Mist….ich habe keine Lust….lieber möchte ich mich jetzt mit einer Tasse Tee auf den Balkon setzen, mein Gesicht in die Sonne strecken, dem Vogelgezwitscher zuhören und die milde Frühlingsluft riechen und auf der Haut spüren…. aber ich muss noch den Artikel zu dem Thema

– Was ist Glück? – Der Versuch einer philosophischen Erklärung –

schreiben….

Es ist ein schönes Thema und dennoch ein schweres. Soviel ist schon darüber geschrieben, gesprochen, gesungen und verfasst worden. Wie gehe ich es an? Ich beschließe mich mit Laptop, einer Kanne Tee und einem Becher bewaffnet auf den Balkon zu setzen und erst einmal zu recherchieren:
Gab es immer schon den Begriff „Glück“?
Oder ist es eine „junge“ Beschreibung?
Wer hat das Wort erfunden? (Ich mag es, das weiche „G“ am Anfang, das nachfolgende „l“ und „ü“ lassen es glucksen und das „ck“ bringen es zu einem guten Abschluss – das Wort steht gut für sich.)
Ist es ein Gefühl oder ein Zustand?
Wie ist es zu dem geworden, was es heute ist?
Was ist Glück eigentlich?
Was bewirkt Glück?
….lässt es sich steigern?

Ich gebe das Wort „Glück“ in der Suchmaschine ein und werde von sage und schreibe „ungefähr 91.800.000 Ergebnissen in 0,71 Sekunden“ erschlagen. Verändere ich meine Suche und kombiniere es mit dem Wort „philosophisch“ sind es „nur“ noch „ 296.000 Ergebnisse in 1,24 Sekunden“. Ist jetzt das Glück weniger und braucht dafür länger ;-)?

Zig Fernseh – und Radiosendungen werden genannt die das Thema behandeln. Es gibt ein Glücksarchiv (das wäre doch auch eine interessante These: Lässt sich Glück archivieren?) und Glücksforscher. Wikipedia definiert, Bücher, Zitate und Texte erscheinen, soziale Netzwerke auf Facebook und Twitter haben Glück und und und. Es bestätigt sich bei mir immer mehr das Gefühl, dass wirklich schon alles geschrieben und gesagt wurde zu diesem Thema.

GLÜCK ist ein wichtiges Thema, die Menschen wollen ihr GLÜCK machen, sie versuchen ihr Glück oder wollen ihr GLÜCK probieren. Sie wollen auf gut Glück von Glück reden, sie wollen zum Glück glücklich sein.

Glück in der Philosophie
Aber nicht immer wurde Glück als Emotion wahrgenommen. Vor dem 18.Jahrhundert hatte man eine andere Ansicht. Es galt als Gottes Gnade, wenn jemand Glück hatte. Als glücklicher Zufall oder Glücksfall, bei dem Gottes Gnade auf einem ruhte. Der Ausdruck „Gott sei Dank“ findet heute eher selten seinen Platz im Sprachgebrauch.

Später ging der philosophische Utilitarismus – eine Form der zweckorientierten Ethik –  dem Versuch nach, Glück analysieren und katalogisieren zu wollen und herauszufinden, was ihm im Wege steht. Es keimte die Idee auf, das Glück besitzen zu wollen, es sollte eingefangen und festgehalten werden um es kontrollieren zu können. Die Lösung: Der britische Philosoph und Begründer des klassischen Utilitarismus Jeremy Bentham legte im Jahr 1789 mit seinem „Katalog der Freuden“ eine Zusammenfassung an Freuden und Leiden des Lebens dar, die man nur gegeneinander auf- und ab addieren musste, um die Summe des Glücks zu errechnen. Wenn also eine moralische Entscheidung anstand, musste man nur den Katalog aufschlagen, die einzelnen Fakten miteinander addieren und subtrahieren und schon versprach das Ergebnis, glücklich zu werden. Wunderbar!

Sein Patensohn John Stuart Mill aber, der eine Erziehung nach den Grundsätzen des Utilitarismus genoss, litt besonders unter eben diesen. Nach vielen gescheiterten Versuchen, sein Leben nach den Grundsätzen des Onkels zu gestalten, entschied er sich für die Ansicht, Glück als scheues Gefühl zu betrachten. Ein Gefühl, das kommt, wenn man es am wenigsten erwartet und ebenso schnell und unerwartet wieder verschwindet.

Zum ersten Mal wurde Glück nicht als Lebensziel gesehen. Mill war der Ansicht, es wäre klüger sich „ein externes Ziel zum Lebenszweck“ zu machen: „An diesem mögen sich dein Selbstbewusstsein, deine Forschung und deine Selbstbefragung erschöpfen, und unter auch sonst günstigen Umständen wirst du das Glück mit der Luft aufnehmen, die du einatmest, ohne…es durch fatale Fragen zu vertreiben.“  [1]

So schreibt auch Martin Seligmann, Vertreter der positiven Psychologie. Er baut auf den Grundsätzen Aristoteles auf und ist der Annahme, dass ein sinnvolles Leben durch Schmerz und Leid geprägt ist. Ein ausgeglichenes und erfüllendes, befriedigendes Leben verlangt Mut  – was nicht immer einfach ist, Mitgefühl – was Trauer und Schmerz hervorrufen kann und Geduld.

Nimmt man Glück als Emotion wahr, die flüchtig ist, betrachtet man es als temporäres Gefühl. Mal ist es da und manchmal eben nicht, wie jede andere Emotion auch. Bei jedem Menschen wird das Gefühl durch unterschiedliche Dinge hervorgerufen. Mal ist es das liebevolle Verständnis von mitfühlenden Menschen, mal der neue Porsche in der Garage. Auf jeden Fall ist es eins: ein Gefühl, das man zwar nicht kontrollieren aber beeinflussen kann.

„Vielleicht führt die Annahme, das Glück zwingend erforderlich ist, oder die, dass wir ein Recht auf Glück haben, oder aber die, dass wir Versager sind, wenn wir nicht glücklich sind, dazu, dass wir ängstlich und unzufrieden werden.“ [2] Die ständige Auseinandersetzung mit der Frage nach dem Glück und dem Schicksal kann einen, wie den Patensohn von Jeremy Bentham an den Rand eines Nervenzusammenbruchs bringen.

Und heute?
Heute ist Glück eine Millionen schwere Industrie. Man ist der Ansicht, dass jeder „selbst seines Glückes Schmied“ ist. Die Bewusstmachung über das Dasein des Glücks nimmt zu – die Zahlen der Selbsthilfebücher und Apps über Glück sind hoch. Tipps und Tricks, wie man das Gefühl Glück herstellen und vielleicht sogar steuern kann, sind an jeder Ecke zu finden.
Jeder Mensch weiß, dass eine positive und fröhliche Grundeinstellung lebensverlängernd wirkt, dass Menschen, die mit Freude durchs Leben gehen auch in anderen Lebensbereichen Erfolg haben.

Jeder gestaltet sein Leben anders und füllt es so aus, dass seine eigenen Bedürfnisse und Vorlieben befriedigt werden. Entscheiden muss jeder für sich selbst, was einen glücklich macht.

Auf der Suche nach dem Glück, ist die wichtigste Übung, sich selbst zu kennen. Es bedarf viel Geduld und Ausdauer. Aufmerksam und achtsam gegenüber den eigenen Reaktionen und Reizen des Alltags zu sein – mit den Gewohnheiten ein wenig zu experimentieren – und ihnen offen zu begegnen vereinfacht die Suche nach dem Glück.

Das ist ein Weg, um herauszufinden was einem gut tut und was nicht. Glück wird als Lebensziel gesehen. Jeder sucht es. Wenige haben es.

Das gefällt mir, jeder findet seine ganz eigene Antwort auf die Frage „Was ist Glück?“. Es gibt 7 Milliarden Menschen auf der Erde und 7 Milliarden verschiedene Wege zum Glück und damit ist die Zahl 91.800.000 doch recht klein.

Ich werde jetzt meinen Laptop zuklappen, von Tee auf Rotwein umsatteln und den Abend auf meinem Balkon genießen. Das ist mein Glück.

Luisa Elsenheimer

 

[1] vgl.: Watt Smith, Tiffany, Das Buch der Gefühle, dtv Verlag , München 2017, S.139

[2] vgl.: Watt Smith, Tiffany, Das Buch der Gefühle, dtv Verlag , München 2017, S.139

Quellen:

Watt Smith, Tiffany, Das Buch der Gefühle, dtv Verlag, München 2017, S.136 – 141

Klein, Stefan, Die Glücksformel, Rowohlt Verlag, Hamburg 2003, S. 283

Categories: Allgemein

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