Überall präsent: exotisch klingende Lebensmittel, sogenannte Superfoods. Sie versuchen uns durch das Versprechen besonders gesundheitsfördernder Wirkungen in ihren Bann zu ziehen.
Doch was ist dieses „Superfood“ eigentlich? Was steckt hinter all diesen Aussagen? Und wie „super“ ist es wirklich?

Bildquelle: Corinna Pretzer

Ein Einkauf im Supermarkt ist immer dann eine spannende Angelegenheit, wenn man neuen Trends folgt: Angefangen wird meistens mit Obst, wie Avocado oder Açai Beeren und Maca, das zum Wurzelgemüse gehört. Weiter geht es über Granatapfelessig und Kokosöl zu den Gewürzen, wie Kurkuma. Bei den Milchprodukten kommt vielleicht gerade noch Gouda in den Einkaufswagen, denn der hilft ja, wie vor Kurzem bekannt wurde, beim Abnehmen. Aus Solidarität zu allen Vegetariern schnellt man an der Wurst- und Fleischtheke vorbei direkt zu Quinoa und glutenfreien Brot aus Chia-Samen. Am Ende wandern dann noch Mandeln für die Schlemmerei am Abend auf das Kassenband. Einkauf erledigt! Ist Ihnen bei dem Einkaufszettel etwas aufgefallen?

Zurzeit in aller Munde: exotisch klingende Lebensmittel, sogenannte „Superfoods“. Diese versuchen uns mit Versprechen, wie der Verringerung des Risikos an Herz-Kreislauf-Problemen oder an Krebs zu erkranken, gegenüber herkömmlichen Lebensmitteln zu überzeugen.

Doch was ist Superfood eigentlich?

Laut DUDEN sind dies „besonders gesunde nährstoffreiche Nahrungsmittel, die nicht nur schmecken, sondern gleichzeitig die Gesundheit fördern“. Die Verbraucherzentrale sieht das ähnlich. Allerdings ist laut ihr ein „gesundheitlicher Mehrwert im Vergleich mit der Vielzahl heimischer Früchte und Gemüse nicht gegeben“. Schenkt man all den verschiedenen Definitionen Glauben, so sind Superfoods vollwertige, ganzheitliche Lebensmittel aus Bio-Erzeugung, die eine große Menge Nähr-, Wirk- und Vitalstoffe, wie Vitamine und Mineralien, liefern. Glaubt man dem einen sind sie meist naturbelassen, glaubt man dem anderen sind sie selten frisch, sondern meist getrocknet, als Püree oder Extrakt erhältlich. Und daran erkannt man bereits das Dilemma. Genau zu sagen, was Superfood ist, vermag nämlich niemand, denn es gibt weder eine allgemeingültige Definition, noch wissenschaftliche Nachweise für die gesundheitsfördernde Wirkung.

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Doch was steckt dann hinter Superfood und wie super ist es wirklich?

Wie der Schweizer Gesundheitsökonom Gerhard Kocher sagt: „Es gibt nicht nur Tausende von Krankheiten, sondern auch Tausende von Gesundheiten.“ Und eine dieser vermeintlichen „Gesundheiten“ ist eben Superfood. Doch in Wirklichkeit sind exotische Früchte und Gemüse oftmals Anlaufpunkt für Krankheiten. So kann es beim Verzehr zu Überempfindlichkeitsreaktionen der Haut oder auch Allergien kommen. Einen juckenden und schmerzenden Ausschlag kann man aber ja mal in Kauf nehmen, wenn dafür der Rest des Körpers stramm und gesund dasteht. Oder?
Doch das ist noch nicht alles, laut Carola Horn-Spiegler, Diätassistentin der Johannesbad Fachklinik, Gesundheits- und Rehazentrum Saarschleife, sollten auch Küchentechniken beherrscht werden, denn einige Superfoods enthalten toxische Stoffe und benötigen besondere Behandlung. So sitzen bei Avocados gefährliche Schadstoffe zwar nur äußerlich auf der Schale, allerdings gelangen diese beim Aufschneiden in das Fruchtfleisch. Deshalb gilt: Auch, wenn die Schale nicht mitgegessen wird, sollten Obst- und Gemüsesorten grundsätzlich immer zuerst gründlich gewaschen werden.

Es ist nicht ungewöhnlich, dass Superfoods mit Pestiziden, Mineralöl und Blei belastet sind. 2016 fielen aufgrund dessen zwei Drittel des getesteten Superfoods im Ökotest mit „ungenügend“ oder „mangelhaft“ durch. Ist das noch „super“? Dass Pestizide jedoch nicht nur eine Gefahr für die Gesundheit des Verbrauchers, sondern auch für die Umwelt im Anbaugebiet sind, erklärt sich von selbst. Mit dem Verzehr von Superfood zerstören wir nicht nur bei falschem Verzehr unsere eigene Gesundheit, sondern auch die unserer Umwelt. Angefangen bei Pflanzenhormonen im Saatgut, über Herbizide gegen Unkraut bis hin zu Paraquat zur schnelleren Reifung gibt es nichts, was nicht dazu eingesetzt wird, unsere hohe Nachfrage nach Superfood zu decken. Zudem wird in vielen südlichen Gebieten bereits so viel angebaut, dass die Brache (Regenerationszeit für den Boden ohne Anbau) nicht eingehalten wird. Folglich kommt es zu Erosionen und in weiterer Folge zu Verlust der Bodenfruchtbarkeit. Aber auch künstliche Bewässerung hat es in sich. Nehmen wir beispielsweise Avocados. Für den Anbau von einem Kilo benötigt man circa tausend Liter Wasser. Drei Avocados brauchen somit bis zur Ernte sieben volle Badewannen Wasser. Und das in Regionen, die ohnehin unter Wasserknappheit leiden.

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Superfood ist für mich persönlich nur dann super, wenn alle Bedingungen von Aussaat, über Ernte bis hin zum Verzehr stimmen. Ein Lebensmittel, das aus dem urwald hierher verschifft wird, passt da einfach nicht rein. Nicht wenn wir über Nachhaltigkeit reden!“, kritisiert Carola Horn-Spiegler.
Wie viele der angeblich so super gesundheitsfördernden Inhaltsstoffe kommen denn bei vorzeitiger Ernte und Wochen in Containerschiffen beim Endverbraucher überhaupt noch an? Nährwertanalysen auf den Lebensmitteln helfen uns bei der Frage definitiv nicht weiter. Warum? Vergleichen Sie mal die Angaben verschiedener Hersteller. Diese weichen oftmals voneinander ab. Warum? Das Zauberwort heißt Umsatz. Solche Angaben sind oftmals interessensgesteuert und kommerziell, denn der Begriff Superfood ist ein reiner Marketingbegriff, der nicht geschützt ist. Einfache Konsequenz von mehr Werbung ist steigende Nachfrage und steigender Umsatz.
Apropos steigende Nachfrage. Diese führt aus rein wirtschaftlicher Sicht zu steigenden Preisen seitens des Anbieters. Steigende Preise der Produkte führen allerdings dazu, dass sich die lokale Bevölkerung in den Anbauländern ihre eigenen Lebensmittel nicht mehr leisten können. So muss sich die ärmere Bevölkerung in den Andenländern wegen unserem Hype um Quinoa Alternativen suchen. Und das obwohl Quinoa schon immer als „Gold der Inka“ galt. Wie Gandhi dazu sagen würde: „Der Hunger der Menschen in verschiedenen Teilen der Welt rührt daher, dass viele von uns viel zu viel mehr nehmen, als sie brauchen.“ Aber macht ja nichts, eine einseitige Ernährung ist eh nicht gesund, sollen sie ruhig mal über ihren Tellerrand hinausschauen. Eine tolle Alternative wäre doch Leinsamen, bei uns in Europa angebaut, ist es für den modernen Menschen nicht interessant genug, um den Sprung auf den Speiseplan zu schaffen. Denn der Exotik-Faktor spielt beim Thema Superfood eine entscheidende Rolle. So finden sich auf der US-amerikanischen TOP-10-Liste der Superfoods Heidelbeeren, Kohl, Bohnen und Haferflocken, um nur Beispiele zu nennen. Jetzt schauen Sie mal raus in Ihren Garten und auf unsere Felder. Na, fällt Ihnen etwas auf?

Was Sie nun von Superfood halten, ist natürlich Ihre persönliche Sache. Außer Frage steht, dass Gojibeeren und Co. unseren Speiseplan durchaus bereichern und neue Geschmackserlebnisse bieten. Behalten Sie vielleicht für den nächsten Einkauf einfach folgendes Zitat vom britischen Starkoch Jamie Oliver im Hinterkopf: „Die richtige Ernährung beeinflusst unser ganzes Leben.“ Und zu unserem Leben gehören nun mal nicht nur wir selbst, sondern auch unsere Umwelt.

Autor: Corinna Pretzer

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