Ein allgemein bekanntes Sprichwort, welches man immer wieder zu hören bekommt, wenn sich der Freund oder die Freundin vor dem Sport drücken möchte. Doch was steckt wirklich dahinter? Betrachtet man das ein oder andere Beispiel bekannter Sportfanatiker, so scheint das Wortspiel wohl doch eine größere Bedeutung zu haben… Sind wir uns im Klaren darüber, was der Hype um das ganze Thema Fitness bei manchen Menschen auslösen kann?

Gedanken einer jungen Frau: „Puhh, endlich Freitag und das fünfte Workout für diese Woche im Fitnessstudio ist geschafft. Morgen noch einmal 1 ½ Stunden Bauch und Beine trainieren und dann genehmige ich mir am Sonntag ausnahmsweise mal eine Pause. Aber am Montag geht’s auf jeden Fall weiter mit dem Training. Mein Sixpack ist definitiv noch ausbaufähig und die perfekte Wespentaille habe ich auch noch nicht. Heute Abend gibt es dann noch 100 Gramm mageres Hähnchen und 100 Gramm Reis dazu. Dann habe ich meine Makros für den Tag perfekt abgedeckt.“

Fitness mal ganz Allgemein

Gibt man das Stichwort „Fitness“ in Google ein, erscheinen 551.000.000 Ergebnisse in 60 Millisekunden. Von Tipps zu der allerbesten und effektivsten Diät, mit der eine Abnahme von fünf Kilogramm innerhalb einer Woche versprochen wird, bis zu den besten Fitness Supplements, kann man alles finden.

Sucht man nach der Definition von „Fitness“, so findet man bei Wikipedia Folgendes: „Eine gute körperliche und geistige Verfassung“. Jeder weiß, eine gesunde und ausgewogene Ernährung mit regelmäßiger Bewegung tun dem Körper gut, steigern die Leistungsfähigkeit und Konzentration im Alltag und verbessern zudem das eigene Wohlbefinden.

Beim Durchblättern von Zeitschriften, Durchsuchen von Fitnessprofilen auf Instagram, Facebook und anderen sozialen Netzwerken wird schnell klar, dieses Thema hat einen sehr hohen Stellenwert in unserer Gesellschaft und in den Gedanken vieler Menschen. Für den einen mag dies sehr gut sein und ein Ansporn darstellen, an sich selbst zu arbeiten, für den anderen kann das jedoch einen sehr hohen Druck aufbauen.

Früher – Heute: Der Vergleich. Eine gefährliche Entwicklung!

Begriffe wie „Instarexic“ – eine Kombination aus „Instagram“ und „Anorexie“ – gab es vor einigen Jahren noch nicht und deuten auf eine gefährliche Entwicklung hin. Instarexic wird im Zusammenhang mit den Fitnessmodels in dem sozialen Netzwerk verwendet, die pausenlos von ihrer neusten Trainingseinheit oder ihrer Mahlzeit Bilder posten, sodass man von einer Sucht ausgehen kann.

Früher waren es vielleicht „Thigh gaps“ und herausstehende Hüftknochen, die als Schönheitsideal galten, heute ist es eine Wespentaille, ein Sixpack und trainierte, straffe Oberschenkel, die bei einem „perfekten Körper“ ein absolutes Muss sind.

Es ist aus dem Grund eine gefährliche Entwicklung, da sie eine extrem starke Disziplin, tägliches Training und einen strengen Ernährungsplan voraussetzt, was oftmals zu einer psychischen Belastung führt, da das ganze Leben auf das Ziel eines möglichst perfekten Körpers ausgerichtet ist. Etwas, dass vielleicht nicht jeder schafft und an dem viele Menschen verzweifeln. Der persönliche Druck und die Belastung der Psyche sind dabei etwas, mit dem nicht jeder umzugehen weiß. Vor allem jüngere Menschen sind dabei gefährdet. Nicht selten kommt es zu Krankheiten wie Magersucht, da die Ziele um jeden Preis erreicht werden wollen. Aus eigener Erfahrung weiß ich, wie anstrengend dieser Druck sein kann und wie sehr die psychische Belastung vor allem junge Frauen und Männer in einer gesunden Persönlichkeitsentwicklung einschränken kann. Selbstzweifel, ein komplett falsches, nicht wahrheitsgetreues Selbstbild und Essstörungen treten bei ihnen auf. Die jungen Menschen bauen ihr Selbstwertgefühl auf ihrem durchtrainierten Körper und der Anerkennung der Gesellschaft auf, denn die Anerkennung der Gesellschaft wünscht sich nun mal jeder. Das Selbstwertgefühl verschwindet allerdings, sobald der Bauch und die Beine nicht mehr perfekt durchtrainiert sind und man nach Feiertagen vielleicht wieder ein bisschen Speck angesetzt hat.

Es ist ein Teufelskreis. Und jeder der nicht aufpasst, gerät schneller in ihn hinein, als man denken mag. Aus diesem Grund sollten wir aufpassen, wie wir mit dem Thema umgehen.

Alles nur in Maßen

Instagram Profil auf Tablet

Das tägliche Surfen in der App zeigt den jungen Leuten, wie ambitioniert viele Fitnessblogger sind, die sich stundenlang im Fitnessstudio aufhalten und sich an ihre Ernährungspläne ohne jegliche Ausnahme halten.

Sicher, es ist wichtig sich ausgewogen und gesund zu ernähren und regelmäßig Sport zu machen. Und es ist auch nicht falsch, sich darüber Gedanken zu machen. Nur sollte es keinen zu hohen Stellenwert in den Gedanken und dem Handeln haben und vor allem sollte es auf keinen Fall einen Druck auf Mitmenschen aufbauen, sich der extremen Fitness-Bewegung anzuschließen. Nicht jeder macht gerne Sport und nicht jeder möchte sich dem anpassen und dies ist auch vollkommen ok so. Vielmehr sollte darauf aufmerksam gemacht werden, dass ein gesundes Maß an Bewegung in Form von Spaziergängen, Radfahren und Schwimmen zu einer „guten körperlichen und geistigen Verfassung“ führt.

Inspiration sein für andere

Wir sollten unsere Mitmenschen viel mehr dazu ermutigen, sich in ihrem Körper wohlzufühlen, so wie er ist. Unsere Gesellschaft ist schon lange von der ursprünglichen Definition von Fitness abgeschweift und die durchtrainierten, aus Haut, Muskeln und Knochen bestehenden Models in den Magazinen und Medien sollten nicht mehr die großen Vorbilder sein.

Zudem sollten wir vermehrt auf Hilferufe von unseren Mitmenschen reagieren, die vermehrt in sozialen Netzwerken, wie Instagram, zu finden sind. So hat sich beispielsweise Sophie Gray, eine bekannte und erfolgreiche Instagram-Influencerin, nach einigen Jahren des Quälens gegen die Fitness Bewegung entschieden. Sie hatte es einfach satt nur auf ihr Aussehen und ihre Disziplin reduziert zu werden.

Anstatt uns selbst unter Druck zu setzten und uns für die Gesellschaft in etwas zu verwandeln, dass wir eigentlich gar nicht sein möchten, sollten wir vielmehr anderen ein Vorbild sein, indem wir in viel wichtigere Dinge wie Freundschaft und Familie mehr Zeit investieren. Außerdem sollten wir mehr auf die inneren Werte achten. So können wir unsere Mitmenschen positiv beeinflussen und zudem die Gesellschaft mit unseren persönlichen Werten wie Charakter und Ausstrahlung für uns gewinnen.

Die junge Frau kommt nach ihrem zweistündigen Training im Fitnessstudio zu Hause an und scrollt auf ihrem eigenen Instagramprofil herunter. „Ja, endlich 50 000 Follower und mein neustes Bild, auf dem man meinen trainierten Bauch sieht, hat mehr Likes als jedes Bild zuvor. Aber da geht auf jeden Fall noch was. Die 200 000 Follower möchte ich bis Ende des Jahres erreichen. Dann gehe ich einfach noch einen Tag mehr in der Woche ins Fitness Studio. Mit Sicherheit kann ich meinen Fettgehalt im Körper noch um einiges reduzieren. Ich werde mich in nächster Zeit einfach nur noch darauf konzentrieren! Meine Familie habe ich auch schon lange nicht mehr gesehen. Naja das Training und mein Körper haben jetzt vorerst erste Priorität.“

Vielleicht ist das ganze etwas überspitzt dargestellt, jedoch ist der Fitness Hype eine Gradwanderung zwischen einem gesunden Lebensstil und einer Sucht, mit der wir unsere Mitmenschen unter Druck setzten.

Sport ist Mord! Nicht im physischen Sinne, jedoch im psychischen, da mit der ganzen Belastung ein Teil der Psyche mancher Fitnessfanatiker zerstört wird.

Hanna Sophie Heckemann

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