage eine Antwort zu geben.

Ich kann mich sehr gut in die Lage hineinversetzen, da ich mich selbst in jüngster Vergangenheit mit genau diesen Fragen gequält habe. Ungefragt kamen noch die Eltern, Bekannte und Verwandte hinzu, alle Experten auf ihrem Gebiet, und erschlugen mich mit ihren Ratschlägen. „Geh auf Jobmessen“, „Geh ins BiZ“, „Mach einen Schnelltest im Internet“, „Du kannst doch so gut mit Kindern, werde doch Kindergärtnerin“, „Such dir auf jeden Fall einen Job, wo du viel Geld verdienst und deine Kinder versorgen kannst.“

Jeden Tag vor dem Computer arbeiten… (Quelle: https://unsplash.com/photos/zFSo6bnZJTw)

Und auf wen sollte ich jetzt hören? Auf Jobmessen geht man doch nur, um Werbegeschenke einzusammeln. Schnelltests im Internet führen eher zum Gegenteil und verraten mir, was ich auf gar keinen Fall werden möchte. Und warum sollte ich ein Beruf ausüben, indem ich zwar viel Geld verdiene aber überhaupt nicht glücklich werde?

Was ich persönlich aus den Tipps meiner Angehörigen gelernt habe, war, mir nichts einreden zu lassen. Schließlich verbringe ich in der Arbeit die meiste Zeit meines Lebens. Dieser Druck, den perfekten Job zu finden, der allen Ansprüchen an Glück, Sicherheit und Karriere erfüllt, ist enorm hoch. Andererseits sollte diese Entscheidung in Anbetracht der vielen Auswahlmöglichkeiten doch gar nicht so schwer sein, oder?

Meine Erkenntnis nach wochenlangen Gesprächen und Recherchen: Mein persönlicher Traumjob definiert sich darüber, welche Faktoren mir persönlich am wichtigsten sind. Und wenn ich diese Faktoren kenne, dann bin ich meinem Traumjob bereits einen großen Schritt näher. Und die eigenen Ansprüche sind gar nicht so unrealistisch und oft sind es nur Kleinigkeiten, die einen individuellen Unterschied machen.

Wenn ich an meine Jobfindungsphase zurückdenke, habe ich sie in drei grobe Phasen eingeteilt.

a) In der Orientierungsphase habe ich mir überlegt, was meine Stärken und Schwächen sind und diese auch von meinem engeren Umkreis bestätigen lassen, denn eigene Stärken herauszufinden, ist mir wahnsinnig schwergefallen. Anschließend habe ich mir überlegt, was mich wirklich interessiert, denn das Idealste ist schließlich eine Kombination aus Interessen und den persönlichen Stärken im Beruf zu finden.

Werbung fand ich persönlich schon immer spannend, weil sie es schafft in kürzester Zeit Aufmerksamkeit, Bedarf und Wünsche in Menschen wecken und zum Kauf zu verführen. Menschen für sich zu gewinnen und mitzureißen gehörte tatsächlich auch laut meinen Befragten zu meinen Stärken.

… oder ein Job mit Kindern? Du entscheidest. (Quelle: https://unsplash.com/photos/G57hY5cjCzo)

So war ich überglücklich, endlich etwas gefunden zu haben, was zu mir passen könnte. Nun überrannte mich die Frage nach dem perfekten Arbeitgeber, die vielen Bewerbungen und Bewerbungsgespräche, die jetzt auf mich zukamen. Was für ein Haufen Arbeit!

Ich begann nun mit b) der Jobsuche. Für mich machte es erst jetzt Sinn, auf Jobmessen zu gehen, um mit Marketingunternehmen und Spezialisten vom Fach zu sprechen, denn ohne konkrete Fragen und Ansprüche auf Jobmessen herumzuschlendern hat mir persönlich nichts gebracht. Ich brauchte immer ein klares Ziel vor mir.

Außerdem habe ich auch gelernt, wie wichtig es ist, sich anfangs ausführlich zu informieren und praktische Tipps der Profis mitzunehmen. Was sich anfangs als perfekten Job und perfekten Arbeitgeber herauskristallisierte, wurde schnell von noch einem besseren Job übertrumpft. Der Marketingbereich ist weitaus größer, als ich mir das immer vorgestellt hatte. Dazu kamen noch die zahlreichen Unternehmen und Agenturen nach der Suche nach Auszubildenden. Das schüchterte mich zunächst sehr ein. Meine Kriterien bei der Auswahl für einen perfekten Arbeitgeber waren Internationalität, Übernahmechancen, Zusammenarbeit mit wahren Spezialisten und besonders wichtig: das Bauchgefühl!

Ob ein Unternehmen wirklich der perfekte Arbeitgeber für mich war, merkte ich schnell an dem Verhalten der Mitarbeiter während eines Gesprächs auf der Jobmesse. Wurden meine Fragen ausführlich und mit dem nötigen Respekt beantwortet? Nahmen mich meine Gesprächspartner ernst und konzentrierten sich auf mich? Hatte ich nach dem Gespräch Lust meinen Gesprächspartner wieder zu sehen?

Ist man nun mit der Jobsuche fertig, kommt c) die Bewerbungsphase. Im Bewerbungsprozess ist es sehr wichtig geworden, Selbst-Marketing zu betreiben: ein Mix aus Show und Authentizität. Zu lernen, sich ausschließlich auf seine Stärken zu konzentrieren und diese im Gespräch anschaulich und ohne jeden Selbstzweifel zu präsentieren, war ein persönlicher Kampf, bei dem ich wieder unglaublich viel dazu gelernt habe.

Es fiel mir persönlich schwer, mich vor den Laptop zu setzen und auf nur wenigen Seiten eine perfekte, und gut durchdachte Bewerbung zu zaubern, die auch authentisch ist. Auch wenn es an sich ein alter Spruch ist, er passt hier: Für den ersten Eindruck gibt es keine zweite Chance. Deswegen ist die Bewerbung (der erste Eindruck) extrem wichtig, denn sie öffnet die Tür zum persönlichen Kennenlernen.

Als ich nach stundenlangem Sitzungen vorm PC dann doch Bewerbungen verschickt hatte, mit denen ich zufrieden war, kamen schnell die ersten Einladungen zu „persönlichen Interviews“ oder Assessmentcenter. Yes! Ich konnte jemanden auf dem Papier überzeugen! Nur konnte ich das auch face to face?

Erwartet hatte man von solchen Einladungen oft deutlich zu viel. Anscheinend ist es das Normalste auf der Welt, sich herauszuputzen, voller Angstschweiß und Aufregung mit irgendwelchen Experten des (in meinem Fall) Marketings beim Bewerbungsgespräch zu reden und letztendlich dann doch eine Absage zu bekommen. Und das immer und immer wieder. Kunst dabei ist, Absagen nicht persönlich zu nehmen und trotzdem noch das gewisse Selbstvertrauen zu behalten, um beim nächsten Bewerbungsgespräch wieder alles geben zu können. Und das hatte ich deutlich unterschätzt.

Rückblickend wurde mir aber klar: man kann gar nicht in jedes Unternehmen oder in jede Agentur perfekt hineinpassen. Jeder Arbeitgeber hat andere Erwartungen an seine Mitarbeiter und achtet auf andere Dinge und Kompetenzen. Wie langweilig wäre denn eine Persönlichkeit die so durchschnittlich ist, dass sie in jede Arbeitswelt perfekt hineinpasst? Auch wenn es bei mir nur wenige Absagen nach persönlichen Gesprächen waren, haben sie schon sehr an meinem Selbstbewusstsein gerüttelt, denn schließlich musste ich lernen mit Kritik konstruktiv umzugehen.

Ob es Glück oder Fügung war, weiß ich nicht. Doch schließlich bekam ich eine Zusage von einem Arbeitgeber, der mich während des gesamten Auswahlverfahrens begeistert hatte, weil ich zuverlässig, herzlich und trotz der vorhandenen Auswahlsituation wertschätzend behandelt wurde. Gerade weil ich mich dort so wohl gefühlt hatte, freute es mich ganz besonders, dass man sich für mich entschieden hatte.

Und endlich: mein Arbeitsvertrag lag im Briefkasten. Ich hatte es geschafft. Auch wenn mit großer Sicherheit nicht all meine Bekannte mit meiner Berufsentscheidung zufrieden sind, bin ich es umso mehr. Ich glaube, es gibt für jeden Menschen eine Berufung. Die einen finden sie früher, die anderen ein bisschen später. Hauptsache jeder findet seinen Weg und lebt. Egal was du ausprobierst, du hast keine Zeit verloren, sondern nur Erfahrungen gesammelt.

Niemals hätte ich gedacht, dass ich im Bewerbungsprozess viel über mich und über einige Krisenmomente dazu gelernt habe. Und ich glaube, ich bin dadurch auch ein Stück reifer geworden.

Categories: Allgemein, Beruf, Bildung

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