Japans Kultur ist sehr verschieden von der unseren und so sind auch die Feiertage. Eine Unterscheidung gibt es aber auch dort: Shukujitsu werden die gesetzlichen Feiertage genannt, saijitsu die religiösen und matsuri sind kulturelle und traditionelle Feste. Doch was genau feiern die Japaner denn?

 

Shukujitsu – Gesetzliche Feiertage

An gesetzlichen Feiertagen sind in Japan öffentliche Institutionen wie Banken und Schulen sowie die meisten Büros geschlossen. Anders als man es in Deutschland gewohnt ist, haben dort aber üblicherweise Geschäfte geöffnet. Außerdem gibt es eine Regelung, über die man sich wahrscheinlich auch hierzulande nicht beschweren würde: Wenn ein shukujitsu auf einen Sonntag fällt, ist der darauf folgende Montag frei!
Der wichtigste Feiertag für die Japaner ist Neujahr. Gesetzlich ist das der 1.Januar, es wird aber bis zum 3. des Monats gefeiert. In diesen Tagen tätigen die meisten Japaner ihren ersten Besuch am Schrein, um für Gesundheit und den Segen der kami, also der Götter, zu beten. Außerdem nutzen die meisten die freien Tage, um ihre Familien auf dem Land zu besuchen, was den Jahreswechsel zur Hauptverkehrszeit des ganzen Jahres macht und die großen Städte wie ausgestorben wirken lässt.

Tennō no tanjōbi – Geburtstagsfeier des Kaisers („Japanemperorbirthday“ von Philbert Ono, lizenziert unter CC BY-SA 3.0)

Ein anderer wichtiger shukujitsu ist der tennō no tanjōbi, der Geburtstag des Kaisers. So ist der 23. Dezember ein gesetzlicher Feiertag, da es der Geburtstag des momentanen Monarchen ist. Nach dem Tod eines Kaisers wird dessen Geburtstag oft umgewandelt in einen anderen gesetzlichen Feiertag. So war bunka no hi, der Tag der Kultur, ehemals der Geburtstag des Meiji-Tennō, während der Shōwa-Tennō ursprünglich am midori no hi, dem Tag des Grüns, gefeiert wurde.
Andere interessante shukujitsu sind beispielsweise umi no hi, der Tag des Meeres, taiiku no hi, der Tag des Sports, sowie shunbun no hi und shūbun no hi, also der Frühlings- und Herbstanfang.

 

Saijitsu – Religiöse Feiertage

In Japan sind Shintō mit ca. 85% und Buddhismus mit ca. 75% die beiden vorherrschenden Religionen. Demnach sind viele Japaner Anhänger beider Glaubensrichtungen, die sich keineswegs gegenseitig ausschließen. Folglich entstammen die wichtigsten saijitsu diesen beiden Religionen.

Mädchen im Kimono beim shichi-go-san („IMG_5385b“ von Vincent Van den Storme, lizenziert unter CC BY-NC-SA 2.0)

Am 15. November wird in den Shintō-Schreinen shichi-go-san gefeiert, was übersetzt sieben-fünf-drei heißt. An diesem Feiertag nehmen Eltern ihre sieben- und dreijährigen Mädchen sowie die fünfjährigen Jungen zu einem Schreinbesuch mit und lassen sie segnen. Für diesen Anlass tragen die Kinder schöne traditionelle Kimonos.
Ein wichtiger saijitsu im buddhistischen Glauben ist o-bon, das Totenfest. Es findet am 15. Tag des 7. Mondmonats statt und somit etwa Mitte August. Obwohl o-bon kein gesetzlicher Feiertag ist, haben viele kleinere Läden geschlossen und einige Japaner nutzen die Gelegenheit um in die Heimat zu reisen. Während des o-bon sollen die Verstorbenen in die Familien zurückkehren um gemeinsam zu feiern. Abends werden in vielen Orten kleine Schiffchen mit Laternen in einen Fluss gesetzt. Diese sollen die toten Seelen wieder ins Jenseits zurückbegleiten.

Nicht ganz 2% der japanischen Bevölkerung bekennt sich zum Christentum, weshalb Weihnachten grundsätzlich nicht groß gefeiert wird. Jedoch findet man in den großen Städten hier und da einen verkleideten Weihnachtsmann und Weihnachtsdekoration. Geschenke sind auch ohne einen religiösen Zusammenhang beliebt. Außerdem gilt der 25. Dezember als ein wichtiger Tag für Pärchen, die das „Fest der Liebe“ auf eine andere Art feiern und sich in teuren Restaurants treffen.

 

Matsuri – Kulturelle und traditionelle Feste

Obwohl matsuri nicht direkt als religiöse Feiertage gelten, haben doch viele Feste einen shintoistischen Hintergrund. Allgemein findet bei einem matsuri ein Umzug statt, in dem meist auch ein mikoshi, ein tragbarer Schrein, mitzieht. Die Besucher tragen üblicherweise traditionelle Kleidung, und da die meisten matsuri im Sommer stattfinden, sind hier yukata, also leichtere Versionen des Kimonos aus Baumwolle, verbreitet. Beliebt sind auch Stände mit traditionellem Essen und Spielen, zum Beispiel das Fangen von Goldfischen mit einem kleinen Kescher. Außerdem werden Bambuszweige aufgestellt, an die man seine Wünsche hängen kann. Zum Abschluss gibt es ein hanabi, ein großes Feuerwerk. Die drei größten matsuri Japans sind das gion matsuri in Kyoto, das sanja matsuri in Tokyo und das tanabata matsuri in Sendai.

Bambuszweige mit Wunschzetteln bei einem matsuri in Kyoto („Nozomi“ von Angela Kellerbauer)

Das gion matsuri hat seinen Ursprung im Jahr 869, als Kyoto von einer Plage heimgesucht wurde. Der Kaiser schickte Boten zum Yasaka-Schrein in das Viertel Gion, um den Zorn von susanoo zu lindern. Er ist der kami, der eigentlich dafür sorgt, dass keine Seuchen ausbrechen. Sie veranstalteten eine Prozession mit Festwagen und Opfergaben, nach welcher die Epidemie vorbei war. Dieses Ritual wird auch heute noch abgehalten. Viele kleine Veranstaltungen finden den ganzen Juni über in Gion statt, am 16. und 17. des Monats kann man die prächtigen großen Festwagen auf ihrem Weg durch das Viertel bestaunen.
Das sanja matsuri gilt als das größte Fest Tokyos und entstand ursprünglich aus einem Fest, bei dem die kami um reichen Fischfang gebeten wurden. Es findet rund um den Shintō-Schrein Asakusa-jinja statt, von wo aus etwa 100 mikoshi durch das Viertel Asakusa getragen werden. In den Straßen, durch die sie ziehen, beten oft Menschen mit Fotos von Verstorbenen in der Hand.
Auf eine Legende bezieht sich das tanabata matsuri, das auch Sternenfest genannt wird. Es findet am 7. Juli statt, wenn sich die Sternenkonstellation von Wega und Altair ergibt. Die Legende besagt, dass sie ein Liebespaar aus Weberin und Rinderhirte symbolisieren, die sich nur an diesem einen Tag im Jahr sehen konnten. Beim tanabata matsuri werden die Straßen mit großen bunten Gehängen aus Papierstreifen geschmückt. Ein hanabi, also Feuerwerk, darf hier natürlich auch nicht fehlen: Es findet am Vorabend im Nishi-Park in Sendai statt.

 

Anhand dieses Einblicks in die japanischen Feiertage stellt man fest, dass Japan ein spannendes, teils kurioses, aber immer interessantes Land ist. Kein Wunder, dass auch in Deutschland japanische Feste stattfinden, die jedes Jahr zahlreiche Menschen dazu einladen, die Kultur des fernen Landes kennen zu lernen und zu feiern. Das größte japanische Fest in Deutschland ist der Japantag in Düsseldorf mit rund 750.000 Besuchern. In München findet das Japanfest statt, zu dem es jährlich auch tausende Begeisterte zieht. Solche Feste sind allemal einen Besuch wert und entführen in ein matsuri ohne weit zu reisen.

 

von Angela Kellerbauer

Categories: Allgemein, Kultur

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