Im Township Soweto, Johannesburg, kommt am 20. Februar 1984 ein Kind zur Welt, das nicht ganz schwarz und nicht ganz weiß ist. Das Problem: Zu dieser Zeit war in Südafrika die Apartheid im vollen Gange und somit die Geburt eines Mischlingsbabys illegal.

Dessen Eltern Patricia und Robert hatten also ein Geheimnis. Um nicht von der Polizei verhaftet zu werden, musste sich die afrikanische Mutter als die Haushälterin des Schweizers verkleiden. Nur so konnten sie Zeit miteinander verbringen, ohne Gefahr zu laufen, von der Polizei festgenommen zu werden.

Vor Streifenpolizisten, die auf den Straßen für „Recht und Ordnung“ sorgten, musste der kleine Trevor aufgrund seiner nicht ganz schwarzen Hautfarbe so tun, als würde er seine eigene Mutter nicht kennen.

„Das war hart für mich, ich fühlte mich immer wie ei n Beutel Gras“, sagt der heute Erwachsene …

 

You Laugh But It’s True

Dass jemand mit einer solchen Geschichte, im Alter von gerade einmal 18 Jahren zum ersten Mal auf die Bühne geht und Menschen zum Lachen bringt, lässt einen Bewunderung verspüren. Nur ein paar Jahre später steht genau dieser Mann in einem ausverkauften Saal, der 1100 Zuschauer fasst und verbindet Menschen jeglicher Hautfarbe anhand seiner Scherze, die gleichzeitig seine Geschichte erzählen. Damit ist Trevor Noah der erste erfolgreiche Comedian in Afrika.

 

Buch „Born a Crime“

Born a Crime

Der heute 32-Jährige erzählt in seinem Buch Geschichten aus seiner Kindheit, die einen Außenstehenden einerseits verblüffen und andererseits zum Lachen bringen. Aufgrund der Gesetze in Afrika hatte Trevor nicht viel Kontakt zu seinem Vater. In einem Interview auf CNN erzählt er über den Tag, an dem seine Mutter den Versuch startete, zusammen mit Trevors Vater einen Tag im Park zu verbringen.

Sein Vater musste auf dem Weg dahin Abstand von Frau und Kind halten, damit sie nicht zusammen erkannt wurden. Im Park begann Trevor dann, seinen Vater zu jagen, er verstand es als Spiel. Er schrie “Daddy, Daddy!“ und sein Vater begann wegzulaufen, woraufhin ihnen nun auch seine Mutter hinterher lief. Eigentlich eine Szene die einen traurig machen sollte. Doch Trevor erzählt die Geschichte heute mit so viel Humor, dass man lachen muss: “I was having the time of my life because I was running in the park with my family“. (https://www.youtube.com/watch?v=QGJodhtIWzs)

Psychologen erklären uns, warum wir darüber lachen müssen. Wenn etwas so absurd ist, wie diese Story, in der ein Vater nicht mit seinem eigenen Sohn gesehen werden kann, finden wir das im wahrsten Sinne des Wortes komisch.

 

“My father was white Swiss – of course he liked chocolate“

In einem Interview auf BBC mit Zeinab Badawi (https://www.youtube.com/watch?v=CaHkhgAjdAc) wurde dem inzwischen in Amerika lebenden Comedian vorgeworfen, damit eine rassistische Aussage getroffen zu haben und Vorurteile in den Köpfen der Amerikaner zu festigen. Es entstand eine Debatte darüber, wann etwas als Scherz wahrgenommen wird und ab wann man eine Aussage, verkleidet als Humor, ernst nehmen muss.

„Das Wichtigste bei Comedy ist der Kontext. Ohne Kontext ist keine Konversation vollständig“, sagt der Humorist und verdeutlicht dies an einem Beispiel. Er spricht den Refrain eines Liedes von Rihanna und zwar ohne jeglichen Gesichtsausdruck und Tonfall in der Stimme: “You can stand under my umbrella. You can stand under my umbrella. Ella ella, eh eh eh. Under my umbrella. Ella ella, eh eh eh.“

Was Trevor damit zu verstehen geben will, ist, dass Text oft nicht reicht – man muss mit seinem Publikum durch Mimik, Gestik und Stimmfall eine Verbindung aufbauen. Nur so kann Humor seinen Zweck erfüllen – indem er eine Message transportiert.

 

“Donald Trump grabbed the spotlight and this time not for tanning purposes“

Trevor Noah mit seiner Mutter Patricia

Der erfolgreiche Comedian und mittlerweile auch Moderator der „Daily Show“ nutzt diese Plattform, um kontroverse Themen anzusprechen. Zur Wahl des neuen Präsidenten der USA vertritt er einen eindeutigen Standpunkt und spricht darüber … (https://www.youtube.com/watch?v=_HYe9VdOGIQ)

Trevor Noah zeigt einen Ausschnitt von Trump bei einer Rede in der er gegen seine Konkurrentin Clinton wettert. Er bittet Russland, die 30.000 fehlenden Emails seiner Konkurrentin zu finden. Daraufhin sagt Trevor mit aufgerissenen Augen: „Hat dieser Typ, ein Mann, der für das Amt des Präsidenten kandidiert, Russland gerade darum gebeten, Amerika zu hacken?! Wisst ihr, für jemanden der behauptet, die Jobs zurück nach Amerika zu bringen, startet er deren Auslagerung ziemlich schnell. […] Das ist wirklich passiert Leute, es ist keine Frage von Interpretation“.

Eine weitere Folge der Daily Show vergleicht Donald Trump mit mehreren fragwürdigen Präsidenten aus Afrikas Dritte-Welt-Ländern. Er stellt Trump dem größenwahnsinnigen Präsidenten Jammeh aus Gambia gegenüber, welcher behauptet, er könne AIDS mit Kräutern und Bananen heilen.

 

Trevor sagt „als Comedian hast du die Plattform, die Wahrheit zu sagen“. Und das ist, was er macht, er will unangenehme Themen an die breite Masse tragen. Sicherlich hat seine Vorgeschichte viel damit zu tun. In Südafrika steht Kriminalität auf der Tagesordnung, vom Diebstahl über Raub bis hin zum Mord und das nicht selten für den Wert eines Handys. Seine Mutter, Patricia, musste selbst eine solche Erfahrung machen.

Kurz vor seinem ersten großen Auftritt im Lyrics Theatre passierte die Tat. Sie wurde von hinten 2 Mal in den Kopf geschossen. Überlebte jedoch. Der Comedian wollte die Show absagen, doch seine Mutter motivierte ihn dazu, weiterzumachen, um seine neugewonnene Plattform zu nutzen. Er wurde vielleicht als „Crime“ geboren, und musste Verstecken mit der Polizei spielen, doch hat er es als Erwachsener geschafft mit seinem Sinn für Humor, Menschen über die Zustände in seinem Heimatland und in seiner neuen Heimat zu sensibilisieren.

 

Von Sophie Wienhues

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