Ein etwas anderer Blick auf die Jugend

Wir wollen einzigartig sein und viel erleben, nicht an die Zukunft denken, aber vorsorgen. Die Jugend, die lassen wir uns für immer auf den Körper schreiben, damit wir sie in gerunzelter Tinte ewig auf unseren Armen begutachten können.
Jetzt müssen wir uns um andere Dinge kümmern: um unsere Bildung  – für einen guten Job. Um einen guten Job – fürs gute Leben. Um den Bausparvertrag – fürs gemütliche Eigenheim.
Leben das Leben des perfekten Lebenslaufs.
Wir haben keine Zeit mehr jung zu sein, wir sind zu sehr damit beschäftigt älter zu werden.

Goldfischglas

Wir haben tausend Möglichkeiten und wissen nicht welche wir zuerst nutzen sollen. Wissen nicht, wie wir das alles unter einen Hut packen. Die Jugend nicht verschwenden und die Zukunft nicht versauen. Die Welt diskutiert über uns. Wie wir über unsere Spezies in ganzen Büchern lesen können, sind wir:

faul, egoistisch, dumm. – Ich würde sagen: Wir. Sind. Einfach. Nur. Überfordert.

Früher. Früher war alles besser. Die haben noch was bewegt! Mauern eingerissen und Häuser davor gerettet. Wir fühlen uns bewegungslos. Das Goldfischglas um uns herum sehen wir nicht. Schwimmen fröhlich im Kreis, bis uns schwindelig wird.
Aber war früher wirklich alles so viel besser? Alles Weltveränderer?

Auf der Suche nach dem dicken Fisch

Um die Theorie der alten Weltveränderer und der neuen Egoisten zu hinterfragen hab ich mich auf den Weg zum Marienplatz gemacht.
Ich möchte Jugendliche, junge Erwachsene und die ältere Generation befragen, wie sie die beste Zeit des Lebens erleben und erlebt haben. Ich muss zugeben, ich habe mir gezielt Menschen ausgesucht, von denen ich dachte, sie erzählen mir spannende Geschichten.
Allerdings kam es anders als erwartet.

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Da waren Marianne und Hubert (55 und 53) ihre Jugend war mindestens so unspektakulär wie bisher meine, Mariannes einzige kleine Rebellion bestand aus Kleidung die ein bisschen mehr Hippie war, als Wolfratshausen vertragen konnte.

Dazu gibt es nur eins zu sagen: In der Zeit von Lady Gaga ist niemand mehr so leicht zu schocken.

Ein Mann, 59, ehemaliger DDR Bürger, geboren und aufgewachsen in Ost-Berlin.
Wollte er nichts verändern? Nein. Er sagte er sei zufrieden gewesen mit dem System, es war ihm einfach egal.

Klingt das nach den wildem Gedankengut und der Rebellion der vergangenen Tage?

Valerie (22) ursprünglich aus Schweden, fast alle ihrer Freunde engagieren sich politisch, nicht in Deutschland, trotzdem.

Ludwig 75 Jahre alt. Er erzählt von einer ganz anderen Jugend: mit 14 ging es ab in die Lehre, und das Lehrgeld ohne Umschweife ab zur Mutter. Das waren andere Zeiten. Damals gab es größere Probleme als den Zickenkrieg bei GNTM. Es wurde nicht nachgefragt, es wurde getan was verlangt wurde, um die Gesellschaft wieder auf Vordermann zu bringen. Ob er rebelliert habe, frage ich ihn. „Nein“, sagte er.
„Man muss zusammenhalten wenns drauf ankommt.“

Veränderung kam erst in der nächsten Generation:

Eva, 54. Endlich ein Vorzeigeexemplar der 68er, oder zumindest eines derer Nachwehen.
Sie erzählte mir von dem Kampf gegen die Nuklearwaffen, die Aufruhr in den Städten und dem Zusammenhalt einer Generation.

Auch Vanessa und Alessia (21 und 22) meinen, sie sind politisch interessiert. Sie wissen, dass es sie was angeht, was in der Welt passiert.
Sie tun nur nichts.

Abwarten bis die Zeiten schlechter werden, weil wir das Beste schon haben?
„Wir haben schon schlimmeres mitgemacht“ hört man da von den Alten.

Den dicken Fisch hab ich nicht gefunden. Weder den rebellierenden Ost-Bürger, noch den dummen, faulen 20 Jährigen.

Immer gegen den Strom?

Unsere Generation ist zerstreut. Wir haben keine gemeinsamen Ziele. Wir sind alle dermaßen anders und individuell, dass das schon wieder „Mainstream“ ist. Aber vielleicht, macht uns genau das auch aus. Noch nie gab es so vielfältige Ansichten, so viele Kultureinflüsse, so viele neue Ideen. Wir müssen anfangen wieder zusammen zu wachsen, ohne Vorurteile, ohne „Hipster!“ zu schreien. Nehmt sie doch mit! Die Pseudo-Veganer gleich noch dazu und nutzt die neuen Ideen von Jedem. Schwimmt aus dem Glas ins offene Meer und bewirkt etwas.
Wir wollen alle in die gleiche Richtung. Wollen endlich wieder was bewegen.
Die einen wagen den Versuch und die anderen lachen darüber.
„Die einen finden Gründe, die andern Wege“ Dabei haben wir:

Tausend Möglichkeiten.

Meine sehr geehrten jungen Damen und Herren in Ihrem Alter steht ihnen die Welt offen. Sie können vom Quali zum Abi, vom Kuhumschubser zum Weltenbummler, vom unter-der-Dusche-Sänger zu Deutschlands neuem Superstar. Alles ist möglich in der schönen neuen Welt. Sie müssen nur wissen, wo Sie hin wollen.
Hier liegt das Problem. Wie soll man sich noch entscheiden? Wir können alles und nichts. Weil uns alles offen steht ertrinken wir geradezu im Meer der Möglichkeiten.

Wenn dir jeder erzählt du kannst alles werden, willst du’s dann noch sein?

Schwere Umstände bedeuten große Ziele. Seit dem zweiten Weltkrieg hatten die Generationen was vor: das Land aufbauen, die Politik aufmischen, die Grenzen aufmachen. Die Umstände haben ihnen den Weg gezeigt. Wir müssen unseren selbst finden und wieder lernen nicht nur zuzuschauen, sondern auch was zu tun. Denn auch wenn es auf den ersten Blick so wirkt.
Perfekt ist etwas anderes. Es gibt einiges zu tun.
Also schieben wir Facebook und unseren zu optimierenden Lebenslauf mal zur Seite. Hören wir auf uns zwanghaft individualisieren zu wollen. Trotzdem kein Bausparer. Einfach die Jugend nicht nur auf den Arm tätowieren lassen, sondern auch die Geschichten zu den Bildern erzählen können. Ganz persönliche Geschichten von einer Jugend die erst zur Jugend werden musste, die etwas verändert.

Fangt ganz klein an und glaubt mir einfach, dass Goldfische im Salzwasser überleben können.

Categories: Allgemein, Lifestyle

4 Responses so far.


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