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Helicoptereinsatz der US-Army im Irak

Donner, Blitze, Furcht und Panik. Pilzförmige Wolken und ein grünlich aufleuchtender Himmel. „Shock and Awe“ – Schrecken und Furcht. So berichteten Medien in jener Nacht vom 19. auf den 20. März 2003 unter Liveaufnahmen im Irak. Amerika und Großbritannien – als antreibende Kraft – wollten den Irak, angrenzend an Syrien, in eine Schockstarre versetzen und anschließend mit westlicher Hilfe in Frieden und Freiheit wieder neu aufblühen lassen. Nicht nur der Mechanismus von Saddam Husseins Baath-Partei, sondern auch die staatliche Infrastruktur, sollte zerschlagen und der Irak als freie Marktwirtschaft geschaffen werden. Gründe für den Krieg waren unter anderem die Behauptungen, dass der Irak über Massenvernichtungswaffen verfüge sowie an den Anschlägen des 11. Septembers beteiligt sei. Politische Freiheit und die damit einhergehende Demokratie sollte der Irakkrieg in den Nahen Osten bringen. Die Befürworter erhofften sich vom Sturz des Diktators Saddam eine Art demokratischen Dominoeffekt, der andere arabische Oberhäupter zu Fall bringen würde.

„Krieg ist leichter angefangen als beendet“ (Napoleon l. Bonaparte)

Doch Amerika hat die die physikalischen Zustände im Nahen Osten unterschätzt. Ein Ort, welcher nur wenige Jahre später in Freiheit wiederauferstehen sollte, wandelte sich in ein blutrünstiges Chaos mit weitreichenden Konsequenzen. Existenzen wurden vernichtet, ein ganzes Land droht im Chaos zu versinken und nun viele weitere mitzureisen. Auch der Staat Syrien ist ein Beispiel dieses grausamen Krieges, welcher stark angeschlagen ist. „Wir wollen keine Diktatoren“, so Bush – ehemaliger US-Präsident. Und dabei zielte er vor allem auch auf den damals überfordert wirkenden Baschar al Assad – Generalsekretär der Baath-Partei und Staatspräsident Syriens, den Washington bereits wackeln sah. Die Regierungsform Syriens ist geprägt von einem autoritären Führungsstil des alawitischen Präsidenten Baschar al-Assad, Sohn von Hafiz al-Assad, und weist Merkmale einer Diktatur auf.

Das Wirken der Amerikaner und Briten im Irak hat bis heute weitreichende Konsequenzen – auch in Syrien. Denn mit der Idee, in einem fremden Land, dessen Kultur der Westen nur begrenzt versteht, Ruhe und Ordnung mit eigenen Soldaten herzustellen, fanden sie Widerstand bei hunderttausenden Irakern. Beamte, Soldaten sowie hochrangige Funktionäre verloren ihre Positionen und fanden im Widerstand gegen die US-Truppen ein neues Betätigungsfeld. Unter al-Zarkawi gründete sich die Gruppe al-Qaida im Irak (AQI), welche zum zentralen Punkt für Dschihadisten aus aller Welt wurde. Während der Irak immer mehr in Terror und schrecken verfällt, schwappte der Krieg auch immer weiter auf Syrien über. Durch ein rapides Bevölkerungswachstum in Syrien aufgrund flüchtender Iraker, brach die Arbeitslosenquote der unter 30-jährigen auf 50% aus. Missernten sowie die Nachfrage an Wasser verschärften die Krisensituation im Nachbarland rapide. Der Krieg setzte die Syrische Wirtschaft weiter unter Druck, weil der Ölimport nicht länger für den Eigenbedarf reicht. US-amerikanische Soldaten haben Pipelines stillgelegt, sodass kein Tropfen des schwarzen Goldes mehr fließen konnte. Außerdem konnte der Export des illegal importierten Öls aus dem Irak nicht mehr gewinnbringend in weitere Staaten verkauft werden. Da unter anderem auch der Tourismus sowie der Abbau von Bodenschätzen am Boden liegen, sind weitere Devisenträger nicht in Aussicht. Ende 2006 formierte sich die AQI in den Islamischen Staat im Irak (ISI), welche immer mehr in den Untergrund gedrängt wurde sowie langsam in das geschwächte Syrien expandierte und zur heutigen IS wurde. Die Folgen all dieser Ereignisse sind bekannt: Die Versorgung insbesondere mit Strom und Wasser verschlechterte sich in dieser Zeit dramatisch.

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Kampfflugzeug der US-Streitkräfte im Syrischen Luftraum

Doch auch die Wut auf Korruption, Willkürherrschaft und schlechte Lebensbedingungen haben sich bei der Bevölkerung angestaut und eine wachsende Einflussnahme von Interessengruppen aus dem Ausland gewann mit der anhaltenden Auseinandersetzung an Bedeutung. In einem gereizten Land eskalierte die Situation nun am 29. April 2011 endgültig. Unzählige Milizen und Fronten kämpfen gegeneinander. Aus anfangs friedlichen Demonstrationen ist ein komplexer Bürgerkrieg geworden. Auslöser war die Festnahme mehrerer Kinder, die Slogans über den arabischen Frühling an Hauswände malten. Nach der nicht nachgekommenen Freilassung der Kinder auf Forderung der Eltern, zogen tausende Bürger auf die Straßen, welche mit Panzern und Soldaten gewalttätig bekämpft wurden. Die Proteste gegen das Regime breiteten sich aus. Teile der Aufständischen bewaffneten sich und aus anfänglichen Demonstrationen wurde ein Bürgerkrieg. Aufgrund der prekären Situation gelang es dem IS sich in zusammengebrochenen Teilen des Staates auszubreiten. Anstatt des angestrebten Ziels der Opposition, die Demokratisierung in Syrien zu erreichen, trat der Kampf verschiedenster Zusammenschlüsse aus ethnischen und religiösen Gründen in den Fokus. Mit dem Zustrom von Geld und Waffen kämpfen auch immer mehr ausländische Freiwillige und Söldner im Interessenskrieg verschiedenster Nationen. Und ein Ende ist nicht in Sicht. Mittlerweile Forderte der Krieg nun mehr als 270.000 Todesopfer (Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte) sowie mehr als zwei Millionen verletzte. Seit 2011 haben mehr als 4,8 Millionen (UNHCR) Menschen das Land verlassen. Die meisten von ihnen befinden sich in den angrenzenden Nachbarstaaten.

Mit Blick auf die mögliche Intensivierung des Konflikts sowie der ethnischen Mischung Syriens, stellt sich die Frage, wie der Westen mit der aktuellen Lage und der Vergangenheit in der Hinsicht auf Syrien sowie dem Irak umgehen soll. Nach den misslungenen Operationen wie zum Beispiel im Irak oder Afghanistan würde die westliche Hemisphäre vielleicht einen weiteren Staat ins Chaos demokratisieren. Im Fall eines zu schnellen erneuten Einzugs in unbekanntes Terrain sowie der Einmischung in ein breit gefächertes und für uns oft unverständliches Netz von Kulturen droht Syrien die Balkanisierung – ein Auseinanderbruch eines Landes zusammenhängend mit interagierenden Religionen sowie ethnischen Konflikten. In der Hauptstadt, rund 850 Kilometer von Bagdad entfernt, flammen seit 2011 fortwährend die TV-Aufnahmen von Zerstörung und Wut. Zu einer Art Ausdruck der Demokratie ist der Irak tatsächlich geworden. Allerdings in einer Perversion, die der Westen so nicht erwartet hätte. Denn die Baustellen, an denen der Irak momentan zerbricht, durchqueren auch Syrien. Und so bleibt am Ende nur der Diskussionspunkt, ob der Westen in Zukunft eine vernünftigere und durchdachtere Antwort auf die Frage findet, ob die Züchtung der Cholera durch die Impfung der Pest die richtige Herangehensweise ist.

Florian Faab
Categories: Allgemein

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