Zeit ist uns allen etwas sehr Kostbares, mit wem oder was wir sie verbringen gehört zu den wichtigsten Entscheidungen unseres Alltags. Warum also einen Teil davon für langweilige politische Vorgänge opfern, die zahlreich und teilweise auch schwer verständlich sind? Nun dazu gehört eine ganze Hand voll Gründe.

Zum einen versteht man die Hintergründe besser, warum manche Entscheidungen gefällt werden und wie diese gewisse Vorgänge begünstigen. Sei es ein neuer Gesetzesentwurf, seien es steigende Wählerstimmen für die AfD oder der Brexit. Das gilt aber auch für weltweite Geschehnisse, denn auch die Flüchtlingskrise hat verschiedene Gründe, und Europa hat durchaus ein paar der Fluchtursachen zu verschulden.

All diese Entwicklungen sind durch eine zahlreiche Anzahl von Vorfällen und Diskussionen eingeleitet worden, und es ist schwierig sie ohne dieses Vorwissen zu bewerten.
Was die meisten oft vergessen, ist, dass Politik auch Einfluss auf unser eigenes Leben hat. Sei es nun eine 30er Zone in unserer Ortschaft, Erschwernisse beim Wunsch im Ausland zu studieren, die Flüchtlinge, die hier Schutz suchen oder sogar ob wir in 20 Jahren in Krieg oder Frieden leben. Jeder interessiert sich für etwas anderes, und man wird auch kaum schaffen, sich für alles gleich gut zu informieren, da es sehr viel Zeit kostet und man auch verschiedene Quellen zu Rate ziehen sollte. Dennoch gibt es Themen, die alle von uns betreffen, und über die wir uns informieren sollten. Man wird fast täglich neue Aspekte einer Fragestellung kennenlernen, oder mit Leuten zu tun haben, die anders darüber denken. Aber auch dieser Austausch ist wichtig und kann sogar Spaß machen. Nicht zu leugnen ist, dass einem manche Meinungen sehr gegen den Strich gehen werden, und politisches Interesse einem durchaus nervlich einiges abverlangen kann. Aber auch das ist keine Entschuldigung seine Augen komplett davor zu verschließen.

Das wichtigste Mittel der Demokratie ist die Mitbestimmung. Sich nur über unser System und unsere Politiker zu beschweren, hilft auf Dauer wirklich niemandem. Wenn ihr das Gefühl habt, dass sich unsere Politik von den Wünschen der Bürger immer weiter entfernt, ist es nur noch ein Grund mehr sich anständig zu informieren, um sich eine fundierte Meinung zu bilden. Wer eine solche entwickelt hat, kann auch reflektiert und sinnvoll wählen, da er sich bewusst ist, wen und welche Ziele er damit gerade unterstützt. Wenn nur wenige Leute wählen gehen, ist keinem geholfen.

Denn dann wird allen die Meinung des Bruchteils der möglichen Wähler aufgedrückt, und die Unzufriedenheit wächst. Demokratie hat durchaus ihre Schwächen, denn sie ist nur so erfolgreich wie ihre Wähler sie sein lassen. Und Wissen ist in diesem Fall Macht. Informierte Wähler wählen fähige Volksvertreter, die uns dann fähig und informiert vertreten. Es ist ein Kreislauf, von dem wir im besten Fall nur profitieren- oder eben nicht. Glücklicherweise leben wir in einem Land in denen Dinge wie Meinungsfreiheit
oder Versammlungsfreiheit in der Verfassung festgeschrieben sind.

Bild1Leider werden diese Rechte von vielen nicht genug gewürdigt. Wenn du trotz dem Recht der Meinungsfreiheit keine hast, weil es dir egal ist… Hast du dieses Recht dann verdient? Vielleicht hätten gut recherchierte Informationen oftmals zu anderen politischen Ergebnissen geführt. Gerade am Beispiel des Brexit sieht man, dass vielen der Brexit Voter gar nicht so richtig klar war, was sie da eigentlich wählen. Jetzt müssen sie die Konsequenzen tragen und können in 27 Ländern schwieriger studieren, arbeiten und leben. Dieses extreme Beispiel zeigt, wie stark das eigene Leben von der Politik beeinflusst werden kann. Wer sich eine fundierte Meinung bildet und sich für diese einsetzt, trägt zumindest schon mal einen wesentlichen Teil bei, dass auch andere damit auf eine sinnvolle Art und Weise konfrontiert werden.

Vor allem wir, die „Junge Generation“, müssen mit diesen Entscheidungen Jahrzehnte leben, die ohne unsere Partizipation andere für uns getroffen haben. Wollt ihr das wirklich? Viele der europäischen Jugendlichen wollen gerne ein Auslandssemester machen oder ihr ganzes Studium woanders absolvieren. Für uns spielen also solche Entscheidungen eine große Rolle, genauso wie auch das G8 unseren Schulalltag nachhaltig verändert hat.
Ein Land ist politisch nur so innovativ und handlungsfähig, wie seine Bürger es gemacht haben. Nicht zu wählen ist genauso eine antidemokratische Entscheidung, wie aus Absicht oppositionell zu wählen und damit extreme Randparteien zu stärken. Oft geht es gar nicht darum, die Partei zu wählen, die perfekt deine Interessen abbildet, sondern vor allem um zu verhindern, dass andere Parteien an die Macht kommen, die man selbst als nicht unterstützenswert sieht.

Bild2Gerade in Europa geht es zurzeit darum, einen Verfall zu verhindern und Nationalismus zu schwächen. Viele junge Leute leben schon ihr ganzes Leben in der EU, und denken deshalb es wird immer so sein. Doch wenn man sich ganz von der Politik abwendet und extremen Strömungen die Führung überlässt, kann sich das schnell ändern und Europa wird stark geschwächt. Aber nicht nur in Europa sieht man sich diesen Problemen gegenüber.
Ein Blick nach Amerika zeigt, dass sich Menschen wie Trump durchaus politisch hocharbeiten können, wenn die Wähler sie nicht aufhalten. Können Trumps Wähler wirklich wollen, dass dieser Mann die Verantwortung für Amerika trägt? Dass er nicht nur einer der reichsten, sondern auch einer der mächtigsten Männer der Welt wird? Wie würde eine
Zukunft mit einem schwachen Europa und einem trumpgeführten Amerika aussehen? Dazu noch Länder wie China, in denen Umweltbewusstsein und Meinungsfreiheit immer noch Fremdwörter sind? Länder wie die Türkei, die sich wieder stark zurück entwickeln und ihre Demokratie Lügen strafen? Nicht zu vergessen den islamischen Staat, der die ganze Welt in
Angst und Schrecken versetzt?

Denn wohl der wichtigste Punkt ist, dass Demokratie, die ja von den Wählern lebt, auch in diesen ihre moralische Instanz hat. Wenn nicht wir uns gegen die Übermacht der Wirtschaft stellen, gegen die Waffenlieferungen, die Ausbeutung von Drittländern oder die Missachtung von Nachhaltigkeit und Umweltschutz, wer denn dann?
Die Leute werden kaum selbst anfangen, sich zu kritisieren und sich dann zum Besseren bekehren. Ich sage nicht, dass du all das mit ein wenig Interesse für Politik ändern kannst. Aber wenn sich genug Menschen, vor allem junge Menschen, die viel gereist sind, viele Freunde in anderen Ländern haben und tolerant erzogen sind, anfangen sich dafür zu interessieren, sich für ihre Meinung einsetzen…
Dann… ja, dann könnten solche Entwicklungen vielleicht aufgehalten werden. Wir alle sind für die Welt verantwortlich in der wir leben, und wir sollten alles daransetzen mündig genug zu sein, um dieser Verantwortung gerecht zu werden.

 

Sarah Elser
Categories: Allgemein

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