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Foto: Marinus Zängerl

Schon seit 1972 behauptet sich im beschaulichen Giesing das älteste unabhängige Plattenlabel Deutschlands gegen den Mainstream.
München, Stadtteil Giesing, nur wenige Meter von der U-Bahn Station Silberhornstraße entfernt, durch ein Tor hinein in einen kleinen Hinterhof. Laut Süddeutscher Zeitung der „schönste Hinterhof Münchens“. Idylle pur. Hier findet man schon seit über 40 Jahren das Musiklabel Trikont. Und in dieser Zeit wurde auch schon einiges erreicht. Über 400 Platten zählt der Katalog des Labels mittlerweile – und er wächst beständig weiter.

Anfangs war Trikont ein Buchverlag für linkspolitische Werke wie die Tagebücher von Che Guevara oder Maos kleine Bibel. Mittlerweile aber haben sie sich auf Musik spezialisiert und veröffentlichen über Finnischen Tango zur Russendisko bis hin zur Ethio-Jazz alles Mögliche. Es gibt nur wenige Musikalische Stilrichtungen die noch nicht vom Trikont Verlag veröffentlicht wurden.

Musik aus Leidenschaft. Achim Bergmann und Eva Mair-Holmes veröffentlichen was ihnen gefällt und dabei geht es ihnen, laut Mair-Holmes „ am Arsch vorbei wie viele Einheiten wir verkaufen“.
Denn wenn sie es nicht veröffentlichen würden, dann würde es niemand tun. Und diese Musik würde für die Öffentlichkeit verloren gehen.

 

Leider wird diese Einstellung viel zu selten gewürdigt. Seit Jahren schon wird fast jeder Release vom Feuilleton gepriesen, was sich aber nicht in den Verkaufszahlen wieder spiegelt. Trikont veröffentlicht Platten für Liebhaber von außergewöhnlicher Musik. Bestes Beispiel hierfür wäre die Platte „Ho – Roady Music from Vietnam“. Eine Mixtur aus Musik von den Straßen Saigons. Nicht erwähnenswerte Verkaufszahlen in Deutschland, dafür geliebt bei DJs und Monate lang in den bekanntesten Szene Clubs New Yorks aufgelegt. Eine Geschichte wie sie schon oft vorgekommen ist in der Geschichte Trikonts. Eine weitere Perle im Fundus Trikonts sind die Unmengen an Platten über „schwarze Musik“. „Black and Proud – The Soul of the Black Panther Era“, “Dirty Laundry – The Soul of Black Country” “Early Black Rock´n´Roll” etc etc. Es wird sogar gemunkelt das der Sampler über Amerikanische Immigranten “Stranded in the USA – Early Songs of Emmigration“ sogar am Fuße der Freiheitsstatue in New York verkauft wurde.
Neben Allerlei Exotischen aus allen Ecken der Welt fungiert Trikont aber auch als Bewahrer und Restaurateur der Bayerischer Kultur. Karl Valentin -der große Bayerische Volksheld. Traurig genug das die Rechte an Valentins akustischen Gesamtwerk in einem Kölner Archiv lagen, noch trauriger das weder die Stadt München noch der Freistaat Bayern ihrer Geschichtlichen Verpflichtung nachkamen die Rechte zu erwerben. Wo diese versagen, springt Trikont in die Presche, kauft die Rechte und veröffentlicht eine fantastische, acht CDs umfassende Box des Gesamtwerkes von Karl Valentin. Ein unglaubliches finanzielles Risiko das sich Gottseidank ausgezahlt hat.
Viele würden denken es wäre unverantwortlich eine Firma mit dieser Einstellung zu führen. Nach einem Gespräch mit Achim Bergmann und Eva Mair-Holmes aber kapiert man schnell – es ist Vernunft durch und durch. Denn die veröffentlichte Musik hat laut Bergmann „den Wert der Notwendigkeit“, und dieser Notwendigkeit nachzukommen ist Vernunft pur.

Marinus Zängerl

 

Categories: Allgemein, Medien

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